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Expertenrat

Ihre Fragen zur Schweinegrippe

Von Silke Offergeld und Angela Horstmann, 19.11.09, 21:04h, aktualisiert 20.11.09, 08:25h

Was ist ansteckend? Wie schütze ich mich? Viele verunsicherte Leser haben sich mit ihren Fragen zur Schweinegrippe an die Experten am Stadt-Anzeiger-Telefon gewandt. Wir haben die wichtigsten Antworten aufgezeichnet.

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Impfung eines Kindes. (Bild: rtr)
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Impfung eines Kindes. (Bild: rtr)
Die neue Grippe Influenza A H1N1 grassiert derzeit vor allem in Schulen und Kindergärten. Ganze Klassen sind durch die so genannte Schweinegrippe lahm gelegt. Auf einmal ist die Pandemie, die lange so weit weg erschien, ganz nah. Und die Verunsicherung ist groß. Wie gefährlich ist die Infektion wirklich? Wie kann man sich schützen? Wer sollte sich auf jeden Fall impfen lassen? Und mit welchen Nebenwirkungen ist danach zu rechnen?

Fragen über Fragen, mit denen sich unsere Leserinnen und Leser an ein dreiköpfiges Expertenteam wandten. Zwei Stunden lang beantworteten Dr. Jan Leidel, der ehemalige Leiter des Kölner Gesundheitsamtes und Mitglied der ständigen Impfkommission, Dr. Frieder Götz Hutterer, Allgemeinmediziner und Vorsitzender der Kreisstelle Stadt Köln der Kassenärztlichen Vereinigung Köln, sowie Kinderärztin Dr. Petra Zieriacks, stellvertretende Vorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte im Bezirk Köln, die vielen Leserfragen.

Mein zweijähriger Sohn hat nach der Impfung Fieber. Er ist nur mit der halben Dosis geimpft wurde. Ist das normal?

Ja, Fieber als Impfreaktion kommt immer wieder vor. Kinder werden grundsätzlich nur mit der halben Dosis geimpft, dafür aber zwei Mal, im Abstand von drei Wochen. Nur Erwachsene erhalten die volle Dosis. In den drei Wochen zwischen den Impfungen können sich Kinder aber durchaus noch mit der Grippe anstecken - dann wäre das Fieber keine Impfreaktion, sondern ein Krankheitssymptom.

Ich bin 77 Jahre alt und habe eine Operation hinter mir. Ich fühle mich noch schwach. Soll ich mich lieber gegen die Schweinegrippe impfen lassen?

Nein. Die Schweinegrippe betrifft Ihre Altersgruppe ohnehin kaum, an ihr erkranken, zumindest im Moment, vor allem jüngere Menschen. Für Sie wäre es viel wichtiger, sich so schnell wie möglich gegen die saisonale Grippe, impfen zu lassen - denn die kann vor allem für Menschen über 60 gefährlich werden!

Wie gefährlich ist denn nun der Wirkverstärker, den der Impfstoff enthält? Man hört immer wieder, die Substanz sei noch nicht getestet worden.

Das stimmt so nicht. Der Wirkverstärker (Adjuvans) in dem Impfstoff Pandemrix heißt AS03 und enthält u.a. Squalen, ein Zwischenprodukt der Cholesterinsynthese aus Haifischleber (siehe Kasten), das Tensid Polysorbat 80 (Emulgator) und Vitamin E. AS03 wurde in klinischen Tests bei etwa 40 000 Menschen erprobt, jedoch noch nie in der Routine. Ein sehr ähnlicher Wirkstoffverstärker aber, das Adjuvans MF59, wird bereits seit Jahren in dem Impfstoff Fluad gegen die saisonale Grippe eingesetzt und wurde bereits millionenfach verimpft. MF59 enthält ebenfalls Squalen und Polysorbat. Statt des in Pandemrix enthaltenen Vitamin E enthält es eine andere, chemisch aber sehr ähnliche Substanz.

Welche Nebenwirkungen sind bisher bekannt?

Bisher wurde häufiger von Rötungen und Schwellungen an der Impfstelle und lokalen Reaktionen berichtet. Einige Geimpfte klagten auch ein bis zwei Tage nach der Impfung über Fieber und Unwohlsein.

Wer darf nicht geimpft werden?

Grundsätzlich ist Fieber über 38 Grad ein Grund nicht zu impfen. Zudem darf Pandemrix nicht oder nur nach genauer ärztlicher Abklärung bei Personen angewendet werden, bei denen in der Vergangenheit eine anaphylaktische Reaktion (schwere allergische Reaktion) auf einen der Bestandteile des Impfstoffes oder auf Substanzen auftrat, die in sehr geringen Konzentrationen in dem Impfstoff enthalten sind, wie Eier- oder Hühnerprotein, Ovalbumin (ein Protein im Eiweiß), Formaldehyd, Gentamicinsulfat (ein Antibiotikum) und Natriumdeoxycholat.

Ich bin allergisch gegen Quecksilber. Kann ich mich trotzdem impfen lassen, auch wenn der Impfstoff Quecksilber enthält? Und: Ist die Quecksilberdosis nicht schädlich?

Da der aktuelle Impfstoff den Praxen in Zehner-Dosen geliefert wird, braucht er einen Konservierungsstoff, der verhindert, dass der Impfstoff verunreinigt. Deshalb enthält Pandemrix die organische Quecksilberverbindung Thiomersal - allerdings nur in sehr geringen Mengen. Wenn Sie z.B. Fisch essen, nehmen Sie in vielen Fällen schon mehr auf. Deswegen wird der Impfstoff selbst von den meisten Allergikern gut vertragen. Zur Sicherheit sollten Sie jedoch Ihren Allergologen um Rat fragen - auch, wenn Sie eine Amalgam-Allergie haben. Amalgam enthält Quecksilber, deshalb könnte es sein, dass Sie auch darauf allergisch reagieren.

Mein Sohn hat hohes Fieber, es wird vermutet, dass er die Schweinegrippe hat. Aber warum wird kein Test mehr durchgeführt, der das eindeutig belegen würde?

Weil dieses Wissen niemandem hilft. Die Diagnose macht für die Behandlung keinen Unterschied: Behandelt werden können ohnehin nur die Symptome wie Fieber, Husten und Übelkeit. Gerade Kinder sind meist nach kurzer Zeit wieder fit.

Ist es ein Problem, wenn ich mich impfen lasse, obwohl ich mich bereits unbemerkt irgendwo angesteckt haben könnte?

Nein, selbst wenn man in eine sich bereits anbahnende Schweinegerippe impfen lässt, führt das nicht zu einer Verschlimmerung des Verlaufs.

Können auch schon kleine Kinder geimpft werden?

Je kleiner die Kinder sind, umso komplikationsreicher können Infekte verlaufen. Der Impfstoff ist für Kinder ab einem halben Jahr zugelassen. Für Kinder mit einer chronischen Erkrankung ist eine Impfung deshalb zu empfehlen. Da die Schweinegrippe derzeit vor allem Kinder und Jugendliche trifft, ist es vielleicht sogar sinnvoll, auch Kinder ohne Vorerkrankung zu impfen - noch vor gesunden Erwachsenen.

Zwei meiner Kinder haben die Schweinegrippe, wie kann ich verhindern, dass der Rest der Familie sie auch bekommt?

Das Schweinegrippenvirus ist hochinfektiös und die Weiterverbreitung ist nur schwer zu unterbinden. Generell sollte man zu Erkrankten - soweit es geht - etwas Distanz halten, sich häufig und gründlich die Hände waschen und regelmäßig lüften. Ein Mundschutz hilft vermutlich nur, wenn die Erkrankten selbst ihn tragen. Man geht davon aus, dass Schweinegrippe-Patienten etwa sieben Tage lang ansteckend sind, nach der Entfieberung ist das Ansteckungsrisiko aber rückläufig. Von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen kann es wiederum sieben Tage dauern.

Was sollte man bei einem erkrankten Kind beachten?

Es besteht immer die Gefahr, dass sich auf den Virusinfekt eine bakterielle Suprainfektion, z.B. eine Lungenentzündung legen könnte. Eltern sollten erneut den Arzt kontaktieren, wenn sie das Gefühl haben, dass es dem Kind schlechter geht, sich die Atmung des Kindes verändert, sie schneller ist als normal, der Husten sich verstärkt oder das Fieber nach einer fieberfreien Zeit zum zweiten Mal ansteigt.

Ist man auf jeden Fall geschützt, wenn man die Krankheit durchmacht hat?

Solange sich das Virus nicht verändert, besteht wahrscheinlich ein gewisser Schutz. Ob ein sehr milder und kurzer Verlauf tatsächlich das Immunsystem ausreichend anstößt, wissen wir aber noch nicht.

Ich bin vor einigen Monaten Mutter geworden und stille noch. Gleichzeitig weiß ich nicht, ob ich nicht erneut schwanger bin - sollte ich mich impfen lassen?

Bevor Sie sich impfen lassen, sollten Sie einen Schwangerschaftstest durchführen. Wenn Sie nicht schwanger sind, können Sie sich impfen lassen: Denn über die Muttermilch übertragen Sie die Antikörper - und damit den Schutz - auch auf Ihr noch kleines Kind.

Ich habe Rheuma und werde mit Cortison behandelt. Zähle ich zu den Risikogruppen?

Ja, denn Cortison unterdrückt das Immunsystem. Sie sollten sich deshalb impfen lassen.

Ich nehme Marcumar. Kann ich mich trotzdem impfen lassen?

Bei Marcumar-Patienten besteht das Problem, dass man ihnen aufgrund ihrer Blutungsneigung keine intramuskulären Spritzen setzen sollte. Deshalb sollten Sie auf jeden Fall im Fragebogen, den Sie vor der Impfung zum Ausfüllen bekommen, ankreuzen, dass Sie blutverdünnende Mittel einnehmen. Das gleiche sollten auch Menschen tun, die regelmäßig Aspirin einnehmen. Der Arzt sollte bei der Impfung eine dünnere Nadeln verwenden und aufpassen, dass er kein Blutgefäß verletzt.



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