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Weihnachts-Programm

Auf dem Traumschiff Deutschland

Von Rüdiger Heimlich, 22.12.09, 18:49h

Das „Traumschiff“ feiert über die Festtage ein Jubiläum und steuert mit dem ZDF-Publikum die „sagenumwobene Märchenwelt der Emirate“ an. Aber auch sonst hat das TV-Programm über den Jahreswechsel einiges zu bieten.

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Das Traumschiff ist Weihnachten unterwegs. (Bild: ZDF)
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Das Traumschiff ist Weihnachten unterwegs. (Bild: ZDF)
An den Weihnachtsfeiertagen werden 89 Prozent der Deutschen ihren Fernseher einschalten. Mehr als die Hälfte unter ihnen will täglich mehr als vier Stunden davor bleiben, so eine aktuelle forsa-Umfrage. Gut jeder sechste will so acht Stunden seiner besinnlichen Zeit verbringen.

ZDF-Zuschauer sollten dafür die Schwimmwesten zum obligatorischen Ausbooten anlegen und vorsichtshalber ein Wirkstoffpflaster gegen Seekrankheit bereitlegen - das „Traumschiff“ feiert ein Jubiläum und steuert mit dem ZDF-Publikum die „sagenumwobene Märchenwelt der Emirate“ an; dann geht es weiter nach Marrakesch, an Silvester zum farbenprächtigen Indian Summer nach Kanada, dann gen Süden nach Bermuda.

Die Zeit zwischen Weihnachtsbuffet und Neujahrsdinner füllt das ZDF mit Carmen Nebel, Marianne & Michael, „Luxus, Glamour und Legenden“ im Grand Hotel“. Es kommt zum pünktlichen Absingen konfessionellen Liedgutes, zu Festgottesdiensten und dem päpstlichen Segen. Den werden die ZDF-Passagiere brauchen, denn am 2. Januar kreuzt ein weiteres ZDF-Team auf dem Urlaubsdampfer „Aidaaura“ auf einer „Kreuzfahrt in die Kälte“ gefährlich ihren Seeweg. Und da ist dann ab 11. Januar auch die „Albatros“ im Atlantik unterwegs: Die ARD bietet „Käpitänsdinner, Shows, traumhafte Hochzeiten“ in 20 Folgen („Verrückt nach Meer“). Das All-inklusive-Paket wird pauschal über die öffentlich-rechtliche Rundfunkgebühr abgebucht.

Ursachen der Seekrankheit

Das „Traumschiff Deutschland“ ist unterwegs - das Fernsehen schaukelt uns ins Eiapopaia. Noch sind die Ursachen der Seekrankheit ja nicht definitiv ermittelt. Es soll etwas mit widersprüchlichen Informationen von Auge und Gleichgewichtsorgan an das Gehirn und deren Auswertung zu tun haben. Und tatsächlich: Wer sollte das alles auswerten? „Traumziel Karibik“, „Traumland Kanada“, „Rosamunde Pilcher“, „Sissi“, „Dornröschen“, „Rumpelstilzchen“, „Die Gänsemagd“ und all die anderen Märchen mit Christine Neubauer, die im Auftrag der ARD-Degeto wieder einmal „Meine Heimat Afrika“ heimsucht. Afrika?

Es ist das Eiapopaia-Land - das deutsche Fernsehen, das Urlaub von der Realität nimmt, ein denkfauler Ferienclub, gutbürgerlich, wohlstandsverwahrlost, am Gängelband der politischen Eliten. Wie gestrig ist ein Fernsehen, das immer wieder dieselben deutschen „Legenden“ umspült: Hans Albers, Jopi Heesters, Heinz Erhard und Hansi Hinterseer. Wie neugierig ist ein Medium, das jahrein jahraus auf dieselben Darsteller setzt: Fritz Wepper, André Rieu und das Ohnesorg-Theater. Wie engagiert ist ein Medium, das seine politische und wissenschaftliche Hintergrundberichterstattung in den Nachtstunden versendet, teure Produktionen oft jahrelang in der Warteschleife hält, weil sich kein Sendeplatz findet.

Keine Katastrophen

Die Evangelische Kirche hat die deutschen Privatsender übrigens jetzt aufgefordert, keine Gewaltfilme zum Fest auszustrahlen. ARD und ZDF hätten ein „durchaus feiertagtaugliches Programm“, das eine hohe Zuschauerzahl verspreche und sich „mit dem Inhalt des christlichen Weihnachtsfestes verbindet“. Das findet der Medienbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die wünscht sich, dass sich auch auf RTL und Sat.1 der Inhalt des Christfestes im Programm widerspiegelt. Auf Katastrophenfilme wie „Die Jahrhundertlawine“ oder „Stirb langsam 2“ sollte deshalb verzichtet werden.

Es geht das Gerücht, dass die Intendanten von ARD und ZDF demnächst auf dem Traumschiff tagen. Es soll zu einem Grundsatzbeschluss kommen: Tagesausflüge in das Landesinnere der Wirklichkeit werden aus dem Programm gestrichen. Irgendwo müsse schließlich gespart werden. Einkommende Nachrichten aus der Welt des Realen könnten im Internetcafé eingesehen werden. Kirchenvertreter haben durchgesetzt, dass zum Sendeschluss Carmen Nebel und die Bordkapelle „Näher, mein Gott, zu dir“ anstimmen.



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