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Wegen Umzug

„Tagesspiegel“ kündigt dpa

Erstellt 06.11.09, 17:10h

Paukenschlag in der Zeitungsbranche: Der Berliner „Tagesspiegel“ kündigt die Verträge mit der Deutschen Presse-Agentur. Grund sei nicht das Geld, sondern der Umzug der dpa in die Räume des konkurrierenden Axel-Springer-Verlags.

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Die dpa ist beim Axel-Springer-Verlag eingezogen. (Bild: dpa)
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Die dpa ist beim Axel-Springer-Verlag eingezogen. (Bild: dpa)
BERLIN - Der Berliner "Tagesspiegel" will den Bezug der Deutschen Presse-Agentur (dpa) beenden, weil die dpa zum konkurrierenden Axel-Springer-Verlag zieht. Das bestätigte "Tagesspiegel"-Chefredakteur Lorenz Maroldt am Freitag dem epd. "Der Umzug ist mit der gebotenen Unabhängigkeit der dpa nicht vereinbar, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit so nicht mehr möglich", sagte Maroldt. Ein dpa-Sprecher betonte, die Unabhängigkeit seiner Agentur werde "nicht durch einen Mietvertrag gefährdet".

Die dpa hatte am Dienstag angekündigt, im Sommer 2010 ihre bisher auf Hamburg, Frankfurt am Main und Berlin verteilten Zentralredaktionen in der Berliner Axel-Springer-Passage zusammenzulegen. Nach Informationen des epd stört sich der "Tagesspiegel" daran, dass die Miete mittelbar dem Axel-Springer-Verlag zufließt. In der Redaktionskonferenz habe es einen "Sturm der Entrüstung" gegeben, nachdem die Umzugspläne der dpa konkret geworden seien, hieß es weiter.

Der dpa-Sprecher betonte, die Unabhängigkeit sei für die Agentur "das höchste Gut, das wir auf keinen Fall gefährden werden". Er wollte nicht bestätigen, dass der "Tagesspiegel" die Dienste der dpa gekündigt hat und verwies darauf, dass sich seine Agentur "zu Vertragsverhältnissen grundsätzlich nicht äußert". Er kündigte an, dpa werde das Gespräch mit dem Berliner Verlag suchen. Der "Tagesspiegel" gehört ebenso wie das "Handelsblatt" und "Die Zeit" zur Holtzbrinck-Gruppe.

Aus Verlagskreisen hieß es, das Kündigungsschreiben sei bereits am Donnerstag in der Hamburger dpa-Zentrale eingegangen. Die Zusammenarbeit des "Tagesspiegels" mit der dpa werde demnach zum Datum des Einzugs, spätestens aber zum Juli 2010 gekündigt. "Das hat absolut keinen finanziellen Hintergrund", betonte Chefredakteur Maroldt.

Die dpa ist die größte Nachrichtenagentur in Deutschland. Sie wird von Verlagen in einem genossenschaftlichen Modell getragen und beschäftigt für die deutschen Dienste im In- und Ausland gut 822 Mitarbeiter, darunter etwa 450 Redakteure. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 94,1 Millionen Euro.

Die dpa war zuletzt unter Druck geraten, weil der Essener WAZ-Konzern für seine vier in Nordrhein-Westfalen erscheinenden Tageszeitungen rund um die "Westdeutsche Allgemeine" die Verträge mit der dpa auslaufen ließ. Die WAZ argumentierte damals, dpa habe für die Ansprüche des Konzerns kein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. (epd)



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