Von Markus Decker, 20.11.09, 18:24h
Guttenberg hat soeben einen Trip absolviert, der es in sich hat: Paris, Washington, Halifax (Kanada) - in 60 Stunden. Er hat sich ein Bild gemacht und wünscht, dass andere sich ein Bild machen - von ihm.
In Paris wird der Minister von seinem französischen Amtskollegen Hervé Morin begrüßt. Dieser ist von brachialer Jovialität. Es habe schon ein deutscher Verteidigungsminister kommen müssen, um ihn vom Fußball gucken abzuhalten, poltert der Hausherr. Zu jener Stunde spielt Frankreich gegen Irland um das Ticket nach Südafrika. Auch hat Morin dem jüngeren Guttenberg sogleich das Du angeboten. Zu dem Paar Angela (Merkel) und Nicolás (Sarkozy) geselle sich nun das Paar Karl-Theodor und Hervé, glaubt er.
Guttenberg will an der Brust des Franzosen nicht ersticken. Deshalb gibt er zurück, man möge das Du bitte nicht als „Sozialdemokratisierung der Verteidigungspolitik“ verstehen. Danach geht es um Politik: um die deutsch-französische Brigade, um den Militärtransporter A400M, um Ausbildungshilfe für somalische Soldaten unter dem Dach der Europäischen Union. Morin betont, er könne sich „nicht vorstellen, dass eine derart große europäische Operation ohne Deutschland“ stattfinde. Guttenberg weicht aus. Ernst wird sein Kollege beim Thema Afghanistan, wo 3300 französische Soldaten stationiert sind. „Ein Teil unserer Sicherheit und der Stabilität in der Welt stehen in Afghanistan auf dem Spiel“, sagt Morin. Er will weiter „Straßen, Schulen und Brücken bauen“. Davon träumt in Deutschland kein Mensch mehr.
Am anderen Morgen bittet der Verteidigungsminister zum Hintergrundgespräch - im Airbus der Luftwaffe hoch über dem Atlantik. Guttenberg referiert im Stehen, die Journalisten sitzen. In Washington warten unter anderem Sicherheitsberater James Jones und Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain.
Ein anderes Kaliber als der clowneske Morin ist US-Verteidigungsminister Robert Gates. Seit dem Amtsantritt des 66-Jährigen sind 1500GIs im Irak und Afghanistan umgekommen. Da scherzt man nicht. Nun stehen Gates und Präsident Barack Obama vor der Frage, ob sie den 68 000 Soldaten am Hindukusch noch 44 000 hinzufügen sollen, wie es General Stanley McChrystal will, der das Kommando führt. Gates bekennt nach Guttenbergs Visite, „dass wir alle Hilfe brauchen können“. Der Gast erwidert, „Deutschland hat die Möglichkeit und durchaus auch das Selbstbewusstsein, seine eigenen Vorstellungen einzubringen“. Das klingt nach Festlegung und ist es doch nicht. Näheres wird man nach der Afghanistan-Konferenz Ende Januar in London erfahren.
Bei seiner Rede in Washington signalisiert Guttenberg den USA Treue und mahnt die Deutschen, sich an Auslandseinsätze zu gewöhnen. Doch Leuten, die genau wissen wollen, was er vorhat in Afghanistan und anderswo, denen erklärt der „Trouble-Shooter“, dass er darauf nicht antworten werde. Nicht jetzt. Er tut das in feinstem Englisch.
Wo bleibt die Fachlichkeit ?
22.11.2009 | 11.08 Uhr | michaschreibt
Vollkommen überflüssige Frage. Wer hat schon die Fachlichkeit zu Kanzler/Kanzlerin, wer für einen Ministerposten? Wichtig ist eine sogenannte…
Die Blendgranate vom Guttenberg
21.11.2009 | 20.59 Uhr | kischfwm
Es gab in der deutschen Geschichte schon immer blendend auftretende Gestalten. Da gab es welche, die haben Tod und Elend über Millionen von Menschen…
@Schwarzer Peter
21.11.2009 | 13.39 Uhr | Kalter Kaffee
Nein, ich erwechsel das nicht. Und ich verwechsel auch gute Manieren nicht mit Fachkompetenz. Fachkompetenz hat Guttenberg als Wirtschaftsminister…
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