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November 2009

Lage ist heikel, machen wir was draus

Von Frank Olbert, 07.11.09, 08:41h, aktualisiert 07.11.09, 08:47h

Bei der zweiten Umfrage für den "Kölner Kulturindex" konnten die Kulturschaffenden ihre Meinung zur Lage abgeben. Unzufriedenheit mit Politik und Verwaltung hat sich breit gemacht und auch der neue Oberbürgermeister kommt nicht gut weg.

Rautenstrauch-Joest-Museum
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Baustelle Kultur: Der Neubau des Rautenstrauch-Joest-Museums am Neumarkt. (Bild: Worring)
Rautenstrauch-Joest-Museum
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Baustelle Kultur: Der Neubau des Rautenstrauch-Joest-Museums am Neumarkt. (Bild: Worring)
Nach der Premiere im vergangenen Sommer war es jetzt zum zweiten Mal so weit: Die Kölner Kulturschaffenden hatten erneut Gelegenheiten, für den „Kölner Kulturindex“ ihre Einschätzung der Lage zu geben. Auch diese Untersuchung ist eine Umfrage des Kölner Kulturrats und kam in Zusammenarbeit mit dem „Generali Zukunftsfonds“ und dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ zustande. Durchgeführt und ausgewertet hat sie wieder Ulrich Rosar, Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Soziologie der Universität zu Köln. Darüber hinaus ist der „Generali“-Fonds Sponsor einer zweiten repräsentativen Umfrage von OmniQuest. Diese wandte sich ans Kulturpublikum der Stadt und wird auf Seite 32 von uns dokumentiert.

Wie also ist die Stimmung bei Kulturanbietern und ihrem Publikum – nach der Katastrophe, die der Einsturz des Stadtarchivs bedeutete, nach dem Kommunalwahlkampf, in dem plötzlich von massiven Kürzungen des Kulturetats die Rede war, nach dem Auftreten auch des SPD-Kandidaten und jetzigen Oberbürgermeisters Jürgen Roters, der sich in kulturellen Fragen eher unbedarft zeigte?

Die Umfrage: Der Kulturindex setzt sich aus den Umfrageergebnissen zusammen, die bei der Befragung von Kölner Kulturschaffenden gesammelt wurden. Es handelt sich also um eine Umfrage unter Experten (zum Methodischen siehe die Stellungnahme von Ulrich Rosar vom Forschungsinstitut für Soziologie der Universität zu Köln). 371 Vertreter der Kulturszene sind angeschrieben worden, 157 haben sich an der Erhebung beteiligt, woraus sich ein repräsentativer Querschnitt ergibt.

Die kulturpolitische Stimmung: Im Vergleich zur Frühjahrs-/Sommerbefragung hat sich die kulturpolitische Stimmung unter den Experten in Köln verschlechtert. Schon damals wurde sie verhalten pessimistisch bewertet, nun bewegen sich für den Herbst die Zahlen noch weiter im Negativbereich. Ein Grund für diese Entwicklung ist nach Ansicht von Ulrich Rosar „die im Zuge des Kommunalwahlkampfes 2009 aufgeworfene Frage nach Kürzungen des Kulturetats der Stadt Köln“. Im Sommer war die Rede davon, dass Einbußen von bis zu 30 Prozent bevorstünden. „Weitere Gründe“, so Rosar, „dürften kulturpolitische Debatten sein, wie sie im vergangenen halben Jahr beispielsweise um das Opernquartier, das Stadtmuseum, das Jüdische Museum oder das Historische Archiv geführt wurden.“

Zur Erinnerung: In der Frage der Sanierung der Oper und des Neubaus des Schauspielhauses hatte die Stadt einen Kostendeckel von 230 Millionen Euro beschlossen, der nach neueren Detailberechnungen nicht mehr zu halten wäre – die Kosten würden auf 364 Millionen Euro steigen. Beim Thema Stadtmuseum wurde eine zermürbende Debatte um die Stiftung des Anbaus geführt, beim Jüdischen Museum kapitulierte der Förderverein vor der Finanzierung, die Zukunft des Historischen Archivs ist unklar.

Politik und Verwaltung: Die Auswirkungen der Wahlkampfdebatte werden als schädlich für die Kultur bewertet. Insbesondere die Ankündigung, man werde den Kulturhaushalt um 30 Prozent kürzen müssen, war nach Ansicht der Experten dem Ansehen der Stadt auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene abträglich. Bei den Projekten steht denn auch der Etat an höchster Stelle; gefolgt vom Historischen Archiv, dessen Einsturz auch bei den Werten in der Rubrik „Image“ negative Spitzenwerte erhält. Insgesamt herrscht bei den Befragten die Meinung vor, dass der Kultur seitens der Politik zu wenig Beachtung geschenkt, dass sie in ihrer Bedeutung als Standortfaktor nicht gewürdigt wird. Dass der Kölner Kulturdezernent Georg Quander ebenfalls als schädlich für das Image der Stadt empfunden wird, deutet auf wenig Vertrauen auch in die Verwaltung.

Die Zukunft: Zwar sind 50 Prozent der Befragten der Ansicht, dass sich die Situation in Köln nicht verändern werde – was jedoch angesichts der Tatsache, dass diese Situation eher pessimistisch eingeschätzt wird, eine resignative Aussage ist. 34 Prozent sind gar der Ansicht, dass die Lage sich verschlechtern wird, was vornehmlich auf die Debatte um den Kulturetat zurückzuführen ist.

Dabei ist die Liste der Aufgaben, die Politik und Verwaltung anpacken müssten, umfänglich. Sie reicht von der Etatfrage über die Zukunft des Historischen Archivs und des Opernquartiers bis hin zum Umgang der Stadt mit Stiftern und der Neubesetzung von Direktorenposten.

Nachdenklich muss in diesem Zusammenhang stimmen, dass die Akteure der Kölner Kulturszene wenig Erwartungen in den neuen Oberbürgermeister Jürgen Roters setzen. Hoffentlich nimmt er dies zum Anlass, die zahlreichen Schwächen, die er während des Wahlkampfs im Kulturbereich gezeigt hat, durch frische Initiative in Vergessenheit geraten zu lassen.



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