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Wie FC Bayern ohne Fußball

Von Tilmann P. Gangloff, 07.12.09, 21:44h

Nachrichten als Zuschussgeschäft: Der Informations-Sender N24 steht auf dem finanziellen Prüfstand, selbst ein Verkauf soll nicht mehr ausgeschlossen sein. Die prekäre Lage der Sat.1-Tochter verweist auf eine allgemeine Misere.

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N24 soll verkauft werden. (Bild: dpa)
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N24 soll verkauft werden. (Bild: dpa)
Als Sat.1 vor einigen Monaten ankündigte, den Informationsanteil einzudampfen, hielt sich der öffentliche Protest in Grenzen: Mit dem Informationsgehalt der betroffenen Sendungen war es ohnehin nicht so weit her. Nun geht es N24 an den Kragen, ebenfalls einem Mitglied der mit 3,5 Milliarden Euro Schulden belasteten ProSiebenSat.1-Familie: Laut Vorstands-Chef Thomas Ebeling kommt der Nachrichtensender auf den Prüfstand. Diesmal sind die Reaktionen schon weitaus weniger verhalten; wenn es um Information geht, wird schließlich ein Gut tangiert, in dem gerade Politiker eigentlich die Hauptaufgabe des Mediums Fernsehen sehen.

Aus kaufmännischer Sicht hat dieser Bereich allerdings große Nachteile: Die Zahl echter Nachrichten-Junkies, die permanent auf dem neuesten Stand sein wollen, ist überschaubar; außerdem befriedigt diese Klientel ihr Bedürfnis längst im Internet. Mit Nachrichten allein ist ohnehin kein Geld zu machen. Deshalb behelfen sich Kleinstkanäle wie N24 oder n-tv, das Pendant aus der RTL-Familie, mit Dokumentationen und Reportagen, die diese Bezeichnungen allerdings kaum verdienen. Zumindest dann nicht, wenn man öffentlich-rechtliche Vorbilder als Maßstab heranzieht. Die Beiträge dienen einzig und allein dem Zweck, die Sendezeit zu füllen.

Unterm Strich wäre es für die deutsche Fernsehlandschaft kein großer Verlust, wenn N24 von heute auf morgen aus der Senderliste verschwände. Dabei steht der Sender steht mit einem Marktanteil von 1,3 Prozent (2009) sogar noch relativ gut da; n-tv (1,1 Prozent) oder der öffentlich-rechtliche Phoenix bewegen sich bei einem Prozent, von den noch kleineren Importsendern wie Euronews, CNN, BBC World News oder CNBC ganz zu schweigen.

Diese paneuropäischen oder gar weltweit ausgestrahlten Programme sind auf den deutschen Markt allerdings nicht angewiesen - weshalb ihr Angebot auch von ganz anderer Qualität sein kann. Gerade BBC World News bietet mit seinen herausragenden Dokumentationen zur besten Sendezeit immer wieder gute Einschaltgründe - zumal es wie bei CNN sehr reizvoll ist, auch mal eine andere Sicht auf die Weltpolitik zu bekommen.

Ähnlich wie ARD und ZDF und ihre Info-Tochter Phoenix profitieren diese Sender von einem weltweiten Korrespondentennetz, das sich Sender wie N24 und n-tv gar nicht leisten können. Sie sind also auf Zulieferungen durch Agenturen angewiesen. Diese Abhängigkeit könnte sich in Zukunft noch verschärfen; die Bilder wären dann zwar nicht exklusiv, aber preiswert.

Die Wertschätzung der N24-Mitarbeiter scheint in der Vorstandsetage ohnehin nicht besonders groß zu sein, schließlich kann sich Konzernchef Ebeling auch eine völlige inhaltliche Neuausrichtung vorstellen: „Nachrichten sind vielleicht für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern.“ Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) reagierte auf diesen Gedanken gegenüber dpa mit dem Bonmot, er fände das „ähnlich frappierend, als wenn Bayern München ein Geschäftsmodell ohne Fußball ankündigen würde.“

Eigentlich ist N24 auch der Nachrichtenlieferant für die gesamte ProSiebenSat.1-Familie, aber das spielt in Ebelings Modell offenbar keine größere Rolle. Der Status des Senders, der etwa bei der Einspeisung in die Kabelnetze bevorzugt behandelt wird, wäre übrigens selbst dann nicht gefährdet, wenn der Nachrichtensender die von Ebeling als „wirtschaftliches Problem“ eingestuften Nachrichten abschaffen würde: Lizenziert wurde N24 nicht als Nachrichten-, sondern als Informationsprogramm; und dieser Begriff lässt jede Menge Spielraum.



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