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Welt-Klimaversicherung?

Hohe Kosten durch Klimawandel

Von Thomas Magenheim, 26.11.09, 19:55h, aktualisiert 07.12.09, 08:31h

Beim Klimagipfel in Kopenhagen will die Münchener Rück eine weltweite Versicherung gegen Schäden aus dem Klimawandel begründen. Profitieren sollen vor allem arme Länder. Mit vier Milliarden Euro könnte der Fonds 2013 starten.

Klimawandel in Bolivien
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Der Klimawandel hat gravierende Folgen: Ein ausgetrockneter Wasserspeicher in der Nähe der bolivianischen Stadt La Paz. (Bild: dpa)
Klimawandel in Bolivien
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Der Klimawandel hat gravierende Folgen: Ein ausgetrockneter Wasserspeicher in der Nähe der bolivianischen Stadt La Paz. (Bild: dpa)
MÜNCHEN - Der Assekuranzriese Münchener Rück will beim Klimagipfel in Kopenhagen die Basis für eine weltweite Versicherung gegen Schäden aus dem Klimawandel legen. Starten soll das Konstrukt mit anfangs zehn Milliarden Dollar Finanzierungsvolumen 2013, kündigte Peter Höppe als Chef-Risikoforscher des Konzerns in München an.

Weil Klimaschäden stark steigen, müsse diese Summe jedes Jahr um etwa drei bis vier Prozent aufgestockt werden. Nutznießer der Gelder sollen arme Länder, deren Kommunen oder dort lebende Menschen sein, die von klimabedingten Schäden zuerst und am stärksten betroffen sein werden. Anspruchsberechtigt dürfe nur sein, wer sich zu Prävention verpflichte, die auch aus Mitteln des von der Münchener Rück geplanten Versicherungstopfs finanziert werde. Kommen sollen die Gelder vom Westen, der sich die Milliarden teils über Umweltsteuern wieder von seinen Industrien holen könne, erklärte Höppe.

Grenzen der Versicherbarkeit

Mit dem Geld könnten knapp ein Drittel aller klimabedingten Schäden durch Stürme, Fluten oder Dürren in Entwicklungsländern abgedeckt werden, schätzte die für das Projekt beim Versicherer zuständige Spezialistin Koko Warner. Sieben Milliarden Dollar der Startsumme im Jahr 2013 seien zur Deckung von Schäden vorgesehen, drei Milliarden Dollar für Präventionsmaßnahmen. Das heißt rechnerisch, dass die Münchener Rück allein in den ärmeren Regionen der Welt, wo es im Vergleich zum Westen nur eine geringe Wertekonzentration gibt, 2013 mit Schäden durch den Klimawandel von weit über 20 Milliarden Dollar kalkuliert. Die genauen Berechnungen seien noch nicht abgeschlossen, sagte Höppe.

Derzeit würden wetterbedingte Katastrophen per annum etwa Werte im Umfang von 100 Milliarden Dollar vernichten, wovon rund ein Drittel versichert ist. Ein niedriger Milliardenbetrag entfiele schon heute auf den Klimawandel, der voll im Gange ist und für die nächsten 20 Jahre auch nicht mehr veränderbar sei. Nur seine Auswirkungen könne die Menschheit noch begrenzen. Falls Kopenhagen floppt und der Klimawandel eskaliert, würden Prämien für Policen gegen Naturkatastrophen in unbezahlbare Dimensionen steigen und die Grenzen der Versicherbarkeit gesprengt, stellte Münchener-Vorstand Torsten Jeworrek klar. Erst würden sich nur noch Reiche Versicherungsschutz dagegen leisten können, dann niemand mehr. Die Assekuranz werde sich retten und Risiken meiden. Die Menschen blieben dann mit den Katastrophen allein.

Existenz von 40 Ländern bedroht

Die Münchener Rück warne aus humanitären Gründen, aber auch aus Eigennutz seit 1973 und damals noch belächelt vor den eskalierenden Gefahren des Klimawandels, sagte Jeworrek. Denn bei ihr als weltgrößter Rückversicherung laufen die Verpflichtungen der Assekuranz aus Umweltschäden zusammen. „Wir sind eng mit dem Schicksal der Welt verknüpft und versuchen deshalb zu missionieren“, stellte der Manager klar. Die Wirtschaft habe den Kampf gegen den Klimawandel begonnen, sei aber ohne Hilfe der Politik zu langsam, um eine Katastrophe noch zu verhindern.

In Kopenhagen müssten sich deshalb auch China und die USA zu Klimazielen verpflichten. Das schlimmste Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) habe heute eine so hohe Konzentration in der Atmosphäre wie in der letzten Million Jahre nicht, betonte Höppe. Es drohten abrupte und irreversible Prozesse wie eine Veränderung des Golfstroms, der Hauptwärmequelle Europas. Werde nichts getan, müssten weltweit 40 Länder in wenigen Jahrzehnten um ihre Existenz fürchten, ergänzte Warner. Um das zu verhindern, müssten bis 2050 Treibhausemissionen global um die Hälfte und in Industrieländern um 80 Prozent verringert werden. Entwarnung gebe es erst bei einem CO2-Ausstoß pro Kopf von ein bis zwei Tonnen jährlich. Derzeit liege diese Quote in Europa bei zehn und in den USA bei 20 Tonnen.



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