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Tagesthemen

Wickert kritisiert Sprachverfall

Erstellt 19.11.09, 18:27h, aktualisiert 19.11.09, 18:28h

Kurzsprech und Floskelsprache: Ulrich Wickert hat sich die Nachrichten von ARD und ZDF zur Brust genommen. Der ehemalige „Tagesthemen“-Moderator kritisierte sprachliche Mängel bei den News-Flagschiffen der Öffentlich-Rechtlichen.

Ulrich Wickert
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Ulrich Wickert. (Bild: ddp)
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Ulrich Wickert. (Bild: ddp)
BERLIN - Der ehemalige "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert geht hart mit den Nachrichten in ARD und ZDF ins Gericht. In einem Beitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" kritisierte er nicht nur sprachliche Mängel in den Texten von "Tagesschau", "Tagesthemen", "heute" und "heute-journal", sondern warf den Senderleitungen zudem fehlendes Verständnis für die politische Grundversorgung der Bevölkerung vor. Erst recht habe er aber den Eindruck, "es fehlt auch an der Einordnung". Die Sender wiesen die Kritik zurück.

An der Sprache der Nachrichtensendungen kritisierte Wickert, dass "die Floskelsprache der Politiker" und "das Kurzsprech der Nachrichtenagenturen" oft übernommen werde. Zudem beherrschten nur wenige der Autoren der Sendungen den Satzbau, schreibt Wickert, der die ARD-"Tagesthemen" von 1991 bis 2006 moderiert hatte.

Darüber hinaus bemängelte er, dass die öffentlich-rechtlichen Sender der Unterhaltung häufig eine größere Priorität einräumten als der Information. So habe er sich "wirklich geärgert", dass es keine Sondersendung gegeben habe, in der das komplette Bundeskabinett vorgestellt wurde. "Das kann heute wohl keiner mehr verlangen, Freitag und Samstag gehören der Unterhaltung", kommentierte Wickert und konstatierte: "Es fehlt offenbar an einem Verständnis für die politische Grundversorgung."

Das habe man auch bei dem Programm anlässlich des 20. Jahrestags des Mauerfalls erlebt, als die ARD statt des Auftritts von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an der Bornholmer Straße die Serie "Sturm der Liebe" gezeigt habe. Das ZDF habe zwar von der Bornholmer Straße gesendet, für seine Sendung vom Brandenburger Tor allerdings den "für ein solches Ereignis wirklich nicht geeigneten Thomas Gottschalk ans Mikrofon" geholt.

ZDF-Sprecher Walter Kehr wies Wickerts Kritik als "unzutreffend" zurück. Sein Sender habe etwa das Kabinett ausführlich sowohl nachrichtlich als auch in Erklärstücken vorgestellt. Und das Thema Kritik an der Nachrichtensprache sei "so alt wie die Republik".

Der Erste Chefredakteur ARD-aktuell, Kai Gniffke, sagte, "Tagesschau" und "Tagesthemen" hätten sehr ausführlich über das neue Kabinett berichtet. "Dabei haben wir zugleich versucht, die inhaltliche Ausrichtung der Ministerien in den Blick zu nehmen und es nicht beim 'name-dropping' zu belassen", fügte er hinzu.

Die "Tagesschau" habe am 9. November eine Länge von 30 Minuten gehabt, und die "Tagesthemen" hätten aus einem gläsernen Studio live vom Brandenburger Tor gesendet. Beide Sendungen seien "äußerst erfolgreich" gewesen.

Bei Sprache und Präsentation habe sich ARD-aktuell in mehr als 50 Jahren "stetig weiter entwickelt", sagte Gniffke. "Der unfallfreie und engagierte Vortrag von journalistisch und sprachlich exzellenten Texten ist in unseren Sendungen der Standard", ergänzte er. "In der Vergangenheit wurden wir ja gelegentlich geneckt, dass 'Tagesschau' und 'Tagesthemen' zu staatstragend daher kommen. Deshalb wundert mich diese neuartige Kritik", sagte Gniffke. (ddp)



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