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Kommentar zur Bundeswehr

Was tun wir in Afghanistan?

Von Thomas Kröter, 21.12.09, 22:26h, aktualisiert 17.01.10, 20:36h

Eine Debatte über Sinn und Zweck des deutschen Engagements in Kabul und Kundus ist die deutsche Politik den Bürgern schuldig - und mehr noch den Soldaten, die dort ihr Leben aufs Spiel setzen.

Nach Luftangriff
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Hier wächst kein Gras mehr: Die ausgebombten Tanklaster in der Nähe von Kundus. (Archivbild: dpa)
Nach Luftangriff
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Hier wächst kein Gras mehr: Die ausgebombten Tanklaster in der Nähe von Kundus. (Archivbild: dpa)
Es sind Staatsbürger in Uniform, die in Afghanistan gefährlichen Dienst tun. Sie wissen, mindestens sollten sie es: Die Zeiten, da eine „Heimatfront“ geschlossen hinter den „Soldaten im Felde“ stand, sind vorbei. In der Demokratie ist Streit um staatliches Handeln der Normalfall. Insofern hat es ein Element von Ausnahmezustand, wenn die Bundestagsparteien (außer der Linken) die Außenpolitik, besonders aber Sicherheitspolitik, zumal den Umgang mit der Bundeswehr, in die Watte des Konsenses polstern. Doch an zentralen Wegmarken bricht die Normalität in dies Reservat - zu Beginn der 80er Jahre im Streit um die atomare „Nachrüstung“, ein Jahrzehnt später, als die Bundeswehr begann, im Ausland zu operieren. Wenn die Parteien sich anschicken, das Treiben der Truppe am Hindukusch zum Gegenstand der Kontroverse zu machen, könnte dies darauf hindeuten: Es ist wieder Grundsätzliches im Gange.

Zu kurz gegriffen deshalb, der SPD schlicht Populismus zu unterstellen, wenn sie von der Regierungslast befreit, nicht jede Einsatzausweitung abnickt. Es ist auch kein grüner Fundi, sondern FDP-Chef Guido Westerwelle, der als Außenminister vorerst nichts von mehr deutschen Soldaten in Afghanistan wissen will.

Schließlich der Untersuchungsausschuss: Da geht es vordergründig um das Schicksal eines begabten Ministers. Viel wichtiger aber geht es um die ernüchternde Erkenntnis, dass Deutschland nicht nur friedlichen Aufbau gutmilitärisch bewacht, sondern einen Krieg führt, der wie jeder andere seine schmutzigen Seiten hat.

Darüber lohnt es in der Tat zu streiten. Was tun „wir“ in Afghanistan? Terroristen das Handwerk legen? Menschenrechte, Demokratie durchsetzen? Oder aus dem Kreis der grässlichen Alternativen mit jenen einen Deal versuchen, die etwas weniger grässlich sind als der Rest? Denn nichts anderes bedeutet die Suche nach dem „guten“ oder „vernünftigen“ Taliban.

Womöglich müssen sich Politik und Öffentlichkeit mit einer weiteren Desillusionierung vertraut machen: Gerade, wer sobald wie möglich raus will, muss erst einmal massiver militärisch rein gehen. Deutsche Soldaten müssen Krieg führen - nicht wie ihre Väter, aber wie amerikanische, britische, französische Freunde. Dass die Staatsbürger daheim sich darüber ernsthaft auseinander setzen, sind sie denen am Hindukusch schuldig wie auch ihrem demokratischen Gemeinwesen.



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