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Am Persischen Golf

Bahn ergattert Milliarden-Auftrag

Von Thomas Wüpper, 20.11.09, 17:23h, aktualisiert 20.11.09, 20:41h

Der Deutschen Bahn ist es gelungen einen 17-Milliarden-Euro-Auftrag an Land zu ziehen. Das Golf-Emirat Katar will ein neues Eisenbahnnetz für die Hauptstadt Doha aufbauen, bei dessen Konstruktion die Bahn helfen soll.

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Die Deutsche Bahn hat einen milliardenschweren Auftrag aus Katar erhalten. (Bild: dpa)
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Die Deutsche Bahn hat einen milliardenschweren Auftrag aus Katar erhalten. (Bild: dpa)
BERLIN/HEIDELBERG – Die Deutsche Bahn bekommt den Auftrag zur Planung eines 17 Milliarden Euro teuren Schienennetzes in Katar. Der Staatskonzern hilft damit einem der reichsten Länder der Welt. Im Ölstaat wird Konzernchef Rüdiger Grube an diesem Sonntag den Vertrag für eine gemeinsame Planungs- und Entwicklungsgesellschaft unterzeichnen. Auch Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) reist dazu an den Persischen Golf.

Auf der Verkehrsministerkonferenz in Heidelberg bestätigte Ramsauer den Zuschlag für die Projektfirma DB International, die sich seit Jahren um den Planungsauftrag bemüht. Nach Informationen aus Bahnkreisen wird die DB eine gemeinsame Entwicklungsgesellschaft mit dem Ölstaat gründen, die drei große Schienenprojekte konzipieren soll. Bereits voriges Jahr wurde dazu eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Die „Qatar Railways Development Company“, an der die DB 49 Prozent bekommt, soll demnach ein landesweites Gleisnetz für den Personen- und Frachtverkehr auf der kleinen arabischen Halbinsel bauen. Als zweites Vorhaben soll eine Hochgeschwindigkeitsstrecke in den Nachbarstaat Bahrain aufgebaut werden, die mit Tempo 300 und mehr von der Hauptstadt Doha über eine der längsten Brücken der Welt aufs Festland führen soll. Zum dritten soll in Doha ein Nahverkehrssystem entstehen.

In den Golfstaaten gibt es seit Jahren milliardenschwere Vorhaben für den Aufbau von Schienennetzen, weil die Straßen durch das starke Bevölkerungs- und Wohlstandswachstum häufig stark überlastet sind. Die Deutsche Bahn ist zum Beispiel bereits an der Konzeption eines Nahverkehrssystems in der Pilgerstadt Mekka beteiligt und bewirbt sich um die „Saudi-Landbridge“, ein milliardenschweres Schienenprojekt in Saudi-Arabien, das sich wegen der Finanzkrise aber verzögert.

Der einst bitterarme Wüstenstaat Katar ist durch große Öl- und Gasvorkommen zu einem der reichsten Länder der Welt aufgestiegen. Die Straßeninfrastruktur ist allerdings noch erheblich unterentwickelt, leistungsfähige Schienennetze fehlen. 14 Milliarden Euro sollen deshalb in den Bau der Großprojekte fließen. Für weitere zwei Milliarden sollen dem „Handelsblatt“ zufolge Züge gekauft werden.

In Bahnkreisen wird allerdings betont, dass bisher offen sei, inwieweit die deutsche Wirtschaft am Ende von den Großaufträgen profitiere. Bisher ist der DB nur ein dreistelliger Millionenbetrag aus den veranschlagten Planungskosten von rund 700 Millionen Euro sicher. Ob die Deutsche Bahn später auch Züge in Katar betreiben wird, ist ebenso wenig entschieden wie die Frage, ob hiesige Baukonzerne bei den milliardenschweren Bauaufträgen für die Strecken zum Zuge kommen. Hier werde es große internationale Ausschreibungen geben, die sicher viele Anbieter anziehen könnten, heißt es in Bahnkreisen.

Spekulationen, wonach sich Siemens nun Hoffnung auf die Lieferung von ICE-3-Züge nach Katar machen kann, werden in Berlin zurückhaltend bewertet. Das sei keineswegs sicher, heißt es in Bahnkreisen. Die DB setzt im deutschen Hochgeschwindigkeitsverkehr allerdings bisher ausschließlich auf den Prestigezug ICE, dessen neueste Version der Technologieriese als alleiniger Systemlieferant baut.

Lange Zeit war am Golf auch über den Einsatz der deutschen Magnetbahn-Technik spekuliert worden, teils sogar über 2000 Kilometer entlang des Persischen Golfs von Kuwait bis Oman. Doch letztlich entschieden sich die Ölstaaten für die bewährte Rad-Schiene-Technik.



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