Erstellt 20.11.09, 18:37h, aktualisiert 20.11.09, 20:01h
Das Wahlergebnis in Friedrichshafen, 92,6 Prozent Zustimmung bei der Wahl zum Parteichef und sogar 95,3 Prozent bei der Wahl zum Spitzenkandiaten, spricht dafür, dass auch die Mappus-Gegner im Oettinger-Lager dem jungen Politiker solch eine Kampagne zutrauen. Das Zeug dazu hat er: Der politische Ziehsohn des von Oettinger aus dem Amt gedrängten Erwin Teufel gilt bei Freund und Feind als zupackend und entscheidungsfreudig, ausgestattet mit einem sicherem Machtinstinkt.
Zudem ist Mappus schon jetzt in Berlin gut vernetzt. Dort kann er auf eine "Spätzle-Connection" vertrauen, die bis ans Ohr der Kanzlerin reicht. Der aus dem Ländle stammende CDU-Fraktionschef im Bundestag, Volker Kauder, ist Mappus gewogen und mit der Merkel-Vertrauten Anette Schavan, die eigens zur Mappus-Wahl an den Bodensee gekommen war, verbindet ihn seit dem gemeinsamen Kampf für Teufel ein freundschaftliches Verhältnis.
Mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sitzt überdies ein weiterer Landsmann aus dem Südwesten an den Hebeln der Macht. Dass Mappus den am Freitag zum Generalsekretär wiedergewählten, aber von ihm nicht unbedingt geliebten Thomas Strobl selbst für das Amt vorgeschlagen hat, passt durchaus in dieses Netzwerk: Strobl ist Chef der CDU-Landesgruppe im Bundestag und Mappus weiß, dass er auch dessen Unterstützung in den kommenden 18 Monaten brauchen wird.
Mappus, der nun alles besser machen soll, gilt in vielem als Gegenentwurf zu dem durchsetzungsschwachen und fahrig agierenden Oettinger. Nicht nur in Stuttgart wird der studierte Ökonom aus dem badischen Pforzheim mit dem jungen Franz Josef Strauß verglichen: Das reicht vom Flugschein bis zum rethorischen Talent, sagt auch sein Freund, der Junge-Union-Chef Pilipp Mißfelder. Allerdings ist Mappus auch ebenso aufbrausend und ruppig in der Wortwahl, aber zugleich einer, der weiß, was er will, und der mit Geschick und Härte seine Machtbasis in der CDU-Fraktion auszubauen wusste.
Ob der ambitionierte CDU-Fraktionsvorsitzende und Hobby-Fußballer allerdings als Ministerpräsident so erzkonservativ agiert, wie es ihm die politischen Gegner bislang im Landtag nachsagen, muss sich noch erweisen. Zwar ist er grundsätzlich gegen Schwarz-Grün und schrieb 2007 mit Mißfelder und anderen Konservativen ein Positionspapier, in dem er von der Union ein Bekenntnis zur "deutschen Leitkultur" forderte und einen "starken Staat" mit Online-Durchsuchung, Video-Überwachung und dem Einsatz der Bundeswehr im Innern forderte. Doch darauf angesprochen, will er heute davon nichts mehr wissen. Er wolle "Politik aus der Mitte" machen "für ganz normale Bürger", sagte er in Friedrichshafen.
Neben der Konsolidierung des auch im Musterländle stark verschuldeten Haushalts will er auch auf einem anderen Feld punkten: der Familienpolitik. Wie auch Oettinger macht sich Mappus nun für den Ausbau von Kinderhortplätzen stark. Mappus, der mit der früheren CDU-Landesgeschäftsführerin Susanne Verweyen verheiratet ist, hat zwei Söhne im Alter von sieben und fünf Jahren. Um sie nicht aus ihrem Umfeld des Pforzheimer Eigenheims zu reißen, will Mappus als Ministerpräsident auf den Umzug in die prunkvolle Dienstvilla Reitzenstein beim Stuttgarter Schloss Solitude verzichten. Familie geht vor, sagt er.
Abschiedsgeschenk
Oettingers Abschiedsgeschenk soll ihm bei seiner Tätigkeit in Brüssel hilfreich sein. Die CDU-Landesspitze überreichte ihm am Freitag beim CDU-Landesparteitag in Friedrichshafen 23 Wörterbücher für 23 Amtssprachen. Dies sei etwas "Praktisches" für den scheidenden Ministerpräsidenten, sagte Mappus. (afp/ddp)
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