kalaydo logo
stellen
auto
immobilien
marktplatz
inserieren
Schriftgröße

Schänzer-Interview

„Ich fühle mich unwohl mit dem Urteil“

Erstellt 25.11.09, 18:38h

Wilhelm Schänzer ist Doping-Experte an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Im Interview erklärt er, warum er vom Pechstein-Urteil überrascht ist und wie der Eisschnelllauf-Verband versucht, seine eigene Linie zu finden.

Wilhelm Schänzer
Bild vergrößern
Wilhelm Schänzer.
Wilhelm Schänzer
Bild verkleinern
Wilhelm Schänzer.
Herr Professor Schänzer, hat Sie das Urteil des Cas im Fall von Claudia Pechsein überrascht?

WILHELM SCHÄNZER: Ja, denn ich hatte erwartet, dass man sie nicht sperrt. Ich fühle mich unwohl mit dem Urteil, da es nur auf einem Parameter, der Erhöhung der Retikulozyten beruht. Der Ansatz, der von der Welt-Antidoping-Agentur Wada für den Blutpass verfolgt wird, ist ein anderer. Es werden acht bis neun Parameter in das Blutprofil mit einbezogen. Hämoglobin, Hämatokrit und daraus resultierende Faktoren. Die Kriterien für positive Befunde sind im Moment noch nicht niedergeschrieben.

Also hat der Eisschnelllauf-Weltverband ISU sich mit einer eigenen Linie durchgesetzt?

Ja. Die ISU ist nicht an die Wada-Vorgaben gebunden, sie sagt in ihren Regularien, dass sie das Recht hat, ihr eigenes Blutprofil-Programm zu bestreiten. Das hat der Cas so akzeptiert.

Erstaunt es Sie nicht, dass weder die Hämatokrit- noch Hämoglobinwerte erhöht waren, die normalerweise gleich nach den Retikulozyten ansteigen?

Es passt einiges nicht ins Bild. Ich hätte sicher erwartet, dass auch diese beiden Blutwerte hochgehen. Andere argumentieren wieder, es wäre auch möglich dass diese Werte manipuliert seien. Das kann man nicht ausschließen, es gibt darauf allerdings auch keinen Hinweis. Wären alle drei Werte angestiegen, so wäre das eine eindeutige Datenlage.

Somit stellt sich die Datenlage im Fall von Claudia Pechstein also alles andere als eindeutig dar?

Richtig. Es bleibt ein fader Nachgeschmack. Der Verband ISU hat einen erhöhten Retikulozytenwert vorgetragen und der Athletin ist es nicht gelungen, eine Situation zu beschreiben, die möglicherweise durch ein Krankheitsbild oder eine genetische Disposition erklärbar ist. Der Cas entscheidet aber auch gar nicht, ob die wissenschaftliche Basis stimmt. Er versucht, den Vorträgen zu folgen und beurteilt, ob Regularien eingehalten wurden und ob die Daten, die hier produziert wurden, akzeptabel sind oder nicht. Und anscheinend ist es der ISU gelungen, ihre Daten eindeutig zu unterstützen.

Sie würden sich also nicht festlegen und sagen: Sie hat gedopt?

Ich möchte das nur anhand von Retikulozytenwerten nicht äußern, nein. Ich würde weitere Parameter, möglicherweise auch den Nachweis einer Substanz, die verwendet worden ist, um eine Erhöhung der Werte zu erreichen, nachgewiesen haben wollen, um sicher sagen zu können: die Athletin hat gedopt.

Das Gespräch führte Christiane Mitatselis.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


Ergebnisse


Ranglisten


Anzeige


RHEINLAND WETTER


Schneelinks Region


Links


Dienste