Erstellt 26.10.09, 09:22h, aktualisiert 26.10.09, 09:28h
"Die Küche ist nicht mehr nur Werkstatt, sondern die Seele der Wohnung", erläutert Frank Hüther von der Arbeitsgemeinschaft Moderne Küche in Mannheim. Egal ob groß oder klein - Kochen und Kommunikation gehören heute zusammen. Gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten würden außerdem viele das Kochen wieder entdecken, ergänzt Prof. Peter Wippermann vom Beratungsunternehmen Trendbüro in Hamburg. Unabhängig davon steige die Zahl der Single-Wohnungen, so dass immer öfter kreative Ideen für die Gestaltung kleiner Küchen gefragt sind.
Entscheidend sei eine gute Planung, sagt Hüther: "Je kleiner die Küche, desto besser sollte sie organisiert sein, damit das Kochen Spaß macht." Wer öfter ein Menü für Freunde und Familie kocht, braucht Stauraum, alle Küchengeräte in Reichweite und eine große Arbeitsfläche. "Wenn man selten kocht, aber in der Küche essen will, sollte sie vor allem wohnlich gestaltet werden."
Vor dem Kauf von Küchenmöbeln hilft es, sich den Grundriss genau anzusehen und den Raum auszumessen. "Viele Hersteller bieten im Internet 3-D-Programme an, mit denen man die eigene Küche nach Belieben zusammenstellen kann", empfiehlt Kirsten Johanson, Autorin des Ratgebers "Kleine Küche". Dabei sollte genau abgewogen werden, ob große Küchengeräte wie eine Mikrowelle, eine Kühl-Gefrier-Kombination oder ein Geschirrspüler wirklich gebraucht werden.
Auf eine Dunstabzugshaube zum Beispiel lässt sich in kleinen Küchen gut verzichten, sagt Ursula Geismann vom Verband der deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef. Empfehlenswert seien nur Geräte, die die Dämpfe über einen Kamin - der in Mietwohnungen selten ist -nach draußen leiten. Normale Filtergeräte, die die Luft oben wieder in den Raum blasen, seien das Geld nicht wert. "Dann sollte man lieber das Fenster öffnen und lüften."
Ideen aus dem Alltag
Wer kreativ ist, kann sich bei der Küchengestaltung Ideen aus dem Alltag holen. "Unkonventionell denken!", fordert Semling. Auch eine verbreiterte Fensterbank kann ein schöner Essplatz werden - entweder auf einem Sitzkissen mit dem Kaffee in der Hand oder als Sitzbank, vor der ein Tisch steht. Diese Idee hat sich die Trendexpertin von Cafés und Imbissen abgeschaut. Auch Klappstühle aus Plastik müssen nicht sein: Stattdessen eignet sich ein schlichter Holzblock - wie in Bibliotheken - als Tritt, der gleichzeitig mit einem farbigen Kissen zum Sitzhocker umfunktioniert wird.
"Auch ein kleines Sofa oder eine Sitzbank schaffen sofort Gemütlichkeit", sagt Semling. Ein Klapptisch an der Wand könne außerdem als Arbeitsfläche oder als Tresen genutzt werden. Bei einer offenen Küche empfiehlt sich ein schwenkbarer Tisch auf Rollen, der bei Bedarf in die Küche hineingedreht werden kann. "In eine schlauchartige Küche passt auch gut eine Bierbank. Und wenn Gäste kommen, wird einfach der passende Tisch dazu aufgestellt." Wer es besonders effektvoll mag, lässt sich vom Schreiner einen Holzrahmen mit Glasplatte bauen, der wie ein langes, schmales Bild an der Wand hängt und zum Tresen herunterklappt werden kann.
Für ein offenes und natürliches Licht eignet sich eine Kranzbeleuchtung. Dafür wird an jeder Wand etwa zehn Zentimeter unter der Decke eine Stuckleiste mit integriertem Licht angebracht, erläutert Semling. "Mit einer gewinkelten Latte und einem Lichtschlauch lässt sich das auch selber bauen." Für die Arbeitsfläche sei aber eine punktuelle Beleuchtung unersetzlich. "LED-Lampen lassen sich dafür gut verwenden, weil sie weniger Strom verbrauchen und nicht so schnell heiß werden", rät Geismann.
Auch mit der richtigen Farbgestaltung kann ein kleiner Raum optisch vergrößert werden. "Hell, frisch und klar sollen Küchen wirken", sagt Semling. Trotzdem ist Individualität möglich. Maximal drei Farben sollten kombiniert werden: "Eine hellgrüne Wand verträgt sich gut mit weißen Schränken und ein paar roten Accessoires." Wer eine weiße Küche bevorzugt, aber einen Blickfang sucht, kann die kitschige Südsee-Fototapete probieren. Satinierte Schranktüren und Glasfronten geben dem Raum noch mehr Transparenz.
Schrille, bunte Accessoires seien nur in weißen Küchen ratsam, sagt Semling. Ein kleiner Raum sollte schlicht gehalten und immer aufgeräumt sein. "Je mehr rumsteht, desto kleiner wirkt der Raum." Und in kleinen Küchen muss jeder Platz genutzt werden. Ob offene Regale oder besser kompakte Oberschränke als Stauraum dienen, ist allerdings eine Geschmacksfrage. Viele Hersteller bieten inzwischen Oberschränke an, die nicht tiefer als 30 Zentimeter in den Raum reichen, sagt Geismann. "Das wirkt weniger wuchtig."
Auch Schranktüren, die nach oben geklappt oder geschoben werden, sind wieder im Kommen: "Ein Retro-Trend aus den 50er Jahren." Zwischen Ober- und Unterschrank ist ein Mindestabstand von 60 Zentimetern zu beachten - weniger Platz ist unbequem zum Kochen. Die Höhe der Arbeitsfläche sollte der Körpergröße angepasst werden, damit das Kochen nicht zur Belastung für den Rücken wird.
Platz sparen beim Geschirr
Der Handel hat sich auf Miniküchen mittlerweile eingestellt und bietet zum Beispiel Silikon-Backformen an, die sich einrollen lassen. Außerdem gibt es Pfannen mit abnehmbaren Griffen, die auch in kleine Schubladen passen. Wer regelmäßig die Schränke ausmistet, schafft noch mehr Platz. So sollten vor dem Zusammenlegen zweier Haushalte überflüssige und doppelt vorhandene Küchenutensilien aussortiert werden, ergänzt die Fachbuchautorin Kirsten Johanson. "Küchengeräte, die man selten nutzt wie Sandwichmaker und Raclette können auch im Flurschrank aufbewahrt werden." (dpa)
Literatur-Tipp: Kirsten Johanson, Kleine Küchen, DVA, ISBN: 978-3-421-03751-0, 39,95 Euro.
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