Von Harald Keller, 01.12.09, 20:34h
Fünf Jahre zuvor war das Gemeinschaftsprogramm 3sat gestartet. Damals stand in Deutschland die Einführung des kommerziellen Rundfunks unmittelbar bevor und verband sich mit der Einführung der neuen Übertragungswege Kabel und Satellit. Auf Initiative des ZDF entstand das Konzept eines grenzüberschreitenden Satellitenkanals. Partner waren der österreichische ORF und die schweizer SRG. Von vornherein bestand Einigkeit, dem Sender eine kulturelle Ausrichtung vorzugeben.
Vertiefende Informationen
Eine reizvolle Aufgabe, doch auch eine Bürde, denn die Ansprüche an kulturelle Darbietungen im Fernsehen klaffen weit auseinander und sind oft ausgesprochen individuell geprägt. Schon nach dem Willen der Gründer sollte 3sat keineswegs allein der Hochkultur vorbehalten sein. Als vornehmste Programminhalte sind in den Verträgen festgelegt: „vertiefende Information, lebensnahe Ratgeber-Funktion, anspruchsvolle Unterhaltung, Spielfilmreihen etc.“, dazu Sendeplätze für Schauspiel, Oper, Konzert und Kleinkunst. Der heutige 3sat-Koordinator Daniel Fiedler definiert den Kulturbegriff seines Senders wie folgt: „Kultur ist für uns nicht eine Frage des Programmgenres, sondern eine der Geisteshaltung. Darüber hinaus wollen wir die Kultur des Fernsehens weiter entwickeln.“
Eigenprofil mit „Nano“
Am 3sat-Programm mit seiner Auswahl an Wiederholungen und Eigenproduktionen ist der ursprüngliche Auftrag bis heute ablesbar. Die täglichen Magazine „Nano“ und „Kulturzeit" erfüllen besondere Informationsansprüche, Nachrichtensendungen aus allen drei Ländern eröffnen neue Perspektiven. Feste tägliche Sendeplätze gibt es ferner für Dokumentationen und Reportagen, im Wochenrhythmus erscheinen Fernsehfilme, Kinofilme und die Reihe "Cinema international". Großen Publikumszuspruch finden jeweils die markanten 24-stündigen Thementage oder auch Schwerpunkte wie jüngst diverse Beiträge zur Literatur des „Sturm und Drang“.
Zum Jubiläum erntet der kleine Sender viel Lob, der mit den Live-Konzerten der „Pop around the clock“-Thementage die Quote auf drei Prozent Marktanteil hochtreibt, ansonsten aber mit 1,1 Prozent (Österreich: 1,9 Prozent, Schweiz: 1,2 Prozent) schon sehr zufrieden ist. Wobei in den Gründungspapieren ausdrücklich fixiert wurde, dass sich 3sat „nicht am Wettbewerb um möglichst hohe Einschaltquoten“ beteiligen werde. Daniel Fiedler erläutert: „Wir selbst haben uns aber auferlegt, dass wir spürbar wahrgenommen werden wollen. Ein Prozent Marktanteil sollte es schon sein.“
Ein Handicap des Senders liegt fraglos in seiner bescheidenen Budgetierung. So auch der Tenor einer Stellungnahme von Jürgen Kasten vom Bundesverband der Fernseh- und Filmregisseure: „Leider können 3sat und Arte die ihnen zufallende Bedeutung nur bedingt programmkonzeptionell umsetzen. Der Grund dafür ist schlicht: beide Sender sind materiell nicht hinreichend dafür ausgestattet." Kasten hofft anlässlich des 3sat-Jubiläums auf mehr eigenproduzierte TV-Filme und -Serien, aber auch ein festes Kinomagazin und ein TV-Magazin, „das kritisch auf den eigenen Teller schaut“.
Es wird wohl beim frommen Wunsch bleiben, denn kurz vor dem 3sat-Geburtstag wurde bekannt, dass das ZDF seinen Finanzierungsanteil in den Jahren 2009 bis 2012 um 24,4 Millionen Euro zu reduzieren gedenkt. Der Betrag soll dem neuen, jugendorientierten Kanal ZDFneo zugute kommen.
Schon bisher nahm 3sat, durchaus satzungsgemäß, ausgiebig Zugriff auf die Programmbestände der veranstaltenden Sender. Selbst die "Kulturzeit" wiederholt bisweilen bereits gesendete Beiträge aus Kulturmagazinen anderer Anstalten. Solche Mehrfachverwertungen werden in Zeiten sinkender Gebühreneinnahmen eher noch zunehmen.
Daniel Fiedler kündigt zudem eine neue Kooperation an: „In den nächsten Jahren werden wir seitens des ZDF stärker in Synergie mit dem geplanten Kulturkanal des ZDF arbeiten, der sich aus dem heutigen ZDF.theaterkanal entwickeln wird. 3sat und der neue Kanal werden zukünftig aus einer Hand gestaltet werden."
Kurt Beck, auch Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrates, antwortet auf die Frage nach einer möglichen Neuausrichtung von 3sat auffallend sibyllinisch: „Aus den Diskussionen im ZDF weiß ich, dass der Intendant des ZDF und die Programmverantwortlichen darauf achten, dass ZDF-Kulturkanal und 3sat ihr jeweils eigenständiges Profil behalten.“ - Vielleicht wird man sich beim nächsten runden Jubiläum, mit gemischten Gefühlen an diese Worte erinnern.
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