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Cristiana Capotondi im Interview

„Romy Schneider ist eine Heldin“

Erstellt 16.12.09, 23:11h, aktualisiert 16.12.09, 23:54h

Cristiana Capotondi ist in Italien ein Star. Internationale Erfahrung hat sie kaum. Jetzt spielt sie „Sissi“ im neuen ZDF-Zweiteiler. Im Interview spricht sie über ihre Rolle, Sprachverwirrungen bei den Dreharbeiten und starke Frauen.

Cristiana Capotondi
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Cristiana Capotondi als Sissi (Bild: ZDF)
Cristiana Capotondi
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Cristiana Capotondi als Sissi (Bild: ZDF)
Signorina Capotondi, kullern auch bei Ihnen, wie bei Millionen anderen, Tränen, wenn Romy Schneider als Sissi ihrem Franz um den Hals fällt?

CRISTIANA CAPOTONDI: Als kleines Mädchen habe ich die „Sissi“-Filme oft gesehen. Eine große Liebesgeschichte, die mich immer wieder in den Bann zog. Wenn ich die Filme heute sehe, muss ich eher lachen als weinen. Sie sind mehr Komödie als Drama und viel leichter, als das Leben der historischen Kaiserin Elisabeth war

Keine deutsche Weihnacht ohne Tannenbaum und „Sissi“ im TV. Sind die Italiener ähnlich „Sissi“-verrückt wie die Deutschen?

CAPOTONDI: Schon, aber nicht zu Weihnachten. Da gehen wir ins Kino und schauen Komödien. Die Geschichte der österreichischen Kaiserin kennen wir über Ernst Marischkas Filme. Wenn wir an Sissi denken, haben wir das Gesicht von Romy Schneider vor Augen. Romy Schneider ist auch für mich eine Heldin.

Wie haben Ihre Landsleute reagiert auf die Nachricht, dass Sie es Romy Schneider gleichtun?

CAPOTONDI: Jemand fragte mich: Bist Du verrückt? Da war ich anfangs schon besorgt, aber als ich das Drehbuch las, war ich mir sicher: Niemand wird unsere „Sisi“ mit den alten Filmen vergleichen können. Unser Film ist wirklich völlig anders. Wir heben das politische Leben der Kaiserin hervor. Natürlich konzentrieren wir uns auch auf die Beziehung zwischen Sisi und Franz Josef, vergessen dabei aber nie den historischen Hintergrund.

Was hat Sie beim Drehen am meisten herausgefordert?

CAPOTONDI: Die Sprache! Ich habe italienisch gesprochen, die anderen deutsch. Eine merkwürdige Situation, wie ein permanentes Missverständnis: Ich habe die Kollegen gehört, aber nicht verstanden. Da ist man schon sehr in Sorge, nicht richtig drin zu sein in der Szene.

Wie hat sich Ihr Bild von Kaiserin Elisabeth durch die Dreharbeiten verändert?

CAPOTONDI: Marischka prägte einen Mythos, hinter dem die Person verschwand. Bis zu unserem Film war Sissi für mich die immer lächelnde, immer glückliche Kaiserin - aber das entsprach nicht der Realität. Die wahre Sissi hatte Essstörungen, führte dauernd Kämpfe mit ihrer Schwiegermutter. Sie hatte ein schweres Leben, obwohl sie so schön war und von allen verehrt wurde.

Aber diese dunklen Seiten spart auch Schwarzenbergers „Sisi“ weitgehend aus.

CAPOTONDI: Weil der Film mit der Krönung zur Königin von Ungarn endet, also bevor sich das Leben der Kaiserin verfinsterte. Ich bin nicht unglücklich darüber, dass wir nur diese ersten 15 Jahre aus ihrem Leben zeigen. Ich spiele nicht gerne dunkle, schwermütige Figuren, weil es viel Kraft kostet, nicht selbst schwermütig zu werden.

Sisi und ihre Schwiegermutter Sophie sind zwei starke Frauen, die sich im Film gehörig aneinander reiben. Wie gut konnten Sie eigentlich mit Ihrer Gegenspielerin Martina Gedeck?

CAPOTONDI: Martina ist nicht so fies wie Sophie! Aber im Ernst: Martina ist unglaublich. Du siehst sie und versuchst zu verstehen, wie sie die Szene spielt - einfach großartig! Sie ist sehr spontan, ein liebenswürdiger Mensch. Ich habe viel von ihr gelernt, viel mit ihr gelacht. Das war eine gute Basis für unsere Zusammenarbeit.

Die italienische RAI wird im Frühjahr eine etwas andere Version Ihrer „Sisi“ zeigen. Wieso?

CAPOTONDI: Der Schnitt ist anders. Manche Liebesszenen zwischen Sisi und Franz Joseph sind dann zum Beispiel etwas länger als in der deutschen Fassung. Wir Italiener lieben es eben melodramatisch, wir wollen noch mehr Gefühl.

Haben sich die vielen Reitszenen im Film für Sie gut angefühlt?

CAPOTONDI: Mein Pferd und ich hatten anfangs keine gute Beziehung. Es schaute mich an: Was? Du willst mich reiten? Wir haben uns dann aber aneinander gewöhnt. Ich müsste noch viele Reitstunden nehmen, um perfekt zu werden. Aber ich würde jederzeit wieder in einem Film reiten - wenn das Pferd schläft.

Das Gespräch führte Senta Krasser



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