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Kommentar

Der Preis des Friedens

Von Jan W. Brügelmann, 10.12.09, 20:29h

Erstmals in der Geschichte erhielt ein Staatsmann den Friedensnobelpreis als Vertrauensvorschuss. Damit hat sich die Stockholmer Jury keinen Gefallen getan. Denn Barack Obama baut inzwischen auf das Mittel Frieden durch Krieg.

Obama
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Der Nobelpreisträger und seine Frau: Die Obamas in Oslo. (Bild: afp)
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Der Nobelpreisträger und seine Frau: Die Obamas in Oslo. (Bild: afp)
Wer unter uns würde nicht wünschen, dass Frieden unter den Menschen herrscht? Dass Wohlstand gerecht verteilt wird, die Gedanken frei sind, und unsere Enkel in einer Welt ohne das Damoklesschwert Klimawandel leben können? Träumen darf man ja, aber die Welt, sie ist nicht so. Vielerorts herrschen Unterdrückung, Armut, Hass auf Andersdenkende und -gläubige, Unwissenheit, Intoleranz und Fanatismus. Der Kampf gegen das Böse und die Mächte der Finsternis begleitet die Menschheit von Anfang an. Und auch die ersten Jahre des dritten Jahrtausends nach Christi Geburt sind Belege dafür, dass die Hoffnung nicht sterben darf, ihr Überleben aber immer wieder in Frage gestellt wird.

Nur so ist zu erklären, dass gestern ein Politiker den Friedensnobelpreis entgegen nehmen durfte, der als Oberkommandierender seines Landes zwei - von seinem Vorgänger geerbte - Kriege führt und auf dessen Befehl hin derzeit 30.000 junge Männer und Frauen Abschied nehmen müssen von ihren Familien. Danach sollen sie tausende Kilometer weit entfernt im Namen der Freiheit und der Werte der westlichen Welt ihre Waffen auf Menschen richten, die unsere Feinde sind, weil sie die Intoleranz verinnerlicht haben und es gerecht finden, dass Ehebrecher gesteinigt werden.

Friedliche Demonstranten hätten Hitler nicht besiegt und mit Verhandlungen würden die Terroristen von El Kaida nicht ihre Waffen niederlegen lassen, hat Barack Obama in Oslo ausgeführt und daraus die Konsequenz abgeleitet: Die Instrumente des Krieges spielen eine Rolle bei der Wahrung des Friedens. Für ein solches Credo erhält man 2009 den Friedensnobelpreis. Was Mutter Theresa oder Martin Luther King wohl dazu sagen würden?

Richtig ist, dass Obama als US-Präsident einen Eid geschworen hat, seine Nation zu schützen und zu verteidigen. Das ist ehrbar, darf aber nicht den Blick darauf verstellen, dass Krieg ein grausames, blutiges und ungerechtes Geschäft ist. Unbescholtene Menschen werden zu Mördern, weil ihnen das Töten befohlen wird. Andere verlieren ihr Leben, auch wenn sie keine Uniform tragen und Opfer einer Fliegerbombe werden, die nahe einem Nest namens Kundus am Hindukusch wahllos tötet. Für die toten Zivilisten ist es völlig unerheblich, ob sie starben, weil die deutschen Soldaten zwei Tanklaster treffen wollten, oder - wie seit gestern öffentlich vermutetet wird - vier Taliban-Anführer. Das eine ist so brutal wie das andere. Aber das Argument, von den benzingefüllten Fahrzeugen sei eine unmittelbare Gefahr ausgegangen und deshalb habe man sie zerstören müssen, zerfällt offenbar in Nichts. Der deutsche Krieg wird damit noch ein Stück bitterer.

Die hässliche Realität verschwindet immer häufiger hinter brillanter Rhetorik und geschliffenen Formulierungen. Und auf sie ist ein Stück weit auch das norwegische Nobelkomitee hereingefallen. Oder anders ausgedrückt: Der Friedensnobelpreis 2009 ist erstmals als Vorschuss verliehen worden. Auch seine ärgsten Kritiker werden Obama nicht unterstellen, er sei ein Kriegstreiber und an Frieden nicht interessiert. Aber nach all den warmen Worten wird bald zu fragen sein, ob eine bessere Politik die Geschicke der Menschheit lenkt oder nicht doch die Feinde des Lebens triumphieren, weil sie Freundlichkeit als Schwäche auslegen, die es auszunutzen gilt - mit Gewalt.



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