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Datenleck

Kreditkarten werden ausgetauscht

Von Martin Dowideit, 17.11.09, 23:09h, aktualisiert 17.11.09, 23:40h

Auf Empfehlung von Mastercard und Visa tauschen derzeit zahlreiche Banken in Deutschland Kreditkarten aus, die in den vergangenen Monaten in Spanien eingesetzt wurden. Sie könnten wegen eines Datenlecks missbraucht worden sein.

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Kreditkarten. (Bild: ddp)
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Kreditkarten. (Bild: ddp)
FRANKFURT/MAIN / HAMBURG - Aus Angst vor Datenmissbrauch haben die Banken nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) die bislang größte Umtauschaktion von Kreditkarten in Deutschland gestartet. Allein die Volks- und Raiffeisenbanken zögen wegen des Verdachts auf Datenklau bei einem Dienstleister in Spanien rund 60.000 der von ihnen ausgegebenen Kreditkarten aus dem Verkehr, berichtete das Blatt unter Berufung auf den genossenschaftlichen Bankenverband BVR. Damit steige die Zahl der vorsorglich eingezogenen Karten auf mehr als 100.000.

Nach Angaben des Bankgewerbes ist der Einzug und Umtausch der Kreditkarten rein präventiver Natur. Allerdings könnte es auch schon Betroffene geben: Mitte Oktober musste Klaus Faller (Name geändert) gleich zweimal auf den Kontoauszug seiner Kreditkarte schauen, um zu glauben, was der Drucker in der Sparkassen-Filiale ausspuckte. Für Zahlungen von etwa 9000 Euro sollte er seine Mastercard der Kreissparkasse Ludwigsburg von Ende September bis Mitte Oktober in Spanien eingesetzt haben - für den Kauf von Zugtickets oder auch den Einkauf in einer Boutique.

Dabei war der Mann aus der Nähe von Pforzheim zu der Zeit gar nicht im Süden. Anfang September war er nach Alicante gereist und von dort über die Autobahn nach Valencia gefahren. Seine Kreditkarte hatte er benutzt, um Maut und Kraftstoff zu bezahlen. Für die anderen Buchungen seien Betrüger verantwortlich.

Datenleck in Spanien

Noch von der Schalterhalle aus ließ er die Karte sperren und beschwerte sich bei seiner Bank. Wenige Wochen später wurden die nicht von ihm getätigten Zahlungen erstattet, wie es bei Kreditkartenbetrug üblich ist. „Ich gehe davon aus, dass ich nicht der Einzige bin, dem das passiert ist“, sagt Faller. Auch seine Schwester sei nach einem Aufenthalt auf Mallorca Ziel eines ähnlichen Betrugs gewesen.

Auf Empfehlung von Mastercard und dessen Konkurrenten Visa tauschen derzeit tatsächlich zahlreiche Banken in Deutschland Kreditkarten aus, die in den vergangenen Monaten in Spanien eingesetzt wurden. Die Tauschaktion ist nicht auf nachlässige Kunden zurückzuführen, die etwa leichtsinnig mit ihren Daten umgegangen sind oder ihre Karte irgendwo vergessen haben. Offensichtlich ist bei einem Datenverarbeiter ein Leck aufgetreten, so dass Kreditkarten missbraucht worden sein könnten.

Europaweite Konsequenzen

Fallers Fall scheint genau in das Profil zu passen, auch wenn dies nicht mit absoluter Sicherheit zu sagen ist. Die Kreissparkasse Ludwigsburg jedenfalls tauscht nun auch Karten in ungenannter Zahl aus. Der Vorgang sei „außergewöhnlich und so noch nicht da gewesen“, so ein Sprecher. Zwar ersetzen Banken kontinuierlich Kreditkarten aufgrund einzelner Betrugsfälle und Verdachtsmomente. Doch das spanische Datenleck zieht außergewöhnlich weite Kreise.

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, Schweden und Finnland sperren Banken nun Karten und geben neues Plastik aus. „Das ist ein großer Fall für europäische Verhältnisse“, sagt ein Sprecher der finnischen Op Bank, die bereits Hunderte Karten gesperrt hat. Ihm zufolge sollen Informationen abhanden gekommen sein, die in den Magnetstreifen der Karten enthalten waren. Betroffen sind sowohl Kunden von Mastercard als auch Visa. Bei American Express ist man in erhöhter Alarmbereitschaft, sieht sich aber nicht betroffen. Weder Mastercard noch Visa geben Auskunft über das mögliche Ausmaß des Falls in Bezug auf die Zahl der betroffenen Karten oder die Höhe möglicherweise aufgetretener Schäden. Sie begründen das mit den laufenden Ermittlungen zu den Ursachen der Panne.

Der Zentrale Kreditausschuss des deutschen Bankengewerbes weist daraufhin, dass der Kartenaustausch „rein vorsorglich“ erfolge. Zuletzt hatte etwa die DKB Bank mehrere Tausend gemeinsam mit der Lufthansa ausgegebene „Miles & More“-Kundenkarten ausgetauscht, vergangene Woche bereits die deutsche Tochter der britischen Barclays Bank. Die KarstadtQuelle-Bank hat insgesamt 15.000 Karten ersetzt. Auch Klaus Faller hat eine neue Karte erhalten. Er will diese auch nutzen, jedoch nicht noch einmal in Spanien.

Gefährdet sind nach FTD-Informationen aber nicht nur Karten, die in Spanien genutzt wurden. Betroffen sein könnten auch Kreditkarten, die beim Einkauf in Deutschland eingesetzt wurden, wenn der Handelspartner seinen Zahlungsverkehr über den Dienstleister in Spanien abgewickelt hat. Insbesondere bei Großunternehmen gibt es den Trend, Dienstleistungen wie den Zahlungsverkehr zu zentralisieren. (mit dpa)



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