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Geschenk-Tipp

Einmal mit dem Helikopter abheben

Von Rainer Nolte, 26.11.09, 13:43h, aktualisiert 27.11.09, 15:02h

Welcher kleine Junge wünscht sich nicht, irgendwann einmal selbst einen Helikopter zu fliegen? Mit einem Schnupperkurs kann der Traum wahr werden. Unser Autor hat den Selbstversuch gewagt - und ist begeistert.

Helikopter
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Magazin-Mitarbeiter Rainer Nolte (rechts) mit Pilot Jan Veen. (Bild: Frohn)
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Magazin-Mitarbeiter Rainer Nolte (rechts) mit Pilot Jan Veen. (Bild: Frohn)
Der Traum vom Fliegen ist wahr geworden. Im Kinderzimmer steuerte ich früher den Spielzeughubschrauber mit einem „Schrappschrappschrapp“ auf den Lippen durch die Lüfte. Jetzt schrappt es real über mir, ich habe den Steuerknüppel - in der Pilotensprache „Stick“ genannt - fest im Griff und schwebe 300 Metern über dem Erdboden. Tatsächlich, ich fliege und zwar selber. Plötzlich fängt der Helikopter an zu schlingern, Panik steigt in mir auf. Mein Blick geht nach rechts. Jan Veen grinst und stabilisiert den Helikopter. Na gut, so ganz alleine fliege ich dann doch nicht.

Pilot Jan Veen ist Ausbildungsleiter von „Heli Transair“ in Egelsbach bei Frankfurt. Neben der Schulung von Berufspiloten widmet er sich auch der Erfüllung von Kindheitsträumen: Helikopter-Schnupperkurse für Laien. „Besonders zu Weihnachten kommen viele Anfragen“, sagt der 33-Jährige, „Kinder legen für ihren Vater zusammen, die Ehefrau verschenkt einen Gutschein zum Abheben oder jemand beschenkt sich selber.“ Ganz billig ist das Vergnügen nicht. Für rund 300 Euro geht man 20 Minuten in die Luft und vorweg bekommt man in etwa 90 Minuten die Theorie beigebracht. Aber für das Wahrwerden eines Kindheitstraums kann „mann“ darüber hinwegsehen.

ksta.tv: Helikopterflug als Weihnachtsgeschenk

Denn schließlich werde ich hier eins mit den TV-Helden aus den 80ern, wie „Magnum“ bei wilden Verfolgungsjagden am Himmel über Hawaii oder Hawke bei unmöglichen Manövern im „Airwolf“. Auch wenn ich mich nach der Theorie eher als nächster „Quax der Bruchpilot“ sehe. Denn Hubschrauberfliegen ist sehr komplex, wie mir Jan Veen im Schulungsraum erklärt. Ich komme mir vor wie im Physik-Unterricht - Rotation, Auftrieb, Winkel, Geschwindigkeit. . . Aber im Gegensatz zu meiner Schulzeit verstehe ich es, weil mein Ausbilder mir alles am Model erläutert und mich abfragt, ob ich die Zusammenhänge auch wirklich verstanden habe. Denn das ist wichtig, da ich wenige Minuten später das Gelernte umsetzen muss.

Wir schieben den Heli aus dem Hangar und setzen uns ins enge Cockpit. „Ich bringe uns jetzt erst einmal in die Luft und dann wirst du Stück für Stück übernehmen“, sagt Jan Veen. Sanft heben wir ab. Schweben entspannt in vier Metern Höhe über dem Übungsfeld. „Versuche jetzt unsere Höhe zu halten“, fordert Veen mich auf. Ich denke an die Theorie zurück, umfasse mit der linken Hand den „Pitch“, der einer Handbremse ähnelt - mit ihm verändere ich durch Ziehen und Drücken den Winkel der Rotorblätter. Doch statt sanft weiter zu schweben, geht es ruckartig rauf und runter. „Mit mehr Gefühl“, rät Veen, der schon bei „Wetten dass..?“ gezeigt hat, wie viel Gefühl er hat, als er mit einem Kronkorkenöffner, der an der Hubschrauber-Kufe befestigt war, Bierflaschen aufploppte.

Von dieser Geschicklichkeit bin ich noch hunderte Flugstunden entfernt, aber zumindest ruckelt es jetzt nicht mehr so extrem. Und prompt erhöht der Pilot den Schwierigkeitsgrad: „Ich überlasse dir nun die Pedale.“ Wie bei einem Go-Kart habe ich zwei Pedale vor mir. Aber die Funktionen sind nicht „Gas“ und „Bremse“, sondern helfen dabei, die Schnauze des Drehflüglers geradeaus zeigen zu lassen. Durch die Bewegung der Rotorblätter müsste sich der Rumpf eigentlich auch drehen, um das zu verhindern steuert der kleine Heckrotor dagegen, den ich mit den Füßen bediene. Jede Lenkbewegung, jede Windveränderung bringt den Helikopter aus dem Gleichgewicht. Wenn ich nicht sofort reagiere und per Pedaldruck die Richtung korrigiere, brausen wir seitlich in Flugrichtung, was dem Orientierungssinn nicht gut tut.

Immer wieder unterstützt mich Jan Veen von seinem Platz aus. Wie in einem Fahrschulwagen hat er alle Bedienelemente auch auf seiner Seite. Vieles erinnert mich an die ersten Versuche als 17-Jähriger im Auto. Mühsam musste man sich das Spiel zwischen Gas und Kupplung aneignen - und schon war die blöde Karre wieder abgesoffen. Eins ist bei meiner Flugstunde schon mal gut: absaufen lassen kann ich den Drehflügler nicht, aber dafür ich später statt zwei sogar drei Dinge gleichzeitig bedienen. „Kannst du Schlagzeug spielen?“, fragt der 33-Jährige. „Nein.“ - „Schade, dass würde es dir leichter machen, die rechte Hand zu der linken und den Füßen zu koordinieren. Probiere jetzt, nur die rechte Hand zu führen.“ Mit ihr lenkt man, beziehungsweise gibt Gas, verlangsamt die „Fahrt“ oder steht sogar in der Luft - wenn man es beherrscht. Der „Stick“ in der Mittelkonsole des Hubschraubers erinnert mich an einen Joystick beim Computerspielen. Er ist nur viel leichtgängiger, um nicht zu sagen: schwammig. „Uups, das war ein bisschen zu viel“, erschrecke ich mich, als wir nach vorne kippen. Mein Lehrer greift zum Stick und lässt mich seine feinen Bewegungen nachempfinden. Immer wieder das Gleiche: Gefühl.

„So, jetzt hast du alles drauf: Linke Hand, rechte Hand, Füße. Ich übergebe dir alle drei Elemente“, sagt Veen. Eine Sekunde, zwei Sekunden und dann ist Schluss mit der ruhigen Flugphase. Wir schlingern. Ich versuche mit dem rechten Fuß, es auszugleichen, dabei vernachlässige ich den Pitch. Wir verlieren Höhe, taumeln Richtung Boden. Ich ziehe am Pitch. Den Stick halte ich verkrampft fest, ohne ihn bewusst zu bedienen. Bei mir herrscht Chaos im Kopf und im Cockpit. Jan Veen greift ein. Breit grinsend fragt er: „Nicht so einfach?“ Wie recht er doch hat. „Wie soll man denn auch alle Sachen gleichzeitig im Kopf verarbeiten und drauf reagieren?“, sage ich deprimiert.

Endlich: Es funktioniert

Doch der Pilot wäre kein guter Ausbilder, wenn er mich nicht aus dem Motivationsloch wieder heraus holen würde. Wir steigen auf 300 Meter Höhe. Am Horizont erstreckt sich die Frankfurter Skyline. Er erklärt mir, dass im Geradeaus-Flug die Pedale außer Acht gelassen werden können, weil sich der Hubschrauber dabei selber stabilisiert. Mit leichten Bewegungen an Stick und Pitch manövriere ich den Helikopter eine ganze Runde selbstständig um den Flugplatz. „Sehr gut“, lobt Veen. Jetzt grinse ich auch mal über das ganze Gesicht. „Mit der Zeit fliegst du mit dem Hintern und machst dir keine Gedanken mehr darüber was du wie und wann drücken musst“, erklärt er. „Du hast dann ein Gefühl dafür.“ Selber Hubschrauber-Fliegen ist also nur eine Gefühlssache. Dieses Gefühl wünsche ich mir bald wiedererleben zu dürfen.



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