Von Jürgen Oehler, 30.10.09, 10:10h, aktualisiert 30.10.09, 13:41h
Print steht im Ansehen weit über Online. Qualitätsjournalismus und Online-Journalismus, das lässt sich offensichtlich nicht miteinander vereinbaren. Dies ist sicher eines der Vorurteile, mit denen man sich noch lange wird herumschlagen muss.
Zwei Gipfel, ein Thema
Überhaupt: Schwarz-Weiß – dieser Kontrast ist in Mode auf den Medientagen. Der amerikanische Professor Jeff Jarvis, ein Guru der Bloggerszene, ruft in seinem Beitrag zum „Print-Gipfel“ per Skype aus New York dem Auditorium zu: „Seid ehrlich, Print stirbt!“ Da friert so manchem auf dem Podium das professionelle Lächeln ein. „Ich kann es nicht mehr hören. Print contra Online“, bringt Bernd Ziesemer, Chefredakteur des „Handelsblatt“ seinen Unwillen ob dieser These auf den Punkt.
Der Präsident des Bundes Deutscher Zeitungsverleger, Helmut Heinen, ist da gleich um Ausgleich bemüht undbeschwört pflichtgemäß nicht nur die Chance der Zeitung, sondern fordert gleichzeitig Mut zum Experiment im Internet: „Wir müssen ausprobieren und investieren. Wir dürfen nicht nur an Sparen denken.“ Befremdlich ist es allerdings schon, dass in München an einem Tag des Medien-Kongresses ein „Print-Gipfel“ stattfindet, am anderen ein „Online-Gipfel“, die Inhalte aber eigentlich ziemlich identisch sind. Print und Online – das ist nicht mehr voneinander zu trennen. Claus Strunz, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, fasst dies deutlich zusammen: „Print ist nicht die Seele unseres Geschäfts. Die Seele ist, Journalismus zu ermöglichen und zu vertreiben.“
Und doch schwebt über allem etwas, was die einen als Sonne, andere aber als dunkle Wolken interpretieren. Wohl keine Veranstaltung – und sei sie noch so weit entfernt in der Thematik – kommt ohne zumindest einen kurzen Ausflug in den Bereich des Geldverdienens aus. „Paid Content“ ist das Schlagwort der Medienszene wie es vor drei Jahren einmal „Online First“ gewesen ist. Jeff Jarvis ist bei diesem Thema klar positioniert: „Bezahl-Grenzen sind gefährlich. Öffnet das Angebot statt ein altes Modell zu schützen.“
Auch er hat keine klare Idee, wie denn ein Online-Auftritt wirtschaftlich arbeiten kann und versteckt sich hinter einer Standard-Antwort: Blogs und regionale Inhalte könnten für richtig viel Geld sorgen. „Wenn man es richtig anpackt.“ Richtig? Und doch scheint man sich in einem Punkt einig: so wie jetzt geht es auch nicht weiter. Da ist viel davon die Rede, dass der Internetnutzer umerzogen werden muss, dass die Mentalität, alles kostenlos zu bekommen, durchbrochen werden soll. Aber es gibt auch die Erkenntnis, dass der Bereich der zukünftigen Bezahlinhalte realistischer Weise klein ist. Denn keiner kann einfach einen Hebel umlegen und erklären, dass der Online-Nutzer ab sofort für all das bezahlen muss, was er bisher umsonst bekommen hat.
Auf die Frage, ob er denn für Online-Inhalte Geld ausgeben würde, antwortete der Kölner Psychologe und Gastredner Jens Lönneker vom Rheingold-Institut. „Eigentlich nicht, aber vielleicht.“ Und das ist eben das Problem.
Interview Thomas Mrazek: Gegenüber paid content „sehr skeptisch”
Kommentar zu den Medientagen: Auf der Suche nach sich selbst
Print stirbt? Nein!
01.11.2009 | 12.27 Uhr | Göcek
Als täglicher Nutzer der Online Ausgabe des KStA hier in
Ferne kann ich nur sagen, eine Papierausgabe wäre mir lieber. Aber leider ist der KStA hier…
Münchner Medientage
30.10.2009 | 13.47 Uhr | niklas30
Sehr geehrter Herr Oehler,
schöner Artikel. Zum Thema "ONLINE-BEZAHLEN" - speziell beim Stadtanzeiger - gestatten Sie mir folgenden Hinweis:…
Print stirbt? Unfug!
30.10.2009 | 13.41 Uhr | Pixelschubser
Dass "Print" sterbe, tönten die Dot-Com-trunkenen Medienmacher schon vor über zehn Jahren. Und in der Tat, es ist für die gedruckten Medien sicher…
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige