Von Martin Weber, 08.11.09, 09:44h, aktualisiert 08.11.09, 09:49h
Es dauerte eine geschlagene Stunde, bis wenigstens ein bisschen Schwung in die Sache kam. Um Viertel nach neun grimassierte Robbie Williams, sang feixend „Bodies“, seinen neuesten Hit von der Stange, und bewies dann auf der Gästecouch von „Wetten, dass…?“, wie gut braune Schuhe zu gelben Socken und leicht graumeliertem Haupthaar passen können. Drei Jahre war der britische Superstar mehr oder weniger freiwillig weg vom Showfenster, und bevor er nach den Reklamemaßnahmen für seine neue CD mit dem leicht sperrigen Titel „Reality Killed The Video Star“ wieder in der Versenkung verschwindet, mopsig wird und illegale Substanzen in sich reinstopft, bekannte er freimütig, wie das alles war nach dem Stress mit dem letzten Album. Er sei in der Reha gewesen, erzählte Williams, meinte damit den Entzug, den er machen musste – und habe ansonsten ausführlich den lieben langen Tag drei Jahre lang nichts gemacht. Und was machte der Simultan-Dolmetscher? Übersetzte „rehab“ mit „Kur“.
Ja, so hat’s er gern, der handelsübliche ZDF-Kunde. „Gekurt“ hat er wahrscheinlich schon diverse Male, und irgendwas mit „Kur“ guckt er auch gern im Farbfernsehen. Deshalb war wohl auch Wolfgang Rademann zu Gast, als Produzent des Mullbinden-Dramas „Die Schwarzwaldklinik“ und des Emotions-Dampfers „Das Traumschiff“ ohne Frage der Godfather der Seichtigkeiten. Mit Berliner Klischee-Kodderschnauze gab Rademann tüchtig an, ärgerte sich trotz seines immensen Erfolges über die schlechten Kritiken im Feuilleton und hatte den Mann an seiner Seite, der vom Feuilleton heiß und innig geliebt wird: Harald Schmidt. In der aktuellen „Traumschiff“-Folge, in der von Peru nach Miami geschippert wird, stellt der Gelegenheitsschauspieler Schmidt perfide unter Beweis, dass er den Satz „Drehort geht vor Drehbuch“ wirklich bierernst meint: In einem Ausschnitt war zu sehen, dass sich der Late-Night-Talker nicht zu schade ist, an der Seite der Fachfrau für betreutes Lieben auf dem Bauernhof zu spielen. Harald Schmidt und Inka Bause: ein Albträumchen. Leider ein wahres.
Reklamemaßnahmen fürs „Traumschiff“
Nachdem die lästigen Reklamemaßnahmen fürs „Traumschiff“ beendet waren, ging’s weiter im Werbetext. Immerhin: Formel-1-Vizeweltmeister Sebastian Vettel brachte den Namen seines Hauptsponsors charmant unter und entpuppte sich im Verlauf des Abends als so keckes wie aufgewecktes Bürschchen. Was man von David Garrett, dem André Rieu für die Generation iPod, nicht behaupten kann. Der Geiger mit dem aufgepfropften Rocker-Image ist noch langweiliger als seine Musikpampe aus Pop und Klassik und brachte das Geheimnis seines Erfolgs in diesem Satz unter: „Ich habe ja schon mit vier Jahren mit Geige angefangen.“
Gab’s sonst noch Erwähnenswertes in der 184. Ausgabe des öffentlich-rechtlichen Wettbüros? Eher nicht. Aber einiges, über das man wenigstens schreiben kann. Nazan Eckes (ist bei RTL das weibliche Pendant zu Boxenluder Kai Ebel) war genauso langweilig wie Elisabeth von Thurn und Taxis, ist aber eindeutig hübscher anzuschauen. Die Tochter der einst sehr verrückten und heute sehr katholischen Fürstin Gloria hat allerdings, im Gegensatz zu Frau Eckes, ein Buch geschrieben. „Fromm“ heißt es, und das genügte wohl, um eingeladen zu werden; wir warten gespannt auf den Augenblick, in dem der erste strenggläubige Atheist mit seinem Buch auf der „Wetten, dass…?“-Couch Platz nehmen darf.
Und, ach ja, fast hätten wir’s schon wieder vergessen: die Wetten. Die Chinesin Yao Chunzi, die im Akkord mit Essstäbchen Eigelb und Eiweiß erfolgreich trennte, ist hoffentlich wieder gut in ihrer heimischen Küche angekommen; bei Marlon Burlage, dem Kandidaten, der Frauen den mit Airbrush-Technik besprühten Abdrücken ihrer Pos zuordnen konnte, fiel Gottschalk erfreulicherweise „Der Steiß ist heiß“ ein; zwischendurch sangen die Black Eyed Peas ihren grandiosen Autoscooter-Popsong „I Got A Feeling“ – und irgendein Gefühl kann man bestimmt auch bald bei der zweiten Blondine des Abends entwickeln. Zum zweiten Mal gab Michelle Hunziker Gottschalks Co-Moderatorin, und die Schweizerin war dabei so aufgekratzt wie bei den Wetten mit kindlicher Begeisterungsfähigkeit ausgestattet.
Frau Hunziker in ihrer Paraderolle
Am besten aber ist Frau Hunziker immer noch in ihrer Paraderolle als blondes Dingsda: Ihr Kleid, vorne tief ausgeschnitten und hinten hart an der Grenze zum Handwerker-Dekolleté, sah wirklich toll aus. Und dann war da noch Lady GaGa, die betrüblicherweise nicht gesungen hat, aber trotzdem unter einer ihrer schätzungsweise 2443 Perücken eine Erkenntnis ablieferte: Nach dem mit kryptischen Werbebotschaften in eigener Sache gespickten Gespräch war klar wie Kloßbrühe, dass sie ihren Künstlernamen wirklich mit Bedacht ausgewählt hat.
Wettkönig des Abends wurde übrigens ein junger Mann namens Ralf Rabung. Herrn Rabung gelang es mit der Schaufel seines Baggers, innerhalb von vier Minuten fünf Basketbälle im Korb zu versenken. Spätestens als der Wettkönig seinen Gewinn – Achtung, noch einmal Reklame! –, einen schnieken Audi, in Empfang genommen hatte, war klar: An diesem Punkt war die Sendung ganz bei sich. Baggerwetten gibt’s schließlich bei „Wetten, dass...?“ schon sehr lange; Insider munkeln, dass Johannes Heesters sie schon als kleiner Junge furchtbar gern mochte.
David Garrett
10.11.2009 | 22.37 Uhr | PetraMaria
Armer Kritiker,
Manches mal frage ich mich, ob Kritiker sich überhaupt informieren. In ihrem Fall Herr Weber glaube ich es einfach nicht. Sonst wäre…
...wie unfroh sind Kritiker!
09.11.2009 | 17.31 Uhr | music lover
Zitat: Was man von David Garrett, dem André Rieu für die Generation iPod, nicht behaupten kann. Der Geiger mit dem aufgepfropften Rocker-Image ist…
Der alte Mann Thomas Gottschalk...
08.11.2009 | 17.23 Uhr | weiberohnealklächerlich
... macht das, was alte Männer am liebsten machen: sabbernd junge Frauen anschleimen. Ekelhaft. Wie lange noch müssen wir diese Altherrenästhetik und…
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