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GutenMorgenKöln

Seifenblasen-selig mit Morten

Von Michaela Krüger, 28.10.09, 08:53h, aktualisiert 28.10.09, 10:02h

In den 80er Jahren begleitete die Musik des norwegischen Trios A-ha Millionen Teenager durch ihre Jugend. Bei einem ihrer letzten Konzerte in der Lanxess-Arena transportiert die Band einmal mehr das Gefühl von Sehnsucht und Melancholie.

A-ha
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A-ha in der Lanxess-Arena (Bild: Max Grönert)
A-ha
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A-ha in der Lanxess-Arena (Bild: Max Grönert)
Köln - Um kurz nach 21 Uhr ist es soweit. ER betritt die Bühne. Morten Harket ist ein Garant für kollektives Kreischen. Gestern? Heute? Egal, die Grenzen sind fließend, wenn A-ha spielt. Für die nächsten zwei Stunden sind die Norweger bei ihrem Auftaktkonzert in der ausverkauften Kölnarena angetreten, das Hier und Jetzt vergessen zu machen.

Wir sind zurück in den 80ern, in denen A-ha das Lebensgefühl von Millionen war. Eine Ex-Teenie-Band spielt für ein Ex-Teenie-Publikum. Morten Haket macht es uns einfach. Er sieht aus wie immer, so, als habe man ihn für die Länge der 90er Jahre-Aha-Auszeit mal eben tiefgefroren. Ein keusches Streichen durchs Haar – die Show kann beginnen. "The Sun always shines on me".

Die Keyboards tönen bei diesem Song wie Glockenschläge. Immer noch singen A-ha an den Rändern der Dunkelheit entlang, balancieren auf dünnem Grat über zerbrechende Liebe und Tod. Ins schwarze Loch aber fallen sie nicht, dazu hängen ihre Melodien zu fest an perfekt einstudierten Seifenblasen. Sie haben Liederperlen geschaffen von weinenden Wölfen und zerplatzten Liebesträumen, von Sehnsüchten und Melancholien, die keine Alterbeschränkungen kennen.

Die Sonne scheint nur im Fernsehen

Wenn Harket softet: "Ich will an deiner Seite schlafen" kann man sich dieses Beilager immer noch nur als keusche Liebe vorstellen. Ob das tatsächlich so ist oder nicht, die Schwiegermutter war stets beruhigt. Den feinen Zynismus, wenn A-ha die Sonne nur im Fernsehen scheinen lassen, muss man nicht mithören.

Das norwegische Trio dreht einige Ehrenrunden durch die Zeit, als sie als Duran-Duran-Epigonen mit überstarkem Boy-Band-Image die Charts aufrollten – und spickt sie mit wohl dosierten Ausflügen in die Neuzeit, die in “Foot of the mountain“ gipfeln. Die Halle wird zum Lichtdom, die Bühne zum Altar-Raum, die Gläubigen singen im Stadionchor.

Im Mittelteil versinkt Morten Harket im anrührendsten Verzweiflungsstück seiner Band. "Hunting high and low", eine Ballade, die von der schmerzlichen Suche nach der Ewigschönen handelt. Und die Ewigschöne, das ist diese zu Herzen gehende Melodie, die man so lange verdrängt hatte. Alle stehen von den Stühlen auf. Weil Nostalgie, die man in der Jugend zum ersten Mal im Leben verspürt, die Seele waidwund macht. Die näheren Gründe hierfür scheinen eines der ungelösten Rätsel der Popkultur. Klar, die Melodien von A-ha sind auf unverschämte Weise gefällig und bewegen sich gern in gepflegtem Midtempo. Die gewöhnlich bombastische Produktion ist so sorgfältig gearbeitet, die Texte kokettieren mit einer leicht philosophischen Tiefe, die jede Lebenslage trifft. Forever not youuuuuuurs! Und ja, das schmerzt ein wenig, Weil nichts für ewig ist, auch nicht die Chorjungenstimme eines Morten. Mit 50 Jahren schafft er die drei Oktaven nicht mehr problemlos wie zu Freundschaftsbändchen-Höchstzeiten. Aber alte Bande zahlen sich aus. Ein Publikum ist, nein, nicht altersmilde. Es sieht darüber hinweg. Vielleicht auch, weil es um letzte Male geht. Für 2010 hat A-ha den Rückzug angekündigt.

Also, noch einmal. „Living daylights“. „Take on me“. Minutenlang drehen sich die Refrains in der Kölnarena wie zu Tode geliebte Platten mit Sprung. Das Publikum im Innenraum hat es da längst nach vorne gezogen. Ein Vater trägt seine kleine Tochter auf den Schultern. Lichterherzen blicken. Wird er fliegen, der BH? Der Knuddelteddy? Natürlich nicht. Wir sind alle keine 14 mehr. Sondern 40. Ein gutes Vierteljahrhundert A-ha-Geschichte später. In wenigen Sekunden beamt das Licht zurück in 2009. Magne Furuholmen trägt eine rote Rose von der Bühne. Morten Harket sein Sakko.



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