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Bundesliga

Ein klares Bekenntnis

Von Jan Christian Müller, 10.11.09, 17:20h, aktualisiert 10.11.09, 21:46h

Die Fußball-Bundesliga will unter sich bleiben. Der Ligaverband DFL schmetterte mit großer Mehrheit den Vorstoß von Hannover 96 ab, externen Investoren eine Mehrheitsbeteiligung an den Erst- und Zweitligaklubs zu ermöglichen.

H96 Kind
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Enttäuscht: Hannovers Präsident Martin Kind. (Bild: Getty)
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Enttäuscht: Hannovers Präsident Martin Kind. (Bild: Getty)
FRANKFURT - Martin Kind hat am Dienstagnachmittag die Bundesligaversammlung in Frankfurt tief enttäuscht verlassen. Der Präsident von Hannover 96 mühte sich tapfer, Haltung zu bewahren. Denn sein Antrag, die 50+1-Schutzklausel zu kippen und künftig einen freien Kapitalzufluss in die Fußball-Bundesliga zu erlauben, wurde abgeschmettert. Kind bekam für sein Anliegen nur eine einzige Ja-Stimme: seine eigene, und drei Enthaltungen: von der TSG Hoffenheim, vom VfL Wolfsburg und vom Zweitligisten aus Paderborn. Auch Kompromissanträge des FSV Frankfurt und des Hamburger SV, nach denen Spekulanten die Bundesligaklubs nicht überfallen und aussaugen dürften, wurden mit breiter Mehrheit abgewiesen. „Damit hätte ich nicht gerechnet“, sagte der erfolgreiche Hörgerätehersteller Kind hinterher, „ich hätte erwartet, dass der Kompromissvorschlag angenommen wird. Man hat eine große Chance vertan.“ Er bezweifle, ergänzte Kind, „ob die Kollegen diese Chance realistisch eingeordnet haben.“ Die Bundesliga sei hochgradig „unterkapitalisiert“, die „Eigenkapitaldecke ist zu kurz“. Nun, so Kind, „werden die Richter entscheiden. Alle Gutachten, die mir vorliegen, sprechen eine deutliche Sprache.“ Kind rechnet damit, dass der Europäische Gerichtshof die vor elf Jahren von den Bundesligisten erdachte Schutzklausel kippen wird.

Hoch zufrieden verließ Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen das Hotel in der Frankfurter Innenstadt. Das Abstimmungsergebnis sei „ein klares Votum, was wir wollen und was wir nicht wollen“. Indirekt äußerte Bruchhagen, er erwarte von Kind, das Ergebnis zu respektieren: „Ich bin vor geraumer Zeit mit meinem Antrag auf eine Aufstockung der Bundesliga auf zwanzig Vereine auch gescheitert und habe nicht nachgekartet.“ Für „Eintracht Frankfurt und für das Gros der Bundesliga“ sehe er ohnehin „leider keine globale Chance“, sich durch einen umfangreichen Verkauf von Klubanteilen an Investoren weiterzuentwickeln: „Wir sind eine regionale Marke, uns ist es nicht gelungen, deutschlandweit Bedeutung zu erlangen und zur nationalen Marke zu werden.“

Auch Bruchhagen zeigte sich über die Deutlichkeit der Entscheidung überrascht. Offenbar hatte auch eine Unterschriftenaktion des Fan-Bündnisses „Unsere Kurve“ Eindruck gemacht. Der Zusammenschluss der Fanvertretungen hatte nach eigenen Angaben fast 100 000 Unterschriften gegen eine Abschaffung der 50+1-Regel gesammelt und die fast einen halben Meter hohe Loseblattsammlung vor der Sitzung an den Ligapräsidenten Reinhard Rauball übergeben. Rauball hatte daraufhin den vollständig versammelten Vertretern der 36 Vereine mitgeteilt, „dass durch die Fans eine emotionale Komponente in die Diskussion hineinkommt, die man sehr ernst nehmen muss. Die Fans wollen einfach nicht fremdbestimmt werden.“ Das habe die Mitgliederversammlung „goutiert“, so Rauball hinterher, „das Ergebnis ist an Klarheit nicht zu überbieten“. Im übrigen, teilte Rauball mit, hätten die von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) eingeholten Rechtsexpertisen keine klare Wertung für einen eventuell bevorstehenden Rechtsstreit mit Kind ergeben. „Alle haben uns gesagt, dass da Neuland ist.“

Rauball erwartet nun, dass das klare Votum „demokratisch respektiert“ werde, ein klarer Wink in Richtung Kinds, auf den Klageweg zu verzichten. In die gleiche Richtung argumentierte der DFL-Geschäftsführer Christian Seifert: Eine Solidargemeinschaft müsse „in beide Richtungen funktionieren“. Er habe „ein Problem damit, wenn man die Vorteile der Solidargemeinschaft nutzt und die Nachteile nicht akzeptieren will und dann mit Gericht droht“. Kind entgegnete, sein durch den Zweitligisten FSV Frankfurt angeregter Kompromissvorschlag sei bereits ein Zeichen der Solidarität gewesen. FSV-Manager Bernd Reisig sagte, er „bedaure es sehr, dass unser Antrag abgelehnt wurde“. Reisig befürchtet nun, „dass Kind den Klageweg geht. Und das ist für uns alle nicht gut“.



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