Von Marianne Kolarik, 10.12.09, 22:03h
„Ein Intendant sagte zu mir, für Araber gäbe es nicht so viele Rollen.“ Dabei seien bei Shakespeare, Goethe, Schiller, Goldoni genügend Rollen für jemanden vorhanden, der „uneuropäisch“ aussehe. Karin Beier hat ihn in ihr Ensemble am Kölner Schauspiel geholt. Derzeit probt er unter ihrer Regie für „Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen“ von Scola und Maccari, eine Komödie, die im Januar in der Halle Kalk uraufgeführt wird.
Inzwischen hat er bewiesen, dass seine Entscheidung der richtige Weg war. Im Lauf von acht Jahren hat er in 31 Filmen gespielt, meist als „der Inder“. Mit Filmen oder im Fernsehen - mehr als beim bürgerlichen Publikum im Theater - könne man „sowohl deutschen Zuschauern als auch denen mit Migrations-Hintergrund ein Vorbild sein“, meint Perumal.
Immer wieder bekam er zu hören: „Du bist Inder, wir können uns nicht vorstellen, dass Du einen Anwalt oder einen Kommissar spielst.“ Dann antwortete er: „Warum? Ich spreche die deutsche Sprache perfekt, ich bin in Deutschland geboren, bin hier in die Schule gegangen und habe Abitur gemacht. Das kann doch nicht an der Hautfarbe oder der Herkunft liegen, dass ich aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden soll! Mittlerweile versuche ich, das humorvoll zu sehen, nach dem Motto »jeder Jeck is anders«“. Auf diese Weise überzeuge er seine potenziellen Arbeitgeber mehr als wenn er jammere: „Das stößt nur auf taube Ohren.“ Mit dieser Methode sammelt er nicht nur Sympathiepunkte, er widerlegt auch das Argument der Film- und Fernsehmacher, das Publikum „sei noch nicht so weit“.
Seine Familie lebt seit zehn Jahren wieder in Indien. „Dort sieht jeder, dass ich kein Inder bin, an der Art wie ich spreche, aussehe, mich bewege. Dort bin ich auch fremd.“ Er kommt aus einfachen Verhältnissen. „Mein Vater war an der Botschaft angestellt, als Chauffeur, meine Mutter ist 30 Jahre lang in Deutschland ist putzen gegangen. Als die Botschaft nach Berlin zog, haben sie sich entschlossen, nach Indien zurück zu gehen.“ Da war er 20 Jahre alt. „Ich war sehr alleine, aber den Widerständen entgegen zu treten, hat mich stark gemacht.“ Einmal im Jahr besucht er seine Eltern in Madurai, einer Stadt mit 1,3 Millionen Einwohnern - in Indien gilt sie als klein. „Dagegen ist das hier gemütlich. Ordnung auf den Straßen, kein Gehupe, die Leute lassen dich - fast zu viel - in Ruhe.“ Während seiner Ausbildung in Wien („Das war erst mal krass, vor allem am Anfang“) habe er Deutschland erst richtig lieben gelernt.
Indischer Deutscher oder deutscher Inder? „Ich bin ich“, fasst Perumal das Identitätsproblem zusammen. Irgendwann werde es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Menschen mit Migrations-Hintergrund allgegenwärtig seien - auf der Bühne, wie im „richtigen Leben“. Schließlich sei gerade das Theater dazu da, die Gesellschaft zu reflektieren und auf seine Weise abzubilden.
Wieso also diese zögerliche Umgang mit jemandem wie Perumal, der sein Handwerk am Max Reinhardt Seminar in Wien gelernt, der sein Talent bewiesen hat und überdies mehrsprachig ist? Steckt dahinter nicht auch eine Portion Angst vor der attraktiven Konkurrenz, die die deutschen Kollegen alt aussehen lassen könnten? „Mag sein“, meint der 1978 in Bonn geborene Schauspieler. Gleichwohl habe sich in den vergangenen zwei Jahren vieles gelockert. Diese Erfahrung hat er jüngst bei den Dreharbeiten zur Serien-Staffel mit Bastian „Pastewka“ gemacht. Da habe er angeboten, zusammen mit den „Höhnern“ rheinisch zu sprechen - was umgehend akzeptiert wurde. Lediglich ein Journalist trat voll ins Fettnäpfchen: „Machen Sie das beruflich?“ wollte er von ihm wissen. Ein anderer fragte bei Dreharbeiten: „Wo ist denn der Kiosk von dem?“
Dass er als Inder eine Marktlücke abdeckt, hat ihm 2008 eine Rolle in der Filmproduktion „Eden is West“ (Regie Costa Gavras) eingebracht. „Zunächst hat er in England einen indischen Schauspieler für die Rolle des Hindu gesucht, da gab es nur einen, der ihm aber nicht gefallen hat. In Deutschland bin ich der einzige“, so Perumal.
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