Erstellt 20.11.09, 21:00h
REBEKKA BAKKEN Ich würde sagen, es ist ein Singer-Songwriter-Album. Aber ich habe jetzt mit vielen verschiedenen Leuten darüber gesprochen, und da gibt es so viele unterschiedliche Assoziationen. Ich finde das großartig! Sie sagen Blues, und ich liebe Blues - das ist doch toll, dass Sie diesen Eindruck haben.
Sie wurden früher als eine Art Sexsymbol des Jazz verkauft, was sich auch im Artwork der Alben spiegelte. Das neue Album ist eher entspannt und romantisch. Warum haben Sie sich dazu entschieden?
BAKKEN Ich denke über meine Entscheidungen nicht soviel nach. Ich weiß, wann eine Entscheidung richtig ist, und ob die Richtung stimmt, aber warum das so ist, das frage ich mich eigentlich nicht. Ich spiele gerne mit dem Artwork und dem Cover herum, das ist ja eine nette Verpackung - aber es ist eben nur die Verpackung. Und bei diesem Album haben wir gedacht, genau das passt gut zur Musik.
Für die Musikindustrie ist die Verpackung aber sehr wichtig. Gerade auch im übertragenen Sinne - wie wichtig, glauben Sie, ist es, sich ein Image geben zu lassen?
BAKKEN Ach, wir Menschen sind alle so verschieden. Manche Menschen brauchen solche Bezugspunkte, andere nicht - ich bin jemand, der sie nicht braucht, aber ich respektiere, dass es Menschen gibt, die sie brauchen. Was auch immer den Leute hilft, Zugang zu etwas zu finden, ist in Ordnung für mich.
Aber wäre es Ihnen nicht lieber, wenn es ohne Klischees ginge?
BAKKEN Hm - nein. Die Leute tun eben, was für sie richtig ist. Wenn ich Musik höre, orientiere ich mich zum Beispiel nie an Genres, aber viele meiner Freunde tun das. Ich finde das völlig in Ordnung, es ist einfach eine andere Art und Weise. Ich bevorzuge nur eben den freien Zugang. Aber wenn es anderen Menschen hilft, mich in eine bestimmte Kategorie zu stecken, um Zugang zu meiner Musik zu finden, dann ist das doch in Ordnung. Ich weiß nur nicht so richtig, wie das funktioniert - aber das ist ja Gott sei Dank auch nicht mein Job. Ich muss nur singen und Musik machen, den Rest erledigen andere für mich, und über diese Arbeitsteilung bin ich sehr froh.
Fällt der Erfolg leichter, wenn man in eine Kategorie passt?
BAKKEN Nein, das glaube ich nicht. Bob Dylan hat nie in eine Schublade gepasst - und war trotzdem enorm erfolgreich. Oder nehmen Sie Miles Davis: Er hat das ganze Genre-Konzept total auf den Kopf gestellt, und er hatte riesigen Erfolg damit.
Sind die beiden Vorbilder für Sie?
BAKKEN Ich habe nie Vorbilder gehabt. Ich habe nie zu jemandem aufgeschaut, und nie auf jemanden heruntergeblickt. Aber was Bob Dylan und Miles Davis hatten, war Integrität. Und das finde ich inspirierend. Schließlich haben wir nichts außer uns selbst, unserer Persönlichkeit. Und die würde ich gerne immer weiter entwickeln.
INTERVIEW: SILKE OFFERGELD
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