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„Rico's Briefdenst“

Im Keller wird Post sortiert

Von Johannes Puderbach, 19.11.09, 17:20h

Rico Weber und seine Frau Petra Leopardi-Weber waren arbeitslos, die Behörden hatten sie aufgegeben. Dann machte sich das Paar aus Satzvey mit „Ricos Briefdienst“selbstständig. Im Oktober verteilten sie 57.000 Sendungen - von der Postkarte bis zum Katalog.

Rico's Briefdienst
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Die Zentrale von „Rico's Briefdienst“ ist in einem Einfamilienhaus hinter dem Satzveyer Bahnhof untergebracht. Um die Post zu verteilen, hat Rico Weber 25 spezielle Fahrräder angeschafft. (Bild: Puderbach)
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Die Zentrale von „Rico's Briefdienst“ ist in einem Einfamilienhaus hinter dem Satzveyer Bahnhof untergebracht. Um die Post zu verteilen, hat Rico Weber 25 spezielle Fahrräder angeschafft. (Bild: Puderbach)
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Von drei Uhr an morgens wird die Post im Keller des Einfamilienhauses sortiert. Dabei hilft auch Petra Leopardi-Weber. Im Oktober stellte die Firma 57.000 Sendungen zu. (Bild: Puderbach)
Rico's Briefdienst
MECHERNICH-SATZVEY - Vor dem Haus hinter dem Satzveyer Bahnhof herrscht reger Verkehr: Gerade eben kam eine Spedition vorbei, die auf einer Palette 620 Kataloge eines Elektronik-Versandes ablieferte. Jetzt steht schon wieder ein Lieferwagen vor der Einfahrt, der mehrere Kartons voller Briefe bringt.

Für Rico Weber und seine Frau Petra Leopardi-Weber ist nun Schleppen angesagt. Alles muss in den Keller des Einfamilienhauses getragen werden, in dem die Zentrale von „Rico's Briefdienst“ beheimatet ist.

Vor fünf Jahren gründete der heute 51-Jährige den Briefdienst. „Wir waren beide arbeitslos, und die Behörden hatten uns aufgegeben“, erinnert sich Rico Weber, der vorher schon berufliche Erfahrungen in der Speditionsbranche gesammelt hatte.

In dieser Zeit erlebte das Paar schon allerlei Höhen und Tiefen. Einmal wollte die Pin-Gruppe die Firma aufkaufen, doch die Webers lehnten glücklicherweise ab. Denn die meisten Briefdienste dieser Gruppe sind mittlerweile insolvenzbedingt Geschichte. „Rico's Briefdienst“ hingegen lieferte im Oktober rund 57 000 Sendungen aus - von der Postkarte bis zum Katalog.

„Wir tragen die Post nur in den Städten Euskirchen, Mechernich und Meckenheim aus“, so Weber. Da wegen der Wirtschaftskrise der Briefverkehr rückläufig war, hat man die Zustellung in Zülpich aufgegeben. Es habe sich wegen der gesunkenen Stückzahlen nicht mehr gelohnt, so der Dienstleister.

Ab 1. Januar soll es dann aber steil bergauf gehen. „Zum Jahresanfang tritt die bundesweite Mail-Allianz unter der Federführung der holländischen Post TNT in Kraft“, erklärt der Fachmann. Dann werde sich das Postaufkommen ungefähr verdoppeln, so seine Hoffnung.

Vielleicht entstehen dann bei „Rico's Briefdienst“ noch mehr Arbeitsplätze. Schon jetzt arbeiten dort fünf fest angestellte Kräfte, davon einige in Teilzeit, sowie rund 40 Minijobber. Weber: „Wir haben den Anspruch, billiger als die Post zu sein, aber kein Dumping zu betreiben.“ So bezahle man einerseits Löhne, die über dem vorgeschriebenen Mindestlohn liegen. Andererseits sei das Porto billiger. So koste ein Standardbrief 50 Cent.

Dies gilt allerdings nur, wenn er in den Bereichen zugestellt werden soll, der von „Rico's Briefdienst“ und seinen Kooperationspartnern abgedeckt wird. Rund drei Viertel der Fläche Nordrhein-Westfalens und Teile Niedersachsen zählen dazu. Standardbriefe, die innerhalb von Euskirchen verteilt werden, kosten lediglich 45 Cent.

Zu den Kunden der Satzveyer Firma zählen größere Betriebe, aber auch Ärzte und Rechtsanwälte. Da „Rico's Briefdienst“ keine Briefkästen hat, wird die Post bei den Kunden abgeholt.

Neue Briefshops

Private Kunden können ihre Post bei zwei Briefshops in Euskirchen abgeben: im Lotto- und Tabakgeschäft von Hedi Kirchhof, Wilhelmstraße 9, und bei Computerwelt Büttner, Annaturmstraße 5-7. Weitere Briefshops, auch in Mechernich, sollen demnächst eröffnen.

Eins können die Unternehmensgründer allerdings nicht verstehen: Von den öffentlichen Verwaltungen haben sie bisher noch keine Aufträge erhalten. „Dabei könnten die Steuerzahler Tausende von Euro sparen, wenn wir die Post für die Verwaltungen verteilen würden“, so das Ehepaar. Außerdem sollten die Kommunalpolitiker doch eigentlich dafür sorgen, dass örtliche Dienstleister beauftragt würden.

„Rico's Briefdienst“ unterliegt genauso wie andere Postunternehmen der Kontrolle durch die Netzagentur. Es gelten auch die gleichen Vorschriften - zum Beispiel dafür, nach wie viel Tagen ein Brief zugestellt sein muss. Auch Sonderleistungen, wie zum Beispiel Einschreiben, gehören zum Angebot. Pakete stellt man allerdings nicht zu. Rico Weber: „Der Paketdienst ist ein ganz anderes Geschäft.“



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