Von Norbert Ramme, 22.12.09, 20:25h
Die Stadtarchiv-Nummer ist auch optisch eine der schönsten im neuen Programm, das wie immer von politischem Kabarett bis zum Fastelovends-Klamauk alles bietet. Vom eitlen Verteidigungsminister zu Guttenberg, der sich zu einen unangekündigten Besuch beim „bewaffneten Brunnenbohren“ in Afghanistan ankündigt, ist es so nicht weit bis zu den Zwangsjecken. In einer Psychiatrie werden Menschen geheilt „die es nicht schaffen, nach Karneval in ein normales Leben zurück zu finden.“ Doch selbst die monotonen Ablenkungs-Sprüche („Wir sind nicht dabei. Nichts ist prima“ oder „Ein Trömmelchen kann gar nicht gehen“) helfen nichts. Der Kölner an sich, das wissen die Stunker, will feiern.
Zur Not auch bei einem Hip-Hop-Battle, bei dem sich das Rumpelstilzchen und das Botterblömchen („Ich bin eigentlich schon tot, aber reloaded“) oder Marie-Luise Nikuta und das Fussich Julchen im Stil der bei Kindern und Jugendlichen beliebten Asi-Rapper auf das Übelste - „Märchen-Schwuchtel“ oder „Tusch-Tussi“ ist da noch harmlos - beschimpfen. Jedoch stets schön gereimt in Vierzeilern. Dazu treten Rote und Blaue Funken zum Break-Dance-Duell an.
Mit Tanzschritten und Gesang duellieren sich auch Präsidentin Biggi Wanninger als Trude Herr und Michael Jackson. Sie sei im Himmel nicht mehr gefragt, seit das „schwarze-weiße Gestell“ angekommen ist. „Sogar Inge Meysel und Rudi Carrell trainieren schon den Moon-Walk“. Stunker Ozan Akhan beherrscht den und wirbelt mit der kölschen Trude über die Bühne: „Im Himmel sin mer alle jeck un breit“, erklingt es zur „Black and white“-Melodie. Da fordert sich das Publikum Zugabe. Genau wie zuvor beim Aufmarsch der Musiker Köbes Underground Musiker als Tambourkorps, das mit Trommeln und Becken ganz geschickt die Hits von Lady Gaga (Pokerface) und Emiliana Torrini (Jungle Drum) verwurstet.
Richtig gelungen auch die Parodie auf die Chart-Shows am Beispiel des Grundgesetzes, bei Stunker Günter Ottemeier als dümmlicher Oliver-Geissen-Verschnitt mit Hitler, Bushido und Claudia Roth plaudert sowie die Solo-Nummern von Wanninger als Rainer Calmund und Bruno Schmitz als frustriertem SPD-Abgeordneten.
Da Akhan als türkischer Prinz gekürt wird, gibt's diesmal kein Dreigestirn. Doch Winni Rau, wie immer der Bauer, darf trotzdem seinen Satz sagen. „Weil ich der Bauer bin“, trällert er zur Melodie von „On the road again“ bei der Woodstock-Parodie zum Finale nach fast dreieinhalb Stunden. Denn dieses „Summer of Alaaf-Festival“ habe vor der US-Version schon in Zollstock stattgefunden - etwa mit Jupp Cocker: „Wenn mer sich helfe kann, ist mer in Kölle jot dran.“ Stehende Ovationen.
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