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Interview

„Werbung abschaffen“

Erstellt 20.12.09, 20:56h, aktualisiert 21.12.09, 00:08h

Jürgen Doetz, Präsident des Verbands Privater Rundfunk und Telemdien, äußert sich zu den Gebührenerhöhungen im öffentlichen Rundfunk. Der 65-Jährige plädiert für eine Qualitätskontrolle des Programms der Öffentlich-Rechtlichen.

Jürgen Doetz
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Jürgen Doetz. (Bild: AV)
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Jürgen Doetz. (Bild: AV)
Herr Doetz, vor kurzem kam heraus, dass für Computer und Smartphones die volle Rundfunkgebühr erhoben werden soll. Was sagen sie dazu?

JÜRGEN DOETZ: Das ist wohl der Einstieg in eine grundsätzliche Diskussion zur Renovierung des Gebührenmodells. Am Ende wird und sollte nicht die Frage nach dem Gerät entscheidend sein. Die Gebühren sollten am einzelnen Nutzer festgemacht werden. Dann erledigt sich die Frage, ob sie einen Fernseher, ein Smartphone oder einen Kühlschrank haben, mit dem sie zukünftig auch digitale Inhalte empfangen können.

Was sagen sie zur Höhe und Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Anbieter, also zur Gebührenhöhe?

DOETZ: Ich gehe immer davon aus, dass es Einsparmöglichkeiten gibt. Wir sind deswegen auch strikt dagegen, dass über weitere Erhöhungen diskutiert wird. Allerdings bin ich auch nicht blauäugig genug zu glauben, dass die Politik eine Absenkung des Finanzbedarfs von ARD und ZDF abnicken würde. Die Medienpolitik muss sich jetzt entscheiden, was gebührenfinanziert veranstaltet werden soll: alles was möglich ist, oder alles, was notwendig ist.

Wo ist da die Grenze?

DOETZ: Es müssen die Angebote im Bereich Information und Kultur gemacht werden, die für eine Grundversorgung der Menschen notwendig ist. Es muss auch eine Qualitätskontrolle geben und es soll natürlich auch Angebote im Bereich der Unterhaltung geben. Auch im Internet. Das sage ich an dieser Stelle, um dieses Fass nicht auch wieder aufzumachen. Nur: Es kann nicht alles notwendig sein, was möglich ist.

Wo ist Verzicht notwendig oder möglich?

DOETZ: Man kann zum Beispiel bei der Zahl der Kanäle Abstriche machen, wie es ja beispielsweise die BBC in England aktuell intern diskutiert. Und auch in den Bereichen Sport und Unterhaltung müssen ARD und ZDF nicht alles tun, was geht. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss sich schließlich, so ist er auch legitimiert, von privaten Angeboten unterscheiden.

Welche Sendungen von ARD und ZDF haben Sie im Visier?

DOETZ: Im Sport beispielsweise das Boxen, bei der Unterhaltung die Daily Soaps, im Gesamtprogramm die zahlreichen Wiederholungen - da kommt genügend Programm zusammen, um erhebliche Einsparungen an Programmfläche und Kosten vorzunehmen.

Was ist mit der Werbung bei den Öffentlich-Rechtlichen?

DOETZ: Wir brauchen einen Beschluss über die Abschaffung der Werbung dort. Und zwar jetzt! Umgesetzt werden kann es dann mit der neuen Gebührenperiode 2013.

Dagegen wird gerne gesagt, dass die werbetreibende Wirtschaft gewisse Zielgruppen nur über ARD und ZDF erreichen könne und damit ein pauschales Werbeverbot schaden würde.

DOETZ: Wenn sie die fortschreitende Digitalisierung einbeziehen, müssen sie voraussetzen, dass sie dann auch mit privaten Spartenkanälen die volle Reichweite bei den Zuschauern erzielen können. Es gibt für jede Klientel auch Angebote bei den Privaten. Ich halte das für ein vorgeschobenes Argument.

Einer dieser Spartenkanäle, N24, ist gerade Gegenstand einer öffentlichen Diskussion. Pro7 / Sat1 plant, den Nachrichtensender zu einer vom Jjournalismus befreiten Abspielstation zu machen. Das widerspricht ihrem Argument.

DOETZ: Das liegt doch daran, dass die Öffentlich-Rechtlichen kostenlos mit ihrem Riesenangebot und den neuen Spartenkanälen den Wettbewerb weiter verzerren. Der Markt ist sehr eng und wird dadurch noch enger. Für die Privaten sind da teure Informationsangebote kaum zu refinanzieren. Und zwar nicht nur im Fernsehbereich.

Das Gespräch führte Jan-Philipp Hein



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