Erstellt 18.11.09, 21:13h
BETTINA REITZ: . . .während ich noch in voller Verantwortung stehe. Deshalb betrachte ich den Preis auch als Aufforderung, in eher problematischen Zeiten nicht zu schwächeln. Wir werden demnächst mehr Verteilungskämpfe ausfechten. Da muss man darauf achten, dass die Qualität nicht leidet und man keine falschen Kompromisse eingeht.
Welche Gefahren sehen Sie?
Das Erreichte im Zuge der wirtschaftlichen Krise nicht aufs Spiel zu setzen! Das Engagement für Fernsehfilme und die Kinokoproduktionen darf nicht wieder verloren gehen. Wir müssen uns fragen, ob wir Gebührengeld in solcher Höhe zum Beispiel in den Sport investieren wollen oder auch noch in besondere Leistungen im fiktionalen Bereich.
Derzeit sind beim Fernsehfilm noch keine Einbußen zu erkennen. Ist das deutsche TV-Movie so gut wie nie zuvor?
Es befindet sich jedenfalls auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Gerade beim Mittwochsfilm im Ersten liefern sich die Sender einen qualitätsfördernden Wettbewerb, aus dem ganz herausragende Produktionen resultieren. Hier müssen wir aktuell ebenso sparen wie beim Engagement für den Kinofilm.
Sie haben dafür gesorgt, dass „Türkisch für Anfänger“ fortgesetzt werden konnte. Die Serie hat alle Preise gewonnen, aber kaum Zuschauer gehabt.
Und deshalb sollte es in der späten Primetime auch Raum für ein serielles Format geben, dss sich an ein jüngeres Publikum richtet. Diskussionen dieser Art werden meiner Ansicht nach zu wenig lösungsorientiert geführt. Wir müssen die Zuschauer öfter mit innovativen und risikofreudigen Inhalten überraschen. Über programmliche Innovationen wird bei uns gern geredet, aber sie werden ungern finanziert.
Die Betrügereien von Doris Heinze haben dem Ansehen der ARD sehr geschadet. Müssen die Redaktionen stärker kontrolliert werden?
Schwarze Schafe und Grenzüberschreitungen gibt es in jedem System. Wir leiden im Gegenteil eher an zuviel Kontrolle. Ich sehe vielmehr die Gefahr, dass der Ruf nach noch mehr Überwachung zu einer Behinderung der Kreativität führen würde.
Dürfen BR-Redakteure Drehbücher schreiben?
Nach dem Ausscheiden meiner Vorgängerin Gabriela Sperl, die geschrieben hat, haben wir uns im fiktionalen Bereich für eine klare Trennung entschieden, weil es sonst zu Interessenkollisionen kommt. Allerdings erstellt zum Beispiel Cornelia Ackers, die Redakteurin unserer „Polizeiruf 110“-Krimis, das Konzept der Reihe. Es ist wichtig, dessen Entwicklung an ihrem Ursprungskonzept zu messen.
Beim NDR gab es die Tradition schreibender Chefs wie Egon Monk und Dieter Meichsner...
Können Sie es nachempfinden, wenn Autoren von einem Klima der Angst sprechen?
Es hat mich getroffen, als ich das gehört habe. Ich kann nicht beurteilen, ob das wirklich der Wahrheit entspricht oder ob es nur inszeniert wurde. Angst als Teil eines kreativen Prozesses muss ausgeschlossen sein.
Das Gespräch führte Tilmann P. Gangloff
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