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Evangelische Kirche

Erbitterter Streit über Homosexualität

Erstellt 04.11.09, 15:03h, aktualisiert 04.11.09, 20:55h

Über 30 evangelische Pfarrer aus Westfalen wenden sich in einem Brandbrief gegen ihren Präses Alfred Buß. Dieser hält Homosexualität für natürlich; es sei eine Aufgabe der Kirche, Lesben und Schwule vor Diffamierung zu schützen. Zu liberal, meinen die Unterzeichner.

Protestanten + Homosexualität
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Die evangelische Kirche in Westfalen streitet über ihren Umgang mit Lesben und Schwulen. (Symbolbild: dpa)
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Die evangelische Kirche in Westfalen streitet über ihren Umgang mit Lesben und Schwulen. (Symbolbild: dpa)
HALVER/BIELEFELD - Westfälische Pfarrer haben den evangelischen Präses Alfred Buß in einem offenen Brief wegen seiner Haltung zur Homosexualität kritisiert. Mit seinen liberalen Äußerungen zu "gelebter Homosexualität" verlasse der Präses die offizielle Linie der westfälischen Kirche, sagte Pfarrer Christoph Dickel dem epd am Mittwoch in Halver. Es werde befürchtet, dass der Präses "den Weg bereitet für Reformen in der westfälischen Kirche, die die Segnung oder Trauung gleichgeschlechtlicher Paare erlauben", heißt es in dem offenen Brief, den der Theologe gemeinsam mit rund 30 Pfarrern aus den Kirchenkreisen Lüdenscheid, Münster, Soest und Witten formuliert hat. Präses Buß wies die Vorwürfe zurück.

Anlass für die Kritik der Pfarrer sind ein Forum der westfälischen Kirche und der US-Partnerkirche "United Church of Christ" (UCC) zur Homosexualität, das im September stattfand, und Äußerungen des westfälischen Präses auf dem Evangelischen Kirchentag in Bremen. Dort hatte Buß betont, es sei Aufgabe der Kirchenleitungen, Homosexuelle vor Diffamierungen zu schützen. Homosexualität sei weder eine Fehlentwicklung noch eine Krankheit, hatte der Präses auf einer Veranstaltung des Forums "Homosexuelle und Kirche" erklärt. Auch Linkshänder habe man lange Zeit umerziehen wollen, sie würden aber heute akzeptiert.

Pfarrer meinen: "Umpol"-Therapien müssen weiter sein

In ihrem Brief mahnen die Pfarrer, der Beschluss der westfälischen Landessynode von 1996 zur "Vielfalt der Lebensformen" dürfe nicht verlassen werden. Es sei Konsens in der Kirche, dass es keine Amtshandlung wie Segnung oder Trauung gleichgeschlechtlicher Paare gebe, sondern nur eine "seelsorgerliche Begleitung". Wo Homosexualität als "naturgegeben" hingenommen und Therapien diskreditiert würden, verweigere man Menschen, die unter ihren homosexuellen Empfindungen litten, die Hilfe zur Veränderung. Die Sicht des Präses sei "ein Weg von der Abkehr der biblischen Orientierung".

Präses Buß betonte, er habe die Grundlage des Synodenbeschlusses mit seinen Äußerungen nicht verlassen. Es liege ihm aber daran, dass der Dialog mit denen, die in diesen ethischen Fragen zu anderen Ergebnissen kämen, nicht abreiße, heißt es in einer Antwort des leitenden Theologen. "Wir dürfen einander nicht unser Christsein absprechen, sondern müssen behutsam miteinander umgehen", mahnte Buß.

Konsens auf der Synode sei es zudem gerade gewesen, „dass der Diskriminierung von Homosexuellen in Kirche und Gesellschaft entschieden entgegen zu treten ist”. Gefordert wurde zudem, den Diskussionsprozess fortzusetzen. (epd)



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