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Wettskandal

Schieberei auf dem Spielfeld

Von Markus Bark, 19.11.09, 15:58h, aktualisiert 22.11.09, 10:40h

Europaweit sollen laut Staatsanwaltschaft über 200 Spiele manipuliert worden sein. Allein in Deutschland stehen 32 Spiele von der Champions-League bis zur 2. Bundesliga unter Verdacht. Beim SSV Ulm und VfL Osnabrück wird zur Zeit ermittelt.

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Dem internationalen Fußball droht ein neuer Wettskandal. (Bild: dpa)
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Dem internationalen Fußball droht ein neuer Wettskandal. (Bild: dpa)
BOCHUM – Beim VfL Bochum gab es mal einen Trainer, der vor der Fantribüne den Moonwalk tanzte. Der Verein aus dem Ruhrgebiet machte dadurch bundesweit Schlagzeilen, was ihm nur ganz selten gelingt. Dass Bochum einmal zum Nabel der Fußballwelt werden würde, war so wahrscheinlich wie ein Weltmeistertitel für San Marino - bis gestern. Im schmucklosen Raum 17 des Polizeipräsidiums der Revierstadt wurden Details des neuen Skandals bekannt, der den Fußball in den Grundfesten erschüttert. Dass er viel größer als der Skandal von 2004 / 05 ist, dem der bestochene Schiedsrichter Robert Hoyzer seinen Namen gab, hatten wohl selbst Pessimisten nicht vermutet. Die Ausmaße beschrieb Peter Limacher: „Es ist zweifellos der größte Betrugsskandal in der Geschichte der Uefa.“ Limacher leitet die Disziplinarkommission des Europäischen Fußballverbandes Uefa. Er war angeschlagen, als er in die zahlreichen Mikrofone flüsterte: „Ich bin zutiefst betroffen vom Ausmaß der abgesprochenen Spielmanipulationen.“ Bei der Bochumer Polizei und Staatsanwaltschaft überwog mehr der Stolz, dass sie in Zusammenarbeit mit der Uefa und Behörden in vielen europäischen Ländern den Betrügern auf die Schliche gekommen ist.

Spitze des Eisbergs

Es besteht bei etwa 200 Spielen, von der Champions League (drei Partien), Europa League (12) über die 2. Bundesliga in Deutschland bis hin zu Vorbereitungsspielen in der Schweiz der Verdacht, dass betrogen wurde. In etwa der Hälfte der Fälle soll die Manipulation geglückt sein, sagte ein Ermittler. Alle betroffenen Spiele wurden in diesem Kalenderjahr ausgetragen. Was zwischen Hoyzer und 2009 passierte, weiß niemand. Limacher nannte es eine „hypothetische Frage“. Dass der Betrug eine so lange Pause machte, wird aber wohl niemand glauben. Da zumindest die Spiele aus der Europa League, die erst seit der neuen Saison so heißt (früher Uefa-Cup), einen aktuellen Wettbewerb betreffen, stellt sich die Frage nach Punktabzügen oder Neuansetzungen.

Die Ermittlungen im neuen Skandal begannen im Januar 2009. Die Bochumer hatten Wind von den Wettbetrügereien bekommen, als sie in einem anderen Fall von Organisierter Kriminalität Telefongespräche abhörten. Am Donnerstag wurden die Ermittlungen öffentlich bekannt, weil 15 Verdächtige in Deutschland und zwei in der Schweiz festgenommen worden waren. Ihnen wird „gewerbsmäßiger Bandenbetrug“ vorgeworfen. Scheinbar noch unbehelligt sind Sportler, Trainer, Schiedsrichter und Funktionäre, gegen die ebenfalls ermittelt wird. Sie sollen auf der anderen Seite geholfen haben, Ergebnisse so zu gestalten, dass die Wettbetrüger abkassieren. Etwa zehn Millionen Euro sollen die Täter ergaunert haben. „Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagte Friedhelm Althans von der Bochumer Polizei.

Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtete gestern, dass der VfL Osnabrück zweimal involviert gewesen sei. Nach Informationen von „Welt online“ handelt es sich bei den verdächtigen Spielern um den ehemaligen Kölner FC-Kapitän Thomas Cichon (spielt jetzt in Südafrika), Marcel Schuon (Sandhausen) und Thomas Reichenberger, der noch in Osnabrück aktiv ist. Cichon beteuert seine Unschuld: „Ich weiß nicht, dass gegen mich ermittelt wird, wer mich kennt, der weiß, was los ist, damit habe ich nichts zu tun.“ Unklar war am Freitag abend, ob gegen die Spieler ein Haftbefehl vorlag. Claus-Dieter Wollitz, bis letzte Saison Trainer in Osnabrück, sagte am Freitagabend: „Ich will das nicht glauben. Ich möchte nicht, dass das wahr ist, weil dann bricht für mich eine Welt zusammen.“

Die obersten Spielklassen sind in der Türkei, Österreich, Kroatien, Ungarn, Bosnien und Slowenien betroffen. Verdächtige Fälle sind auch aus Belgien und der Schweiz bekannt. Der schon in den Wettskandal um Robert Hoyzer verwickelte Kroate Ante Sapina sitzt nach Angaben seines Anwaltes in Bochum in Untersuchungshaft.



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