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Kerner bei Sat 1

Routinierte Premiere

Von Senta Krasser, 03.11.09, 08:45h

Johannes B. Kerner gibt sein Debut auf Sat 1 - und eigentlich sieht alles aus wie immer. Trotz inhaltlicher Schwächen gelingt es dem Talkmaster, einen ersten Stein zu mehr Journalismus bei dem privaten Sender zu setzen.

Der Schreibtisch, nussbaumfarben wie immer, rechts davon aufgereiht die altbekannten Polstersessel in creme. Im Hintergrund die vertrauten Buchstaben „Kerner“, eingetaucht ins typische ZDF-Orange. Die Erkennungsmelodie, vielleicht zwei Töne höher als sonst. – Prangte nicht rechts oben am Bildschirm das Sat-1-Bällchen, man wähnte sich beim ZDF, Johannes B. Kerners früherem Arbeitgeber. Aber, zur Erinnerung, Kerner arbeitet jetzt bei Sat 1. Gestern war seine wortreich angekündigte Magazin-Premiere. Bei allem Verständnis für all die vertrauensbildenden Maßnahmen der Studiodekorateure – optisch betrachtet war „Kerner“ auf Sat 1 erst einmal: eine Enttäuschung.

Und so ging es inhaltlich los: Warmreden mit Deutschlands derzeitigem Daueraufreger, dem immer rauer werdenden Arbeitsklima. Eine junge Blondine klagte Kerner ihr Leid über das Mobbing bei Aldi. Der holte einen Arbeitsrechtler zu Rate und verließ dafür sogar den Schreibtisch – Sat 1 macht Kerner beweglich, und das tut dem Auge gut. Beim nächsten Thema wieder eine junge Blondine, die über den täglichen Staustress auf der A3 klagte. Rein optisch betrachtet leisteten Kerners Rechercheure also gute Arbeit. Und inhaltlich? Kann man bei einer Nation, die viel Auto fährt und gerade eine Rezession mit all ihren üblen Nebenwirkungen auf dem Arbeitsmarkt durchmacht, eigentlich nichts falsch machen. Nur fragte Kerner in seinen Interviews brav nach, worauf die Einspielfilme zuvor schon Antwort gaben.

Bei einem anderen Gast, Mario Barth, fiel dem Interviewer, der früher beim ZDF „Comedygipfel“ ausrichtete, seltsamerweise nicht fiel ein. Er überließ dem Komiker Barth, den sonst RTL immer bucht, die Bühne für seine speziellen Gags. Ein bisschen Spaß muss wohl auch bei Sat 1 sein.

Gar nicht spaßig und auch nicht von seriösem Nutzwert war der Ausrutscher ins spirituelle Fach. Kerner interviewte ein geschäftstüchtiges Medium, das Kontakt zu Toten aufnimmt. Solcher Themen sollte sich besser der Sat-1-Kollege Ulrich Meyer von „Akte“ annehmen, dessen Antennen für den Boulevard sensibler sind. Kerner soll ja „das journalistische Profil“ seines neuen Arbeitgebers stärken. Richtiger ist wohl: die Basis bauen für Journalismus, der außerhalb der Nachrichten um acht bei Sat 1 nicht stattfindet. Und da hat der Moderator mit der langjährigen öffentlich-rechtlichen Erfahrung trotz allem schon mal einen ersten Stein gesetzt.



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