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Formel 1

Roters bietet Toyota Hilfe an

Von Andreas Damm, 04.11.09, 13:28h, aktualisiert 04.11.09, 19:08h

Nachdem der Kölner Autobauer Toyota seinen Rücktritt aus der Formel 1 bekannt gegeben hat, kündigte der neue Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters Hilfe der Stadt Köln an. Rund 650 Mitarbeiter sind in Marsdorf von der Entscheidung betroffen.

Toyota-Rücktritt
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Das Toyota-Team bei der Arbeit. In Zukunft werden die rot-weißen Mechaniker nicht mehr in der Boxengasse zu sehen sein. (Bild: afp)
Toyota-Rücktritt
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Das Toyota-Team bei der Arbeit. In Zukunft werden die rot-weißen Mechaniker nicht mehr in der Boxengasse zu sehen sein. (Bild: afp)
TOKIO/NEUSS - Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) bietet dem Toyota-Vorstand in einem Schreiben Hilfe bei der Umgestaltung des Marsdorfer Werkes an. „Die Stadt Köln wird alle ihr möglichen Rahmenbedingungen schaffen, damit der Standort effizient weiterentwickelt werden kann. Wir haben ein großes Interesse daran, dass Marsdorf Zentrum der automobilen Zukunftstechnologie bleibt“, sagte Roters.

Am Mittwochmorgen hatte Toyota-Motorsport-Präsident John Howett den Oberbürgermeister in einem Telefonat darüber informiert, dass sich das Unternehmen mit dem Ablauf der Saison 2009 aus der Formel 1 zurückziehen wird. Nach Angaben des Presseamtes wollen sich Howett und Roters innerhalb der kommenden zwei Wochen treffen, um über die weitere Entwicklung zu sprechen. Der Toyota-Manager habe der Stadtspitze zugesagt, „die Interessen des Standorts Kölns bei allen geplanten Maßnahmen besonders im Auge zu behalten“.

Dem Presseamt zufolge hat Howett versichert, Toyota plane nicht, den Entwicklungsstandort im Kölner Westen „aufzugeben oder zu verkaufen“. Der Konzern wolle vielmehr mit dem Motorsport in Marsdorf präsent bleiben. Der Toyota-Vorstand werde in den nächsten Wochen entscheiden, welche Abteilungen des Entwicklungszentrums weiter betrieben werden und ob möglicherweise andere Entwicklungsaktivitäten angesiedelt werden sollen. Von den weiteren Planungen hängt ab, wie viele der rund 650 Arbeitsplätze wegfallen werden. Den betroffenen Mitarbeitern wolle die Toyota Motor Corporation „umfassende Hilfestellung leisten“.

Für den Kölner Wirtschaftsdezernenten Norbert Walter-Borjans ist „die Entscheidung von Toyota angesichts der aktuellen Entwicklung der Formel 1 und dem bereits erfolgten Rückzug anderer Rennställe nachvollziehbar“. Jetzt sei es wichtig, dass „herausragende technische Know-how“ in Marsdorf zu halten. Walter-Borjans hält es für denkbar, dass Toyota das dortige Werk für Entwicklungen im Oberklasse-Segment einsetzen könne - den Lexus also. „Das dort vorhandene Ingenieurswissen und das Siegel „Made in Germany“ könnten gerade für die Vermarktung von Spitzenprodukten sehr gut genutzt werden.“ Im Kölner Rathaus ist zudem zu hören, Toyota könne seine in Belgien ansässige Entwicklungsabteilung nach Marsdorf verlegen.

Profiteur des Toyota-Ausstiegs ist dagegen das bisherige BMW-Sauber-Team. Nach dem Ausstieg von BMW und dem Verkauf an die aus dem Mittleren Osten finanzierte Schweizer Stiftung Qadbak war der Rennstall aus Hinwil vom Automobil-Weltverband FIA nur als 14. Team und damit erster Nachrücker für die Saison 2010 geführt worden. "Das Management von Toyota hat eine Entscheidung getroffen, die es zu respektieren gilt", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen: "Wir werden nun mit der FIA die entsprechenden Auswirkungen für das BMW-Sauber-Team besprechen."

Haug und Schumacher zeigen Bedauern

Mercedes-Sportchef Norbert Haug bedauert die Entscheidung, besonders angesichts der Tatsache, dass die "Formel 1 künftig mit deutlich geringeren Budgets als in der Vergangenheit" auskomme. Der frühere Toyota-Pilot Ralf Schumacher meinte: "Mir tut diese Entscheidung sehr leid für die vielen großartigen Mitarbeiter in Köln-Marsdorf. Sie hätten wahrlich einen anderen Beschluss verdient gehabt. Toyota hat in der Formel 1 in acht Jahren die gesteckten Ziele nicht erreicht - und das wird ein Grund für diese Negativ-Entscheidung gewesen sein."

Toyota war 2002 in die Formel 1 eingestiegen und mit rund 300 Millionen Euro Budget pro Saison seitdem der Krösus in der Königsklasse. Erfolge blieben dennoch aus. In 140 Rennen fuhren Toyota-Piloten lediglich dreimal auf die Pole Position (Trulli 2005 beim Skandal-Rennen in den USA 2005 und 2009 in Bahrain, Ralf Schumacher 2005 in Japan). Im Rennen gab es fünfmal Platz zwei: durch Trulli 2005 in Malaysia und Bahrain sowie 2009 in Japan und durch Glock 2008 in Ungarn und 2009 in Singapur.

Durch den Rückzug droht Toyota jetzt allerdings eine Konventionalstrafe. Im Sommer hatte der Konzern noch das neue Concorde Agreement unterschrieben und sich damit eigentlich bis 2012 zur Teilnahme an der Formel 1 verpflichtet. Aus finanziellen Gründen hatte das Unternehmen, das in der Wirtschaftskrise erstmals in der Firmengeschichte Verluste einfuhr, bereits zuvor die Austragung des Japan-GP 2010 auf der konzerneigenen Rennstrecke in Fuji zurückgegeben, das Rennen findet jetzt wie in diesem Jahr in Suzuka statt, auf einer Piste des japanischen Rivalen Honda.

Honda war Ende 2008 aus der Königsklasse ausgestiegen, das Nachfolgeteam Brawn holte in dieser Saison die Konstrukteurs-WM und durch den Briten Jenson Button auch den Fahrertitel. Im Sommer hatte dann BMW den Ausstieg zum Jahresende verkündet und sein Team verkauft.

Für die japanische Motorsportszene bedeutet der Toyota-Ausstieg einen weiteren Schlag. Erst am Montag hatte Bridgestone überraschend bekannt gegeben, sich nach Ende des laufenden Vertrages Ende 2010 als Reifen-Lieferant aus der Formel 1 zurückzuziehen. 2008 hatte sich bereits Subaru und Suzuki aus der Rallye-WM sowie Kawasaki aus der MotoGP zurückgezogen. (mit sid)



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