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Interview mit Felix Sturm

„Ich kann es viel besser machen“

Erstellt 17.12.09, 21:22h, aktualisiert 17.12.09, 21:23h

Box-Weltmeister Felix Sturm gilt derzeit als technisch bester Mittelgewichtsboxer und sein Anspruch an sich selbst ist unerbittlich hoch. Im Interview spricht er über die Trennung von Promoter Kohl, verpasste Gelegenheiten und neue Ziele.

Felix Sturm
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Felix Sturm gibt sich selbstbewusst. (Bild: Dahmen)
Felix Sturm
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Felix Sturm gibt sich selbstbewusst. (Bild: Dahmen)
Herr Sturm, Sie haben große Pläne für Ihr eigenes Unternehmen. Was macht Sie so sicher, dass Sie Universum Box-Promotion den Rücken kehren können?

STURM: Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass ich meine eigenen Wege gehen kann. Wladimir und Vitali Klitschko haben nach ihrer Trennung von Universum auch recht bekommen, ihr Urteil vor dem Bundesgerichtshof hat mich noch einmal zuversichtlich gestimmt. Ihr Anwalt ist auch meiner und er hat mir versichert, dass mein Fall noch viel klarer ist als der von Wladimir und Vitali.

Ist im Profiboxen so viel Geld im Spiel, dass es zwangsläufig irgendwann Stress zwischen Promoter und Kämpfer gibt?

STURM: Nein. Ausschlaggebend war nicht das Geld. Ausschlaggebend war die Kommunikation. Es gab keine Kommunikation. Für uns war alles undurchsichtig, wie eine Blackbox. Wir haben da rein gegriffen und mal haben wir mehr gewonnen und mal weniger. Was hintenherum noch alles kassiert wurde, das sieht keiner. Inzwischen bin ich auch ein bisschen schlauer als früher. Es gibt internationale Vermarktungsrechte, es gibt Ticketing, es gibt Sponsoring. Es kann nicht sein, dass der Promoter mehr Geld verdient als der Boxer.

Also doch das Geld.

STURM: Nein. Mir wurden auch falsche Versprechungen gemacht. Es wurde gesagt: Wir haben Großes vor. Umgesetzt wurde nichts. Es gab Kämpfe, die ich wollte, und dann lag es an Universum, dass diese Kämpfe nicht umgesetzt wurden. Nach außen sah das natürlich so aus, als ob ich nicht wollte. Das fand ich schade.

War einer dieser Kämpfe der gegen Arthur Abraham?

STURM: Natürlich. Das war jetzt nicht mein Traumkampf, mein Traumkampf wäre gegen Bernard Hopkins gewesen damals oder gegen Kelly Pavlik. Der Kampf gegen Abraham ist interessant für Deutschland, deshalb wollten wir ihn machen. Deshalb hoffe ich, dass er jetzt zu seiner Aussage steht, dafür noch mal ins Mittelgewicht zurückzukehren. Nur einen guten Punch zu haben, das reicht nicht. Die ganzen Experten und Boxjournalisten, die nie selbst geboxt haben, müssten da mal objektiver sein. Arthur ist mit seinem Kieferbruch berühmt geworden, weil er sich da durchgequält hat. Psychisch war das eine große Tat, keine Frage. Aber boxerisch ist da nichts. Er ist ein Heumacher, er schlägt viel, aber sein boxerisches Können und seine Kondition sind begrenzt.

Das macht ein Duell zwischen Ihnen und ihm ja so spannend. Sie, der brillante Techniker, gegen ihn, den K.-o.-Schläger, der irgendwann einen aus seiner Doppeldeckung rausknallt.

STURM: Ja, genau, aber ich kann ungefähr einschätzen, wann er einen rausknallt. Ich bin einen verdammt schweren Weg gegangen, ich wurde oft ins Feuer geschmissen, aber ich habe mich immer behauptet. Gegen Arthur sähe das nicht anders aus. Für mich wäre er eine Herausforderung wie viele andere. Aber ich wäre für Arthur die größte Herausforderung seines Lebens.

Aber Ihr Promoter Klaus-Peter Kohl hat das Duell verhindert?

STURM: Ich war nur Boxer, ich konnte nichts entscheiden. Mir wurde auch immer erzählt: Wir machen den Kampf gegen Pavlik. Aber am Ende des Tages ist man nur die sichere Variante gegangen. So konnte ich mein Ziel, gegen die Besten zu boxen, nicht erreichen. Die Gefahr, dass ich verliere, hätte ich gern in Kauf genommen. Jetzt gibt es viele Möglichkeiten. Ich musste schon lachen, wer da zuletzt alles bei mir angerufen hat.

Zum Beispiel?

STURM: Zum Beispiel die ganze Welt. Von jedem, der im Business bekannt ist, haben wir Anfragen bekommen. Aber die reizvollste Aufgabe ist für mich jetzt, meine eigene Promotionsfirma aufzubauen. Eigene Halle, eigene Büroräume hier in der Südstadt. Dann die Konstellation mit meinem Konditionstrainer Clive Salz und dem amerikanischen Boxtrainer Freddie Roach. Das ist traumhaft, das Größte überhaupt für mich zurzeit. Ein Promoter ist ein Promoter, er will Geld verdienen. Dem ist es egal, ob ich gewinne oder verliere. Mir ist wichtig, dass ich niemanden mehr fragen muss. Ich sage ja oder nein. Und wenn ich auf die Nase falle, falle ich für mich hin.

Wen vermarkten Sie noch?

STURM: Maurice Weber und Patrick Dobroschi. Und wir haben Anfragen aus Australien, Amerika und England. Ich denke, dass einige inzwischen gesehen haben, was das für ein undurchsichtiges und schmutziges Geschäft ist. Ich bin glaube ich der erste Boxer, der so öffentlich gegen einen Promoter vorgegangen ist.

Können Sie es besser machen?

STURM: Auf jeden Fall. Ich bin kein Sparfuchs. Ich bin kein Promoter im Herzen, im Herzen bin ich ein Fighter. Ich gebe lieber 100.000 Euro aus für die Show, die Plakatierung, egal, es soll nur groß werden in der Halle. Das kann man sich leisten, wenn man 1,5 oder zwei Millionen Euro vom Fernsehen bekommt und 500.000 oder 600.000 Euro Unkosten hat für den Trainer, den Gegner, die Hallenmiete - wobei ich da gar nicht mehr so überzeugt bin, dass das so große Unkosten sind. Wenn man Kämpfer hat wie Wladimir, Vitali, Arthur oder mich, dann müsste man nach meiner Rechnung - es kann natürlich sein, dass ich falsch liege - allein mit dem Ticketing die Unkosten für den Gegner heraus holen. Ich bin bereit, Geld zu investieren, deshalb bin ich überzeugt, dass ich es viel, viel besser machen kann als mein ehemaliger Arbeitgeber.

Das Gespräch führte Susanne Rohlfing



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