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Prozessauftakt

„Ich muss es ja getan haben“

Von Britta Havlicek, 26.11.09, 19:08h, aktualisiert 27.11.09, 10:51h

„Ich wollte nur, dass er endlich aufhört. Er sollte endlich wieder wach werden.“ So versuchte der Mann, der seinen Partner getötet und fünf Wochen mit der Leiche in einer Wohnung gelebt hat, seine Motive zu erklären.

Mord
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Der 45-jährige Angeklagte soll mit zwei Küchenmessern auf sein Opfer eingestochen haben. (Archivbild: Havlicek)
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Der 45-jährige Angeklagte soll mit zwei Küchenmessern auf sein Opfer eingestochen haben. (Archivbild: Havlicek)
Kerpen / Köln - Der 45-jährige homosexuelle Ex-Soldat muss sich seit gestern vor dem Landgericht Köln wegen Totschlags verantworten. Am 5. März hatte er den jungen Mann laut Anklage gewürgt und geschüttelt, bis dieser zu Boden sackte. Anschließend soll ihm der 45-Jährige mit zwei Messern sieben Mal in die Brust und einmal in den Hals gestochen und ihm dann das Gesicht mit Klebeband abgeklebt haben.

Als der ehemalige Berufssoldat den 16 Jahre jüngeren Mann 2005 in der S-Bahn in Kerpen kennenlernte, schien es die große Liebe zu sein. Denn schon zwei Monate später zog der Freund zu dem Älteren. „Er war zuvorkommend, verständnisvoll, sehr zärtlich und erfahren“, berichtete der Angeklagte, der nach eigenen Angaben erst seit wenigen Jahren seine Homosexualität auslebt. Doch dann begann ein fast vierjähriger Streit, bei dem der Ex-Soldat nach seinen Schilderungen zunehmend Schläge, Demütigungen und Provokationen von dem Jüngeren einstecken musste. Vor die Tür setzen wollte er ihn dennoch nicht: „Ich habe ihn gehasst. Und ich habe ihn unendlich geliebt“, sagte der Angeklagte. Und er hat ihn umgebracht. Das hat er vor Gericht gestanden.

Im Gerichtssaal beschrieb der Angeklagte betont sachlich, was sich an dem Abend in der Dachgeschosswohnung zugetragen hatte. Er habe seinen Freund bei einem Streit mit beiden Händen am Hals gepackt. „Er hatte mich wieder geschlagen, einmal mit der Faust ins Gesicht. Seine Augen waren so hasserfüllt und blickten so gewalttätig“, so der Angeklagte. „Ich habe ihn nur gewürgt, um ihm zu verdeutlichen, dass es so nicht weitergeht.“ Dann sei sein Freund zu Boden gesackt, die Lippen und das ganze Gesicht hätten sich dunkelblau verfärbt. „Ich wollte ihn wiederbeleben. Doch er war tot.“ Dass er mit zwei Küchenmessern auf den jungen Mann eingestochen haben soll, daran könne er sich nicht mehr erinnern. „Aber ich muss es ja getan haben“, räumte er ein. „Es war ja kein anderer da.“

Brief an die Mutter

Er sei erst später wieder zu sich gekommen - auf der Straße, zwei Querstraßen entfernt vom Tatort. Als der Angeklagte in die Wohnung zurückkehrte, fand er die Leiche seines Freundes im Wohnzimmer. Der 45-Jährige schilderte, wie er den Leichnam ins Badezimmer zog und in Bettbezüge hüllte. Am folgenden Tag schnürte er dem Toten mit einer Kordel die Beine zusammen, hüllte ihn in Plastiktüten, zog ihn in eine Abstellkammer. Zwei Tage später dichtete er die Tür der Abstellkammer mit Klebeband ab. „Ich wollte Zeit haben, seiner Mutter und meinem Bruder einen Brief zu schreiben.“ Darin hatte er beschrieben, was er getan hat.

Und doch konnte er sich weitere Wochen nicht dazu durchringen, sich der Polizei zu stellen. Statt dessen lebte er mit dem Toten unter einem Dach, ging Einkaufen, putzte die Wohnung. Seine Erklärung: „Ich stand neben mir. Ich habe nichts auf die Reihe bekommen.“ Kurz vor Ostern ging er dann zur Polizei.

Dass sich der Angeklagte an die Messerstiche nicht erinnern kann, wollte Staatsanwalt Philipp Krämer offenbar nicht so recht glauben. Doch trotz gezielter Fragen auch von Verteidiger Dr. Reinhard Birkenstock blieb der 45-Jährige dabei.

Der Prozess wird am 8. Dezember fortgesetzt. Unter anderem sollen die Mutter und die Großmutter des Getöteten als Zeugen gehört werden.



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