Von Konstantin Neven DuMont, 04.12.09, 23:27h
Wenn bis vor wenigen Jahren - aufs Ganze gesehen - von erfolgreicher Arbeit der öffentlich-rechtlichen Anstalten, des privaten Rundfunks und der Verlagshäuser gesprochen werden konnte, dann hatte das genau hier seinen Grund. Der investigative Journalismus hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Erst dadurch können - genauer gesagt: konnten - die Deutschen sich selbst erkennen und das, was ihnen daran nicht gefiel, zu ändern versuchen. So war es, aber - ist es noch so?
Mehr als alles andere hat die Digitalisierung die Medienlandschaft umgepflügt. Die Dynamik der Veränderungen ist so extrem, dass die Legislative häufig den Veränderungen hinterherhinkt statt sie zu gestalten. Selbst das neue Landesmediengesetz, ein Schritt in die richtige Richtung, ist dafür ein Beleg. Aber auch die Medien sind mit Fragen konfrontiert, die vor wenigen Jahren niemand für möglich gehalten hätte. Eine der drängendsten Fragen ist: Wie kann ein qualitativ hochwertiger Journalismus erhalten und ausgebaut werden? Und natürlich geht es auch um die Frage, wie ein solcher Journalismus finanziert werden kann.
In einer Welt vielfältiger Kommunikationsmittel und -formen betreffen diese Fragen nicht mehr nur Fernsehsender und Verlage, sondern auch Netzinfrastrukturanbieter und Suchmaschinenbetreiber, allen voran Google. Sie müssen in die Debatte einbezogen werden. Infrastrukturanbieter wie die Telekom beschränken sich längst nicht mehr auf die Verbreitung fremder Inhalte, sie werden zunehmend selbst zu Anbietern von Inhalten. Und die Betreiber von Suchmaschinen greifen immer mehr Werbeerlöse ab.
Der Prozess zunehmender Kommerzialisierung betrifft auch die Medien. Investigativer Journalismus gerät immer mehr zwischen die Fronten eines wachsenden Kostendrucks bei bedrohten klassischen Erlösmodellen auf der einen und der Jagd nach Sensationen und sich stets erneuernden Schlagzeilen auf der anderen Seite, die Verbreitungswege wie das Internet oder mobile Dienste wie der Micronachrichtendienst Twitter forcieren.
Nicht nur Politiker, ebenso Unternehmer und Arbeitnehmer stehen vor erheblichen Herausforderungen. Sie werden sie nur bestehen, wenn sie lernen, wirtschaftlich zu denken, sozial zu handeln und sich ökologisch zu orientieren. Ob es gelingt, die deutsche Gesellschaft der Zukunft offen, demokratisch und zivil zu gestalten, wird sich nicht zuletzt daran entscheiden, wie sie mit den Schwächsten umgeht, zum Beispiel mit den Arbeitslosen.
Dazu können investigativ arbeitende Medien einen entscheidenden Beitrag leisten. M. DuMont Schauberg entwickelt gerade Konzepte, den Anteil investigativer Reportagen in seinen Blättern zu erhöhen. Daneben gibt es Überlegungen, eine Vermarktungsplattform für Bezahlinhalte deutschsprachiger Verlage und Autoren zu gründen. Damit soll die Möglichkeit geschaffen werden, hochwertige journalistische Inhalte nicht länger im Internet zu verschenken.
Ebenso wichtig wie bedroht ist der investigative Journalismus in den Kommunen. Vor Ort geraten demokratische Prozesse der Meinungsbildung aufgrund des Kostendrucks zunehmend in Gefahr. Es ist dringend geboten, dass Politik, Netzinfrastrukturbesitzer, Suchmaschinenbetreiber, Inhalteanbieter und Autoren hier gemeinsame Lösungen zur Förderung des Gemeinwohls entwickeln.
kostenpflichtige Internetangebote
16.12.2009 | 13.49 Uhr | Averroes
Um die Presse als unverzichtbare vierte Gewalt im demokratischen Staat zu erhalten, sollten die Angebote im Internet kostenpflichtig werden. um dies…
Presse, die "vierte Gewalt"
16.12.2009 | 13.31 Uhr | Averroes
Eine offene Gesellschaft braucht ein unabhängige(!) Presse, welche die Gesellschaft umtreibende Themen aufgreift, auch wenn sie gerade einmal nicht…
investigare - eingehender untersuchen
09.12.2009 | 17.16 Uhr | j.power
mit umfassenden Recherchen - wo bitte finde ich das denn noch im KSTA?
Etwa in den inflationär zu (Kikeriki-)Artikeln verbreiteten Symbolbildern?…
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