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Guttenberg auf Reisen

Ein blendender Verteidigungsminister

Von Markus Decker, 20.11.09, 18:24h

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich in Frankreich, den USA und in Kanada vorgestellt. Bei seinem Besuch glänzte der 37-Jährige mit guten Manieren und exzellentem Englisch. Über seine Pläne in Afghanistan schwieg er sich jedoch aus.

Karl-Theodor zu Guttenberg
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Karl-Theodor zu Guttenberg spricht im Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington, USA. (Bild: dpa)
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Karl-Theodor zu Guttenberg spricht im Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington, USA. (Bild: dpa)
WASHINGTON/PARIS – Dieser Mann kann Englisch. Vom Vertreter der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung in Washington als „Trouble-Shooter“ der deutschen Politik begrüßt, hält Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Center for Strategic and International Studies eine halbstündige Rede in der Landessprache - fließend. Auch die Fragen pariert der CSU-Politiker so, als rede er Deutsch. Was den Rest anlangt - Anzug, Krawatte, Manieren -, finden die Deutschen ja ohnehin, dass der 37-Jährige vorzeigbar ist.

Guttenberg hat soeben einen Trip absolviert, der es in sich hat: Paris, Washington, Halifax (Kanada) - in 60 Stunden. Er hat sich ein Bild gemacht und wünscht, dass andere sich ein Bild machen - von ihm.

In Paris wird der Minister von seinem französischen Amtskollegen Hervé Morin begrüßt. Dieser ist von brachialer Jovialität. Es habe schon ein deutscher Verteidigungsminister kommen müssen, um ihn vom Fußball gucken abzuhalten, poltert der Hausherr. Zu jener Stunde spielt Frankreich gegen Irland um das Ticket nach Südafrika. Auch hat Morin dem jüngeren Guttenberg sogleich das Du angeboten. Zu dem Paar Angela (Merkel) und Nicolás (Sarkozy) geselle sich nun das Paar Karl-Theodor und Hervé, glaubt er.

Guttenberg will an der Brust des Franzosen nicht ersticken. Deshalb gibt er zurück, man möge das Du bitte nicht als „Sozialdemokratisierung der Verteidigungspolitik“ verstehen. Danach geht es um Politik: um die deutsch-französische Brigade, um den Militärtransporter A400M, um Ausbildungshilfe für somalische Soldaten unter dem Dach der Europäischen Union. Morin betont, er könne sich „nicht vorstellen, dass eine derart große europäische Operation ohne Deutschland“ stattfinde. Guttenberg weicht aus. Ernst wird sein Kollege beim Thema Afghanistan, wo 3300 französische Soldaten stationiert sind. „Ein Teil unserer Sicherheit und der Stabilität in der Welt stehen in Afghanistan auf dem Spiel“, sagt Morin. Er will weiter „Straßen, Schulen und Brücken bauen“. Davon träumt in Deutschland kein Mensch mehr.

Am anderen Morgen bittet der Verteidigungsminister zum Hintergrundgespräch - im Airbus der Luftwaffe hoch über dem Atlantik. Guttenberg referiert im Stehen, die Journalisten sitzen. In Washington warten unter anderem Sicherheitsberater James Jones und Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain.

Ein anderes Kaliber als der clowneske Morin ist US-Verteidigungsminister Robert Gates. Seit dem Amtsantritt des 66-Jährigen sind 1500GIs im Irak und Afghanistan umgekommen. Da scherzt man nicht. Nun stehen Gates und Präsident Barack Obama vor der Frage, ob sie den 68 000 Soldaten am Hindukusch noch 44 000 hinzufügen sollen, wie es General Stanley McChrystal will, der das Kommando führt. Gates bekennt nach Guttenbergs Visite, „dass wir alle Hilfe brauchen können“. Der Gast erwidert, „Deutschland hat die Möglichkeit und durchaus auch das Selbstbewusstsein, seine eigenen Vorstellungen einzubringen“. Das klingt nach Festlegung und ist es doch nicht. Näheres wird man nach der Afghanistan-Konferenz Ende Januar in London erfahren.

Bei seiner Rede in Washington signalisiert Guttenberg den USA Treue und mahnt die Deutschen, sich an Auslandseinsätze zu gewöhnen. Doch Leuten, die genau wissen wollen, was er vorhat in Afghanistan und anderswo, denen erklärt der „Trouble-Shooter“, dass er darauf nicht antworten werde. Nicht jetzt. Er tut das in feinstem Englisch.



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