Erstellt 09.12.09, 21:49h, aktualisiert 09.12.09, 21:55h
RUTH HIERONYMI: Unsere Hauptaufgabe wird es sein, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der heute schon und in den nächsten Jahren zunehmend unter hohem Wettbewerbsdruck steht, in eine sichere Zukunft zu führen. Das heißt, wir wollen das Profil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stärken. Wir wollen junge Leute stärker ansprechen. Wir wollen aber auch transparenter, also für die Bürgerinnen und Bürger sichtbarer unsere Aufgaben wahrnehmen. Und dies alles in einer großen solidarischen Zusammenarbeit.
Was werden Sie anderes machen als Ihr Vorgänger Grätz?
HIERONYMI: Die Zeiten ändern sich. Ich möchte Aufgaben delegieren. Aber die Schwerpunkte, die Außenvertretung gegenüber dem nationalen und europäischen Öffentlichkeit, aber auch der Schwerpunkt Finanzen, Programm und Entwicklung, das sind Bereiche, da werde ich nicht immer diejenige sein, die die erste Verantwortung trägt. Das teilen wir uns auf. Das ist neu und notwendig.
Werden Sie den Vorsitz hauptberuflich wahrnehmen?
HIERONYMI: Also ich denke, der Rundfunkrat und der WDR können froh sein, dass ich mein Mandat und meine politische Arbeit beendet habe. Ich habe in der Tat mehr Zeit als jemand, der voll im Beruf steht. Ich habe mich entschieden, diese Zeit zwar nicht in Gänze, aber in weiten Teilen dem WDR zur Verfügung zu stellen. Bei einem so großen Haus und einem so großen Rundfunkrat in einer so schwierigen Zeit geht das meiner Meinung auch nicht anders. Das war mit ein Grund, warum ich mich zur Kandidatur bereit erklärt habe.
Es ist offenbar ein Naturgesetz, dass das Parteibuch des Rundfunkratsvorsitzenden identisch ist mit dem des Regierungschefs. Wie wollen Sie den Ruch, politische Sachwalterin der Landesregierung zu sein, abstreifen?
HIERONYMI: Durch mein Handeln. Es ist ja auch so, ich persönlich habe dieses parteienübergreifende Handeln unter Beweis gestellt. Ich habe es praktiziert im Europäischen Parlament. Da ist das gar nicht anders möglich. Das haben wir im Rundfunkrat auch aufgenommen. Zudem: Es war ja gar nicht sicher, dass die CDU-Kandidatin gewinnen würde. Das zeigt ja auch die Offenheit der Situation. Ich bin überzeugt, dass die Zeiten von Schwarz oder Rot im Rundfunk sind vorbei. Wer das noch nicht verstanden hat, der gefährdet die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Worin waren Sie überzeugender als Ihr Gegenkandidat Friedhelm Wixforth?
HIERONYMI: Das kann ich nicht sagen. Mein Eindruck war aber, dass für das Gremium weniger die Zugehörigkeit zu einem politischen Freundeskreis entscheidend war, als die Frage, was der Kandidat Spezifisches einbringt, was wir für unsere Arbeit brauchen. Meine umfassende Erfahrung in der Medienpolitik insgesamt war da wohl ausschlagend, nicht Schwarz oder Rot.
Das Gremium arbeitet hinter verschlossener Tür. Was heißt in diesem Zusammenhang mehr Transparenz?
HIERONYMI: Das ist einer meiner Schwerpunkte. Ich bin ganz entschieden der Meinung, dass wir alle Möglichkeiten, die uns das WDR-Gesetz lässt, ausschöpfen müssen. Wir tagen nicht öffentlich, die Protokolle sind vertraulich. Wir werden juristisch prüfen, wie wir das transparenter veranstalten können. Wir brauchen neue Ideen, um unsere öffentlichen Sitzungen attraktiver zu machen. Nur wenn bekannt wird, was wir machen, steigt auch die Akzeptanz.
Die Rundfunkräte führen bis Mitte 2010 die so genannten Dreistufentests zu den Online-Angeboten des Senders durch. Ist denn damit zu rechen, dass die Räte Programmvorhaben ablehnen?
HIERONYMI: Nein, wir schlagen Modifikationen vor, aber keine grundsätzlichen Änderungen oder Ablehnungen. Wir lassen intensiv begutachten. Wir haben daraufhin Vorschläge des Hauses modifiziert.
Das Gespräch führte Rüdiger Heimlich
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