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VW rettet Karmann und Porsche

Erstellt 20.11.09, 13:35h, aktualisiert 25.11.09, 13:55h

Volkswagen steigt beim insolventen Autozulieferer Karmann ein. In Osnabrück ist eine Fabrik für die Fahrzeugherstellung geplant. Mittlerweile hat auch der verschuldete Sportwagenbauer Porsche der Übernahme durch VW zugestimmt.

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Porsche hat der Übernahme durch Volkswagen zugestimmt. (Bild: dpa)
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Porsche hat der Übernahme durch Volkswagen zugestimmt. (Bild: dpa)
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VW steigt beim insolventen Osnabrücker Autozulieferer Karmann ein. (Bild: dpa)
Karmann
WOLFSBURG/OSNABRÜCK – Volkswagen wirft dem vom Untergang bedrohten Autoauftragsfertiger Karmann einen Rettungsring zu. Europas größter Autobauer filetiert das Osnabrücker Unternehmen und kauft den Besitzern Maschinen und Immobilien ab. Innerhalb der kommenden Wochen will VW zudem eine Tochterfirma gründen, um in Osnabrück künftig Kleinserien zu fertigen, wie VW nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilte. Zunächst sollen dabei 200 Arbeitsplätze entstehen. Wenn die VW-Golf-Cabrio-Produktion 2011 anläuft, sollen weitere Arbeitsplätze folgen. Bis 2014 sollen es „nach den aktuellen Planungen“" über 1000 sein. Boxster und Cayman

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, der im VW-Aufsichtsrat den 20-prozentigen Anteil des Landes vertritt, kündigte an, in Osnabrück sollten künftig auch die Porsche-Einstiegsmodelle Boxster und Cayman gefertigt werden. Porsche wollte dazu keine Stellung nehmen. Die beiden Mittelmotor-Coupés Porsche Boxster und Cayman werden derzeit zu großen Teilen vom finnischen Auftragsfertiger Valmet gebaut. Um die Beschäftigung im Porsche-Werk Stuttgart-Zuffenhausen zu sichern, laufen aber auch dort derzeit einige Fahrzeuge der Baureihe vom Band, dort werden zudem die Motoren gefertigt.

Mit der neuen Perspektive für Karmann und den Autostandort Osnabrück kommt VW der im Konzern starken IG Metall sowie dem Land Niedersachsen entgegen. Wulff stammt aus der Karmann-Stadt und hatte dem Konzern bei der Abwehr der Porsche-Attacke geholfen. Als Gefälligkeit habe nun Chefaufseher Ferdinand Pi¨ech das finanziell überschaubare Karmann-Engagement durchgewinkt, sagen Branchenexperten. Zur Investitionssumme machte VW zwar keine Angaben. Insidern zufolge hatte VW den Eignerfamilien die Hälfte der geforderten gut 60 Millionen Euro geboten. Nachdem sich die Familien lange geziert hatten, gaben sie die Blockadehaltung am Ende doch auf - aus Angst, sonst leer auszugehen.

Arbeiteten 2007 bei Karmann noch rund 7000 Menschen, sind heute gut 900 verblieben. Davon fertigen 300 Cabriodächer - ein Bereich, an dem VW kein Interesse hat.

Die Auto-Ehe von Volkswagen und Porsche wurde derweil gestern besiegelt. Die bereits im Sommer grundsätzlich vereinbarten Fusionspläne erhielten nun den Segen beider Aufsichtsräte, wie die Unternehmen am Freitagabend mitteilten. Damit kann nach jahrelangem Machtkampf Europas größter Autokonzern den hoch verschuldeten Stuttgarter Sportwagenbauer als zehnte Marke integrieren. Mit der Zustimmung der Kontroll gremien ist VW-Patriarch und Porsche-Miteigner Ferdinand Pi¨ech seinem Ziel einen entscheidenden Schritt näher gekommen, ein Autoimperium von historischem Ausmaß zu schmieden.

Der 72-jährige Milliardär ist Enkel der Konstrukteurslegende Ferdinand Porsche, der die Autofirma Porsche einst gegründet und den VW-Käfer als „Volksauto“ entwickelt hatte. Nach Piechs Vorstellungen soll unter dem Dach des Wolfsburger Unternehmens ein Riesenkonzern entstehen, der vom sparsamen Kleinwagen über den Supersportwagen bis hin zu Schwerlastern alles im Angebot hat. In einem ersten Schritt beteiligte er sich zunächst an dem schwedischen Lkw-Bauer Scania, der inzwischen als neunte Marke zu Volkswagen gehört. Es wird erwartet, dass Piech auch die Mehrheit am Lkw-Bauer MAN anstrebt, an dem VW knapp 30 Prozent hält.

Langfristig könnte Suzuki als zwölfte Marke hinzukommen, wird spekuliert. VW will den japanischen Weltmarktführer Toyota überholen und investiert kräftig in neue Modelle, sparsame Antriebe und Werke. Der Aufsichtsrat beschloss, in den nächsten drei Jahren 13,3 Milliarden für neue Fahrzeuge und Motoren auszugeben. 6,6 Milliarden sollen in Presswerke, Lackierereien und Montageanlagen gesteckt werden.

VW-Chef Martin Winterkorn wird den neuen Wolfsburger Auto-Giganten führen. Der Konzernvorstand wird zudem von fünf auf sieben Mitglieder vergrößert. Der Aufsichtsrat berief Audi-Chef Rupert Stadler und VW- Markenvorstand Christian Klingler in die oberste Führungsriege. (dpa, rtr, afp)



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