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GutenMorgenKöln

Espresso ist hier pure Schokolade

Von Claudia Lehnen, 19.11.09, 14:31h, aktualisiert 20.11.09, 09:11h

Kaffee soll wach machen, sonst nix. All den Banausen, die sich morgens einen schwarzen Filterkaffee in den Magen kippen, will Fabio de Nittis beibringen: Kaffee ist Schönheit, Kaffee ist Lebensgefühl. Guten Morgen Köln ist schon überzeugt.

Barista Köln
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Fabio de Nittis ist Kaffeekünstler. (Bild: Worring)
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Fabio de Nittis ist Kaffeekünstler. (Bild: Worring)
Innenstadt - Die Maschine säuselt geschäftig bevor sie sieben, vielleicht auch siebeneinhalb, sicher nicht mehr als acht Gramm dunkelbraunes Pulver in die silberne Schale spuckt. Fabio de Nittis braucht keine Waage. Er hat sein Auge und das schlägt bei einem halben Gramm zuviel sofort Alarm. Fabio de Nittis ist Barista. Zertifizierter Kaffeekünstler, kann man auch sagen. An der sonnengelben Wand hinter ihm, ein wenig versteckt, im Schatten des großen Regals mit den Tassen und der wuchtigen Kaffeemaschine, hängt ein Zertifikat.

Schon 2007 hat der heute 29 Jahre alte Fabio die Bar in der Kyffhäuser Straße eröffnet. 14 Sitzplätze, einige an der Bar, ein Flachbildschirm schräg darüber, eine kleine Küche, der Kaffeehalbautomat. Erst seit sechs Wochen schmeckt der Espresso wie pure Schokolade. Seitdem gibt es nicht mehr Lavazza. Es gibt einen Kaffee, den es sonst nirgends gibt. „Es ist meine eigene Mischung. Schamong, die älteste Kaffeerösterei Kölns, röstet ihn“, sagt er und präsentiert stolz ein schwarzes Päckchen mit der Aufschrift "Barista Espresso Galapagos".

Im Wohnzimmer bei Fabio

An der Bar des „Barista“, wie die Kaffeestube in der Nähe der Universität heißt, geht es ein bisschen zu wie auf einem Schulhof. Nur dass keine Kinder hier hereinschneien und sich „einen Capuccino mit Muster zum Hiertrinken und danach den zweiten zum Mitnehmen“ bestellen. Die junge Frau im Jeansrock erzählt, „Noah hat seinen ersten Zahn und ich hab’s nicht gemerkt“. Als sie sich an die Bar setzt, fläzt sie ein bisschen über den Tresen, sie legt den Kopf in die Hand, lümmelt, sie ist zu Hause. Fabio experimentiert mit der Zieh- und Rollphase des Milchschaums, wie er in melodiösen Satzkaskaden den Gästen erklärt. Vielleicht hat jemand das Michael-Jackson-Video vom Flachbildschirm schräg oben leiser gedreht. Das Handgelenk bewegt sich geschmeidig und plötzlich taucht aus dem weißen Milchschaum nussbraune Kontur, Fabio hat ein Herz auf den Kaffee gemalt.

De Nittis weiß alles genau zu erklären. Wenn er im Juni bei der Barista-Meisterschaft mitmacht und „hoffentlich einen guten Platz“ macht, „dann habe ich ein kleines Mikrophon vor dem Mund“ – der dunkelhaarige Schmale blickt von der Maschine über die Schulter und streicht sich illustrierend die Wange entlang – „und ich muss alles erklären, was ich tue“. Fabio tut das schon jetzt. Und seine Stammkunden mögen es. „Er sagt uns, dass die Bolognese von seiner neapolitanischen Schwiegermutter ist und die dafür drei Stunden in der Küche stand. Das ist nett“, sagt ein Gast. Eine Frau mit Cappuccion freut sich, dass sie im „Barista“ all ihre Nachbarn kennen gelernt hat. „Fabio macht uns alle bekannt. Wer hier einsam in seinen Kaffee stieren will, ist hier falsch.“

"Kaffee ist nicht nur Wachmacher"

„Kaffee machen, der nicht bitter ist“, „bei den Barista-Meisterschaften einen guten Platz belegen“, „eine Familie gründen“ – Fabio weiß genau, was er in den kommenden Jahren alles anpacken will. Zweifel, dass es klappt, hat er nicht mehr, seit er vor zwei Jahren mit dreißig Euro in der Tasche, Schulden bei 20 Bekannten und ohne Kaffeetassen dastand. „Lavazza hat damals die Tassen gesponsort. Und seit der Eröffnung habe ich dann keinen Monat mehr draufgezahlt. Ich habe alle zu einem Kaffee eingeladen. Und all die sind mit zwei oder drei Freunden wieder gekommen.“ Fabio pinselt den Restkaffee aus der Maschine, wischt alles mit einem Küchentuch ab. Er will keinen zweiten Laden. „Bescheiden bleiben ist wichtig.“ In einer Sache traut er sich dann aber doch Großes zu: „Ich will die Nicht-Kaffeetrinker davon überzeugen, dass Kaffee nicht nur ein Wachmacher ist. Sondern ein Lebensgefühl."

Dann wendet sich Fabio wieder seiner Kundschaft zu. Die Frau im Jeansrock möchte auf dem „Barista“-Tresen eine Spardose für ein Tierheim in Not aufstellen. Schließlich ist es fast ihr zu Hause. „Machen wir. Du weißt, ich habe ein so großes Herz“, sagt der Kaffeekünstler und seine Armbewegungen sind ausladend.



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