Von Peter Limbach, 30.11.09, 18:37h
Gerade jetzt schreibt Kristina Kanders ein neues Kapitel in ihrem Leben. Die Percussionistin, Schlagzeugerin, Komponistin und Sängerin lebte fast zwei Jahrzehnte in der Metropole des gelobten Landes für beinahe jeden Musiker vom Rock bis zum Jazz - in New York. Mit weltbekannten Szene-Größen musizierte sie dort. Vor vier Jahren kehrte sie heim nach Köln, „dem Herzen folgend“. Hier muss sie ganz von vorn anfangen. Ihr bislang größtes Konzert mit eigener Musik im alten Europa gibt sie Donnerstag, 3. Dezember, bei der Klangprobe live des „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Kulturbunker Mülheim.
New York hat all die Könner zu bieten, John Zorn zum Beispiel, den Experimentator zwischen Jazz und Neuer Musik, den Avantgarde-Gitarristen Marc Ribot, Saxophon-Star David Liebman, den brasilianischen Percussion-Zauberer Cyro Baptista. Mit ihnen und vielen anderen Ausnahme-Musikern arbeitete das jetzt 46 Jahre alte Multitalent zusammen. Doch Köln ist „eben meine Heimat und hat eine höhere Lebensqualität“. Hier ist Kristina Kanders aber auch ihrer Mutter näher. Das ist die nun 88 Jahre alte Agnes Giebel, Sopranistin und Bach-Interpretin, jahrzehntelang ein Weltstar der klassischen Musik.
Die Mutter und Vater Herbert Kanders - ein renommierter Pianist - waren es auch, die Tochter Kristinas Karriere beeinflussten, wenn auch indirekt. Sie lernte früh Gesang und Klavier, doch die hohen Ansprüche der Eltern empfand sie als belastend. Ihren künstlerische Urknall erlebte sie mit 20 Jahren, als sie sich so aus Spaß an ein Schlagzeug setzte. Der Rhythmus ergriff sofort Besitz von ihr. „Der perfekte Ausdruck von Lebensfreude“, beschreibt Kanders, wie sie sich mit einem Schlag aus dem Schatten von Agnes Giebel und Herbert Kanders katapultierte. „Da war plötzlich Musik, die ich beherrsche, die beiden aber nicht.“
"If you can make it there..."Mit 24 Jahren ging Kristina Kanders auf volles Risiko - und nach New York, um Jazz-Schlagzeug zu studieren. Einfach jene Freiheit des Handelns nutzen, die sie besingt. Vier Jahre wollte sie in New York bleiben, es wurden 18 daraus. Weil sie sich in der von Männern dominierten Schlagzeug- und Percussion-Szene durchsetzen konnte.
Kristina Kanders jedoch hat grenzenlose Lust auf Beats. Aus Jazz, Elektronik, Pop, Elektro-Pop, House, Ambient und Drum 'n' Bass nimmt sie sich, was ihr gefällt. Zu hören etwa auf der ersten CD nach ihrer Rückkehr, „For All People“. Songs aus dem kommenden Album „Say Something“ stellt sie schon beim Klangprobe-Konzert vor. Dabei wird sie begleitet von Keyboarder und Laptop-Spezialist Bernd Gast, Tom Lorenz an Vibraphon, Schlagzeug und Percussion sowie Wolfgang Klüfer an Saxophon und Querflöte.
Wer sich den Konzert-Besuch im Kulturbunker gönnt, „wird vier Musiker erleben, die gern mit Stilen spielen“, verspricht Kanders. Das ist der Geist der unbegrenzten Möglichkeiten, wie er in New York gepflegt wird. Das ist aber irgendwie auch Köln, wo sich nicht umsonst so viele wagemutige Musiker wohlfühlen. Wo es heißt „Et hät noch immer jot jejange“, da fällt es ihr leicht, viel Risiko einzugehen.
Kristina Kanders, 3. Dezember, 20 Uhr, Kulturbunker Mülheim, Berliner Straße 20, Eintritt: acht Euro.
Im Vorprogramm sind die Queerelas zu hören, das sind Frauen, die Percussion pur lieben. Mit ihren afro-brasilianischen Grooves beginnt die Reise in die große weite Welt des Rhythmus.
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