Von Thomas Kröter, 26.11.09, 21:02h
Längst wissen wir genau, was anfangs nur zu vermuten war: Es gab viele zivile Opfer. Dass im Verteidigungsministerium offenbar frühzeitig harte Informationen, nämlich über verletzte Kinder, vorlagen, aber nicht an die politische Spitze des Hauses und an die Öffentlichkeit weitergegeben wurden, ist nur ein Teil des Luftzuges, der das Kartenhaus Franz Josef Jungs nun zum Einsturz gebracht hat.
Er mag es nicht wahrhaben wollen. Sein Nachfolger hat die Konsequenzen daraus gezogen. Sein Generalinspekteur auch. Der zuständige Staatssekretär verlor ebenfalls sein Amt. Nur der seinerzeit verantwortliche Minister will für nichts verantwortlich gewesen sein?
Franz Josef Jung weiß besser als andere, was ein Bauernopfer ist. Er war selber eins. Als die CDU-Spendenaffäre Hessen erreichte, nahm er als Chef der Staatskanzlei seinen Hut - um Roland Koch zu retten, den Ministerpräsidenten. Offenbar sieht der Noch-Arbeitsminister sich nun in der Rolle Kochs. Wolfgang Schneiderhan und Peter Wichert sollen ihm den Jung machen. Fertig?
Nein. Denn es gibt den guten altmodischen Begriff der politischen Verantwortung. Selbst wenn ein Minister sich subjektiv nichts zuschulden kommen lassen haben mag - objektiv ist es seine Sache, wenn Mitarbeiter seines Haus versagen. Dass sie versagt haben, bestätigt das harte Vorgehen des aktuellen Verteidigungsministers.
Das unverdiente Glück, nicht mehr Verteidigungsminister zu sein, sollte Jung nicht zu dem Gedanken verführen, politische Verantwortung verjähre. Worum geht es denn? Um über 140 Tote, davon an die 40 zivile Opfer - das größte militärische Desaster in der Geschichte der Bundesrepublik. Da legen Opposition und Öffentlichkeit hohe Maßstäbe an, wenn es um Aufklärung der Vorgänge geht.
Etwas wissen und dann die Unwahrheit sagen, dafür wäre Verantwortung zu übernehmen. Ein Haus zu führen, das den Minister in einer entscheidenden Frage im Dunkeln lässt - ist das nicht der Übernahme von Verantwortung wert? Der habe sein Haus nicht im Griff, würden Jung und jeder Christdemokrat zu Recht argumentieren, wäre das einem Sozialdemokraten passiert.
Wenn Jung darauf besteht, in den Trümmern seiner Glaubwürdigkeit zu überwintern, muss Angela Merkel ihrer Verantwortung gerecht werden. Bislang hat sie nur ein paar kryptische Äußerungen getan, sie vertraue des Ministers Vorliebe für Transparenz. Die reicht offenbar nicht aus. Die Kanzlerin muss deutlicher werden - sonst fällt der Schatten von Kundus auch auf sie.
Herr Jung ist ein Bauernopfer ...
27.11.2009 | 20.02 Uhr | Quatschkopf68
... für die unsägliche Afghanistan-Politik. Hinter den Kulissen tobt ein Machtkampf zwischen Beamten und Politikern, Militärs und der Regierung.…
Belastung
27.11.2009 | 15.19 Uhr | chrisselbo
Ich würde noch weiter gehen: Solche inkompetenten Luschen sind eine Last für die Bevölkerung und den Staatshaushalt (die sollen für uns arbeiten und…
Hr. Jung hat bei den Besten gelernt !
26.11.2009 | 22.47 Uhr | R.Klein
Oder ist ein R.Koch nach all seinen Lügen und den Ergebnissen der "brutalstmöglichen" Aufklärung zurückgetreten ?
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