Schriftgröße

Anstoss

Köln ist gar nicht voller Casanovas

Von Claudia Lehnen, 24.11.09, 09:08h, aktualisiert 24.11.09, 13:56h

Köln als Flirt-Hauptstadt? Tolerante, offene, sexliebende Menschen, viele Singles und die meisten Fremdgeher Deutschlands? Träumt weiter! Köln ist als Markt für sinnfrohe Singles gar kein guter Ort. Anstoß, der tägliche Kommentar auf ksta.de

Köln Parship
Bild vergrößern
Jeder vierte Kölner hat die Liebe nicht gefunden.(Bild: dpa)
Köln Parship
Bild verkleinern
Jeder vierte Kölner hat die Liebe nicht gefunden.(Bild: dpa)
Köln - Köln ist Stadt der Herzensbrecher. Eine Stadt für Paartherapeuten. Für Tolerante. Für sexliebende Frohnaturen. Für Kondom-Hersteller und Abenteuerlustige.

Der Single-Atlas der Parship-Single-Agentur hat ein aufregendes Bild der Stadt gemalt. Nur in München sind die Singles noch flirtwilliger. Was Köln locker dadurch ausgleicht, dass auch jeder vierte Gebundene in Köln einem Abenteuer nicht abgeneigt ist. Man könnte jetzt tolerant sein und sagen: Kölner sind spannend. Kinder von Traurigkeit in der Hauptstadt des Frohsinns? Das hätte ja auch wirklich nicht zusammen gepasst.

Kölner nehmen es eben nicht so genau wie zum Beispiel Frankfurter oder Hamburger. Im Karneval ist nicht nur Saufen und Tanzen Kulturgut, sondern auch der Geschlechtsverkehr. Und wer kann nach zehn Kölsch schon noch so genau wissen, ob unter dem Hexenkostüm die eigene Partnerin, deren Freundin, oder die Nachbarsgattin steckt? Wer da pikiert rumheult, der ist eben nicht offen genug und hat das mit der Tradition überhaupt nicht verstanden. Außerdem hat sexuelle Offenheit auch immer etwas mit Fremdenfreundlichkeit zu tun. Und die wird in Köln - wiederum traditionell - ganz groß geschrieben.

Das Problem an der Studie: Sie lässt sich auch von einer anderen Seite interpretieren. Und die offenbart, wie spießig die selbsternannten männlichen wie weiblichen Casanovas dieser Stadt wirklich sind. Zum Beispiel: Außerhalb des Karnevals ziert sich die Hälfte der Befragten, bevor sie sich eine Briefmarkensammlung oder gar Intimeres zeigen lässt. 51 Prozent der Singles - so belegt die Studie - brauchen mehrere Treffen, um den Anderen an sich ran zu lassen. Wer wird den gleich rumknutschen? Und Knall auf Fall verliebt sich der Kölner schon gar nicht. Nur 13 Prozent glauben laut Studie an die Liebe auf den ersten Blick.

Es sei denn, die Frau gegenüber ist so etwas aufregendes wie Werbe- und Marketingberaterin oder Lehrerin. Da werden Kölner ganz schwach in den Knien. Werbe- und Marketingberaterinnen? Lehrerinnen? Mal ehrlich: Die stehen in der Hitliste der erotischsten Berufe ja traditionell nicht ganz oben.

Außerdem: Was soll eigentlich das ganze Gefasel über Liebe und Sex? Karriere ist das, wovon der Kölner träumt. Für 63 Prozent der Kölner hat laut Studie die eigene Karriere höchste Priorität. In keiner anderen deutschen Großstadt ist man mehr fixiert auf den beruflichen Erfolg. Und was gibt es spießigeres als einen vielversprechenden jungen Mann, der ein heißes Date mit dem Hinweis verschiebt, er müsse noch die Bilanz für seinen Chef fertig machen? Und dann nach dem ersten Bier erschöpft vor dem Fernseher einschläft. Nein, nein, ihr Singles, guckt euch lieber mal in München um. Da schmeißen sich auch nicht so viele Verheiratete an euch ran.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Anzeige


Hintergrund


Der satirische Wochenrückblick


Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Bildergalerien


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Die andere Meinung


Dienste