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Anstoss

Jedes Babyleben ist es wert

Von Miriam Betancourt, 27.11.09, 13:11h, aktualisiert 27.11.09, 15:34h

Warum das eine lassen, um das andere zu tun? Warum nicht beides? Diese Fragen ließen sich an den Ethikrat stellen, der sich gegen die Babyklappe ausgesprochen hat. Eine falsche Entscheidung - Anstoß, der tägliche Kommentar auf ksta.de.

Babyklappe
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Babyklappe. (Bild: ddp)
Babyklappe
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Babyklappe. (Bild: ddp)
Babyklappen können keine Babyleben retten, glaubt der Deutsche Ethikrat und fordert deshalb diese Einrichtungen in Deutschland einzustellen. Stattdessen solle das Beratungsangebot ausgeweitet werden. Die Empfehlung für mehr Beratung ist richtig, die Forderung, die Babyklappe einzustellen, ist falsch. Warum das eine lassen, um das andere zu tun? Wir müssen beides tun.

Es scheint wohl richtig zu sein, dass Babyklappen die Zahl tot aufgefundener Säuglinge nicht verringern konnten. Das zeigt die Statistik. Immer wieder werden tote Babys gefunden – auch in Köln. Immerhin sind jedoch seit 1999 nach Schätzung des Ethikrates mehr als 500 Babys bundesweit anonym geboren oder abgegeben worden. Das ist nicht viel. Aber jedes Baby, das überlebt hat, ist es wert. Eine Babyklappe ist auf jeden Fall der bessere Ort als die Müllkippe.

Es ist auch richtig, dass adoptierte Kinder sich meistens auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern machen. Die Sehnsucht nach dem Wissen um die eigenen Wurzeln ist groß. Das wird auch bei Menschen der Fall sein, die einst in einer Babyklappe gefunden wurden. Aber sie haben zumindest die Möglichkeit, sich auf die Suche zu machen – sie haben nämlich überlebt.

Es ist ebenfalls richtig, die Informationsangebote für Frauen über legale und vertrauliche Hilfsangebote zu verbessern. Außerdem brauchen wir ein Gesetz – wie es sich die Mehrheit des 26-köpfigen Gremiums wünscht -, das Müttern eine „vertrauliche Kindesabgabe mit vorübergehend anonymer Meldung“ ermöglicht. Das wären wichtige Angebote, um Frauen in Situationen großer Not zu helfen. Denn die seelische Not muss groß sein. Nur in den allerwenigsten Fällen wird eine Frau leichtfertig ihr Baby abgeben. Das zeigt allein die Tatsache, dass sich in Köln nach einem öffentlichen Aufruf einige Mütter doch noch meldeten, nachdem sie ihr Baby in der Klappe abgegeben hatten.

Wir brauchen die vom Ethikrat geforderten Maßnahmen zusätzlich, aber nicht statt der Babyklappe. Die Babyklappe sollte auch in Zukunft für diejenigen ein letzter Ausweg sein, die andere Angebote bis zu diesem Zeitpunkt nicht angenommen haben – aus welchem Grund auch immer.



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