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Amoklauf

Stiftung plant Frühwarnsystem

Erstellt 02.11.09, 14:23h, aktualisiert 02.11.09, 14:25h

Als Konsequenz aus dem Amoklauf von Winnenden soll eine neue Stiftung helfen, Gewalt an Schulen zu verhindern. Initiator ist das Aktionsbündnis Amoklauf, das sich nach der Tat mit vielen Toten gegründet hatte.

Amoklauf Winnenden
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Ein Polizist markiert nach dem Amoklauf Einschusslöcher in Winnenden. (Bild: dpa)
Amoklauf Winnenden
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Ein Polizist markiert nach dem Amoklauf Einschusslöcher in Winnenden. (Bild: dpa)
STUTTGART - Die geplante Stiftung "Gegen Gewalt an Schulen" will ein Amoklauf-Frühwarnsystem aufbauen. Dazu solle eine Telefon- und SMS-Hotline eingerichtet werden, sagte die Sprecherin des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden, Gisela Mayer, am Montag in Stuttgart. Zudem werde das Aktionsbündnis ein Formular auf seine Internetseite stellen, mit dem etwa Jugendliche Amokdrohungen von Mitschülern melden können. Ein Expertenrat soll Präventionskonzepte erarbeiten. Die Stiftung soll am 18. November gegründet werden. Zunächst hatte es nur verhaltenen Zulauf von Stiftern gegeben.

Die Stiftung geht aus dem Aktionsbündnis hervor, zu dem sich Eltern zusammengeschlossen hatten, deren Kinder beim Amoklauf in Winnenden am 11. März ihr Leben verloren hatten. Der Vorsitzende des Aktionsbündnisses, Hardy Schober, zeigte sich erleichtert, dass das erforderliche Stiftungskapital von 50 000 Euro inzwischen zusammen sei. Zwölf Gründer hätten sich bislang in der Stiftung engagiert, darunter drei Eltern von in Winnenden getöteten Amok-Opfern. Die Summe solle noch auf 100 000 Euro anwachsen.

Viele Firmen zurückhaltend

Schober sagte, wegen der "sehr politischen Ziele" des Aktionsbündnisses hätten sich viele Firmen mit einer Beteiligung an der Stiftung zurückgehalten. Auch habe Bundespräsident Horst Köhler es abgelehnt, die Schirmherrschaft über die Stiftung zu übernehmen, da er "politisch unabhängig" bleiben müsse. Köhler habe jedoch ein Vorwort für die Stiftungsbroschüre geschrieben.

Das Aktionsbündnis hatte sich unter anderem für eine Verschärfung des Waffenrechts und ein Killerspiel-Verbot eingesetzt. Dies sollen auch weiterhin Ziele bleiben. Mayer kündigte aber an, die politische Arbeit zu verändern und etwa stärker mit den Schützenverbänden selbst zu sprechen, als Forderungen öffentlich zu äußern. "Der Fokus der Stiftung wird sich verlagern", sagte Mayer. Es solle nun primär um Prävention von Gewalt an Schulen gehen.

Ein Teil des Programms ist die rund um die Uhr besetzte Frühwarn-Hotline. Die Stiftung nutzt laut Mayer kirchliche Netzwerke, etwa die der Diakonie, und arbeitet auch mit der Kriminalprävention zusammen. So sollen die Nutzer des Frühwarnsystems beraten oder an andere Stellen weitervermittelt werden. Zunächst soll das Angebot in Baden-Württemberg, später bundesweit aufgebaut werden.

Präventionskonzepte erarbeiten

Zudem wollen die Initiatoren einen Expertenrat aus Kriminologen, Psychologen, Pädagogen, Sozialarbeitern und Juristen einberufen, der Präventionskonzepte erarbeitet. Diese sollen an einer "Musterschule" im Rems-Murr-Kreis, in dem auch Winnenden liegt, umgesetzt werden. Die Stiftung will darüber hinaus Schulpsychologen finanzieren, "Handreichungen" für Lehrer ausarbeiten, Eltern-Lehrer-Seminare anbieten und einen Wettbewerb für Präventionsprojekte an Schulen ausloben. Die Präventionsprogramme sollen teils in Zusammenarbeit mit anderen Stiftungen umgesetzt werden. Dazu laufen laut Mayer derzeit Gespräche.

Ein Jahr lang soll es noch für weitere Interessierte möglich sein, durch finanzielles Engagement ebenfalls zum Gründungsstifter zu werden. In der Broschüre ist als Ziel genannt, "die Stiftung mit einer Million Euro auszustatten". Die Stiftung soll selbstständig sein, wird jedoch unter dem Dach der Evangelischen Landeskirche angesiedelt.

Der 17-jährige Tim K. hatte an der Albertville-Realschule in Winnenden und bei seiner anschließenden Flucht in Wendlingen am 11. März 15 Menschen getötet und sich anschließend selbst das Leben genommen. (dpa)



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