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Agenturen

Kampfansage an die dpa

Von Reinhard Lücke, 08.12.09, 21:18h

Die Nachrichtendienst ddp hat die deutsche Filiale der US-Agentur Associated gekauft. Die rund 120 AP-Journalisten sollen laut Auskunft der neuen Eigentümer bis auf wenige Ausnahmen übernommen werden.

Martin Vorderwülbecke
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Die ddp-Eigentümer Martin Vorderwülbecke (l.) und Peter Löw. (Bild: dpa)
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Die ddp-Eigentümer Martin Vorderwülbecke (l.) und Peter Löw. (Bild: dpa)
Im Juni ließ der Deutsche Depeschendienst (ddp) alle Gerüchte um Vertragsverhandlungen mit der der US-Agentur Associated Press (AP) noch heftig dementieren. Seit Montagabend steht jedoch fest (wir berichteten), dass ddp für einen zweistelligen, nicht näher bezifferten, Millionenbetrag den deutschen Ableger der AP übernimmt. Von dem Deal ausgenommen sind lediglich die Broadcast-Dienste, also Berichte für Hörfunk und Fernsehen, der 1931 gegründeten, deutschsprachigen AP-Filiale, die von ihrem Sitz in Frankfurt a.M. aus auch Zeitungen in Österreich und der Schweiz beliefert.

Darüber hinaus hat der ddp für 15 Jahre das Recht erworben, internationale Texte der weltweit operierenden AP ins Deutsche zu übersetzen und zu verbreiten. Die rund 120 AP-Journalisten sollen laut Auskunft der neuen Eigentümer bis auf wenige Ausnahmen übernommen werden. Mit der Übernahme kommt einmal mehr Bewegung in den hart umkämpften deutschen Markt der Nachrichtenagenturen, wobei vor allem der Druck auf den Branchenprimus Deutsche Presse Agentur (dpa) zunehmen dürfte.

Anfang des Jahres hatte der Essener WAZ-Konzern sämtliche Dienste der dpa gekündigt. Was insofern nicht ohne Pikanterie ist, da der Konzern gemeinsam mit rund 190 weiteren Verlagen und Rundfunkanstalten auch Eigentümer der Agentur ist. Doch auch andere Verleger haben seitdem öffentlich über einen ähnlichen Schritt nachgedacht und der dpa und ihren rund 800 Mitarbeitern Unflexibilität und überhöhte Preise vorgeworfen. Mit der Übernahme von AP-Deutschland steigt der ddp nun zum zweitgrößten Nachrichtendienst der Bundesrepublik auf, was auch weitere Anbieter wie Reuters, die französische AFP, die konfessionellen Agenturen epd und KNA und diverse Spezialagenturen für Wirtschafts- und Sportnachrichten zu spüren bekommen dürften.

Dabei nehmen sich die letzten Jahrzehnte von ddp nicht unbedingt wie eine Erfolgsgeschichte aus. 1971 von ein paar Ex-Mitarbeitern der US-Agentur UPI gegründet, übernahm ddp 1992 die ehemalige Nachrichtenagentur der DDR (ADN), verhob sich aber in der Folgezeit an allerlei weiteren Zukäufen. Nach mehreren Eigentümerwechseln (darunter auch Leo Kirch und später die Pro-SiebenSat1 Media AG) musste die Agentur in Laufe ihrer kurzen Geschichte bereits zweimal Insolvenz anmelden. Seit Januar 2009 gehört ddp den beiden Münchner Unternehmern Peter Löw und Martin Vorderwülbecke. Die kommen nicht aus dem Zeitungs- und Nachrichtengeschäft, sondern verdienen ihr Geld ansonsten über ihre Beteiligungsgesellschaft bluO mit Textilmärkten und eine Kette für Autoteile. Doch auch ddp wollen sie nach eigenen Angaben inzwischen zu einer hochprofitablen Sparte ihres Unternehmens gemacht haben. Den Verdacht, die Nachrichtenagentur schon bald gewinnbringend weiterveräußern zu wollen, wiesen Löw und Vorderwülbecke gegenüber der Süddeutschen Zeitung am Dienstag entschieden zurück und kündigten an „die beste Voll-Agentur in Deutschland“ aufbauen zu wollen. Ihre Strategie sei es, vor allem dpa verzichtbar zu machen.



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