Von Thomas Wüpper, 23.11.09, 21:05h, aktualisiert 23.11.09, 21:06h
Seit Wochen rechnen die Deutsche Bahn, Land, Bund und Stadt emsig und versuchen hinter den Kulissen, eine Einigung über die Finanzierung weiterer Mehrkosten zu finden. Denn die Finanzreserven sind schon vor Baubeginn nahezu ausgeschöpft. Kein Projektpartner aber will noch mehr Geld locker machen. Doch jedem ist klar: Wenn der Bau begonnen hat, gibt es kein Zurück mehr - auch wenn die Kosten noch stärker aus dem Ruder laufen.
Schon einmal wurde das Projekt beerdigt. Ende der neunziger Jahre stoppte der damalige Bahnchef Johannes Ludewig das teure Prestigevorhaben seines Vorgängers Heinz Dürr. Der Schwabe hatte die Neuordnung des Bahnknotens am Neckar durchgesetzt. Die Grundidee schien genial: Der Bahnhof verschwindet in Tunneln unter der Erde - und mitten in der Stadt werden Flächen für neue Läden, Wohnungen und Büros frei, deren Vermarktung das Projekt mitfinanziert.
Soweit die Theorie. In der Praxis wurden ähnliche Pläne für Frankfurt oder München bald wieder aufgegeben. Zu teuer, zu riskant, erkannte man dort. Nur das Großprojekt S 21 blieb übrig. Aber nur bis zu Dürrs Abgang. Ludewig legte das auf umgerechnet 2,5 Milliarden Euro taxierte Vorhaben rasch zu den Akten.
Doch Stadt und Land ließen nicht locker. Durch eine Übernahme der meisten Kosten und Risiken sowie umfangreiche weitere Zusagen an die Deutsche Bahn gelang es den Politikern, den neuen Konzernchef Hartmut Mehdorn umzustimmen. So kaufte die Stadt schon im Jahr 2000 der Bahn die projektierten Bahnhofsflächen zum stolzen Preis von 450 Millionen Euro ab.
Davon profitiert die Bahn bis heute. Für Stuttgart 21 aber ist auch zwanzig Jahre nach den ersten Projektideen kein einziger Spatenstich gesetzt worden. Und die Chancen für die - inzwischen deutlich teurer gewordene - Realisierung sinken mit jedem Tag mehr. Denn das Hauen und Stechen um die in den nächsten Jahren immer knapper werden Steuermittel für Verkehrsprojekte hat längst begonnen.
Bundesweit rund 60 laufende und künftige Bahn-Bauprojekte soll der Bund in den nächsten Jahren finanzieren. Wenn allerdings „S 21“ tatsächlich kommt, wird sich besonders der für den Güterverkehr zwischen der Nordsee und dem Mittelmeer enorm wichtige Ausbau der Rheintalstrecke noch um Jahrzehnte verzögern.
koste es was es wolle ?
24.11.2009 | 15.41 Uhr | Berlin1
aus dem Text entnommen: "wenn das Projekt läuft gibt es kein zurück mehr". Diese banale Feststellung wird horrende Kostensteigerungen wie sie überall…
Alles ausser Hochdeutsch?
24.11.2009 | 06.48 Uhr | Nestbeschmutzer
Da muss vermutet werden, dass es mit der schwäbischen Gewissenhaftigkeit im Umgang mit Geld mehr um eine PR-Idee handelt als um solide…
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