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Chile-Spiel

DFB zahlt Eintrittspreis zurück

Von Frank Nägele, 11.11.09, 14:41h, aktualisiert 12.11.09, 10:52h

Der Deutsche Fußball-Bund hat am Mittwoch nach eingehender Beratung mit der Mannschaft beschlossen, das Länderspiel gegen Chile in Köln abzusagen. Die Spieler bräuchten Zeit zum Trauern, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Oliver Bierhoff
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Erschüttert: Oliver Bierhoff in Bonn. (Bild: rtr)
Oliver Bierhoff
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Erschüttert: Oliver Bierhoff in Bonn. (Bild: rtr)
BONN - Theo Zwanziger, Oliver Bierhoff und Harald Stenger erscheinen im Raum 006 der Bonner Telekom-Zentrale mit Mienen von Männern, die stundenlang geweint haben. Es ist Mittwoch, 14.30 Uhr. Der Selbstmord des Nationalspielers Robert Enke ist gerade 20 Stunden alt. Und die Botschaft der Drei ist klar: Es wird am Samstag in Köln kein Länderspiel gegen Chile geben. Sie wollen anders Abschied nehmen von dem Torhüter aus Hannover. „Wir müssen auch einmal innehalten können, wir dürfen nicht einfach in unserer Geschäftsmäßigkeit weiter machen“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.

Theo Zwanziger konnte seine Emotionen nur schwer unter Kontrolle halten. Oliver Bierhoff gar nicht. „Wir sind alle fassungslos, sprachlos und auch hilflos“, erklärte der Teammanager der Fußball-Nationalmannschaft, „es hätte in Köln auch ein Abschiedsspiel gegen Chile sein können, aber es ist ein klares Gefühl, dass es zu früh käme.“ Das war der letzte Satz, den der ehemalige Nationalspieler hervorbrachte, ohne zu weinen. „Sie werden jetzt Kommentare darüber schreiben, ob diese Absage richtig ist“, sagte Bierhoff den anwesenden Menschen von der Presse mit stockender Stimme, „aber Sie waren ja nicht dabei. Alle Spieler fühlen so wie ich.“ Tränen traten an die Stelle von Worten. Während Theo Zwanziger und Mediendirektor Harald Stenger weiter sprachen, versuchte der 41-Jährige, sein Gesicht mit mit der bloßen Hand zu trocknen. Der Versuch misslang. Ein paar Minuten später meldete er sich wieder tapfer zu Wort. „Ich glaube, jetzt geht es wieder.“

Joachim Löw war nicht erschienen. Er sah sich außerstande, seine Gefühle vor laufenden Kameras zu beschreiben. Auf seiner Homepage veröffentlichte der DFB das Statement des Bundestrainers. „Ich bin völlig schockiert, völlig leer“, wird Löw zitiert. „Mein ganzes Mitgefühl gilt seiner Frau Teresa und seiner Familie. Robert war nicht nur ein herausragender Spieler, sondern auch ein toller Mensch. Er konnte zuhören und ist anderen mit unglaublichem Respekt begegnet. Fairness war für ihn immer ein wichtiger Lebensinhalt.“ Die Absage des Chile-Länderspiel sei völlig richtig. „Niemand fühlt sich in der Lage, in dieser Situation einfach zur Tagesordnung überzugehen.“

Was die Gefährten und den Trainerstab am meisten bewegte war die Frage, wie ihnen die tiefe Krise, die Krankheit des Mitspielers verborgen blieben konnte. „Wir sind hilflos, offenbar konnten wir nie über die Oberfläche des Menschen Robert Enke hinaus sehen“, meinte Bierhoff, „wir fragen uns: ,Hätten wir es spüren können?' Michael Ballack kannte Robert seit seinem 13. Lebensjahr, Per Mertesacker spielte jahrelang mit ihm in Hannover, Robert hatte viele Gespräche mit unserem Psychologen Hans-Dieter Hermann, aber keiner, keiner hat Grund gehabt, an diese Krankheit zu glauben. Robert hatte immer ein Lächeln, eine tolle Ausstrahlung, er gab der Mannschaft Halt.“

Verbandschef Theo Zwanziger („die Frage nach dem Warum begleitet uns alle“) hatte keine Lust, auf Details der Absage einzugehen. Er danke den Chilenen für ihr Verständnis. „Ich habe mit der chilenischen Delegation gesprochen, und sie haben spontan geantwortet: »Wir hätten es genau so gemacht.« Der Rest ist für uns einfach eine Frage der Organisation.“ Die Spieler seien bereits aus dem Hotel abgereist, Zwanziger, Bierhoff und Kapitän Michael Ballack nahmen am Mittwoch an einer Andacht in Hannover teil. Das Team trifft sich am Sonntag in Düsseldorf wieder, um die Vorbereitung auf das Länderspiel gegen die Elfenbeinküste am Mittwoch aufzunehmen. Zuvor wird die Mannschaft in Hannover an einer Trauerfeier für Robert Enke teilnehmen.

DFB erstattet das Eintrittsgeld

Die Eintrittsgelder für das abgesagte Länderspiel in Köln werden nach DFB-Informationen „selbstverständlich zurückgezahlt“. Über die Abwicklung will der Fußballbund in den nächsten Tagen informieren.

Der Sportstätten GmbH als Betreiber des Rhein-Energie-Stadion entstehen ebenfalls keine Verluste, denn der DFB habe gestern zugesagt, dass eines der nächsten Länderspiele in Köln stattfinden werde. Das solle „zeitnah, allerspätestens im nächsten Frühjahr“ der Fall sein, sagte Hans Rütten, Chef der GmbH, auf Anfrage. Nach seinen Angaben waren bislang mehr als 35.000 der 46.000 Eintrittskarten verkauft. (mit map)



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