Von Günther M. Wiedemann, 13.12.09, 21:09h
Im Wahlkampf hatten Union und FDP versprochen, die Lage von Familien zu verbessern. In ihren Koalitionsverhandlungen haben sie einen höheren Kinder-Freibetrag beschlossen. Sozialpolitiker drückten als soziale Ergänzung durch, dass auch das Kindergeld steigt. Damit bei der Offensive für Familien nicht diejenigen in die Röhre gucken, denen der höhere Kinderfreibetrag nichts bringt, weil ihr Einkommen zu gering ist. Aber ausgerechnet die Familien hat man vergessen, die dringender als alle anderen auf mehr Geld angewiesen sind. Das ist deshalb besonders absurd, weil alle Parteien einräumen: Kinder kommen zu kurz bei der Grundsicherung für Arbeitssuchende (Hartz IV). Offenbar durchschaut die Politik selbst nicht mehr die von ihr geschaffenen Regeln des Sozialstaates.
Vermeintliche WohltatDas zeigt sich auch bei einer anderen vermeintlichen sozialpolitischen Wohltat. Union und FDP haben beschlossen, dass Bezieher von Hartz IV mehr dazuverdienen dürfen. Dadurch soll der Anreiz steigen, den Lebensunterhalt durch eigene Arbeit zu bestreiten. Keiner hat aber die Kehrseite der Medaille bedacht: Höhere Zuverdienstgrenzen erweitern den Kreis derer, die Anspruch haben auf Leistungen des Sozialstaates. Wer bislang ohne sie auskommt, kann künftig den Staat zur Kasse bitten, wenn er mit seinem geringen Verdienst weniger hat als derjenige, der Hartz bekommt und mehr Euros dazu verdienen darf.
Immer öfter drehen Politiker an Stellschrauben des Sozialstaates, um ein gerade aktuell heftig diskutiertes Problem zu lösen. Die Politiker bedenken in ihrem Aktionismus aber zu selten die Folgewirkungen an anderer Stelle. In der Sozialpolitik darf nicht noch mehr Populismus einkehren. Geboten ist eine größere Gründlichkeit. Die kann es aber nur geben, wenn nicht nur das Steuerrecht einfacher und überschaubarer wird. Auch das juristische Dickicht des Sozialstaates, muss dringend gelichtet werden.
Sehr gut erkannt!
17.12.2009 | 12.29 Uhr | Leffe
Bravo zu diesem Artikel! Es zeigt sich immer öfters, dass unsere Politiker anscheinend in einem anderen Land leben, wie die Mehrzahl ihrer Bürger.…
Das die...
15.12.2009 | 13.09 Uhr | Leseratte68
...Kinder von heute die Beitragszahler für die Rentenversicherung von morgen sind, ist teilweise auch so ein Totschlagargument. Um Beiträge in…
@Berlin1
14.12.2009 | 17.35 Uhr | Quatschkopf68
Wir wollen ja keine Neiddebatte vom Zaun brechen (vielleicht wäre das politisch so gewollt), aber meine Kinder zahlen später mal ihre Rente. So ist…
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