Von Jan Freitag, 28.12.09, 22:55h
CHRISTOPHER LAMBERT: In meinem französischen Pass steht das erste, im amerikanischen das zweite. Ich reagiere also auf beides, aber mein Geburtsort in New York ist eigentlich das einzig Amerikanische an mir, der Rest ist durch und durch französisch.
Das zeigt sich auch darin, dass Sie ein Gourmetrestaurant haben und Winzer sind.
LAMBERT: Unter anderem. Aber nach New York bin ich in der Schweiz aufgewachsen, also ist das Französische mir in gewisser Weise ein Unfall, weil meine Eltern beide französisch sind.
Bedeutet ihnen Nationalität etwas?LAMBERT: Nein, dafür fehlen mir richtige Wurzeln. So ist es eben, daran gibt es nichts zu vermissen. Denn wo immer ich mich in meinem Leben auch aufgehalten habe - sobald ich mich irgendwo wohl fühle, wird es zu meinem Zuhause und ich nehme sehr schnell die örtlichen Gepflogenheiten an.
Das heißt, nach dem Dreh mit deutschem Team sind sie nun pünktlicher und disziplinierter?LAMBERT: Pünktlich war ich schon immer, das ist die wichtigste Höflichkeit einer Epoche, in der Zeit die wichtigste Währung ist. Außerdem reise ich viel durch die Welt, da ist es sinnvoller, ein wenig zu früh zu sein, sonst bleibt man ständig hängen. Und Disziplin - ist das noch immer eine deutsche Eigenschaft? Dann ist steckt wohl auch viel Deutschland in mir.
Wo Sie auch über 20 Jahre nach Ihren großen Erfolgen populär sind - können Sie sich das erklären?LAMBERT: Ich weiß, dass es so ist, wundere mich kurz darüber und genieße es dann still. Wenn man versucht, die Ursachen der Popularität zu ergründen, macht man sie zur Grundlage seines Handelns.
Haben Sie eine Erklärung?LAMBERT: Nun ja, viele Deutsche lieben Frankreich, den Akzent und die achtziger Jahre. Ich betrachte mich nicht als Relikt der Achtziger, auch wenn meine Karriere da begann. Sie ging ja danach weiter, ich drehe bis heute ständig, auch wenn vieles davon weniger bekannt ist als meine populären Filme vor 25 Jahren. Das macht mich doch auch zu einem Mysterium, was viel spannender ist als die Oberfläche. Oberflächlichkeit ist langweilig.
Das deutsche Publikum dürfte Ihren Auftritt in „Das Geheimnis der Wale“ als Comeback betrachten.LAMBERT: Das mag ja sein, ich tue das nicht. Und ich habe den Film auch nicht gemacht, weil ich damit ein bestimmtes Ziel der Publikumsresonanz erwarte, sondern weil er mir ein tiefes inneres Anliegen war.
Nico Hofmann, der Produzent, sagte, jeder im Team sei vom Umweltthema darin persönlich betroffen. Inwieweit trifft das auf Sie zu?LAMBERT: In großem Maße. Jedes Lebewesen ist unmittelbar von der Tatsache betroffen, dass es die Natur ist, die uns Leben gibt. Egal, ob als Mensch, als Tier oder als Pflanze. Deshalb ist es so absurd, diese Grundlagen zu zerstören. Wir müssen lernen, ihr etwas zurückzugeben, auch wenn wir damit eigentlich vor 50 Jahren hätten beginnen sollen.
Glauben Sie, es ist schon zu spät?LAMBERT: Nein, dafür bin ich viel zu optimistisch, zu positiv. Das versucht auch dieser Film zu vermitteln: Wir können etwas tun, auch wenn es hier nur die Rettung einer kleinen Bucht ist. Botschaften, die aufs große Ganze, die Rettung der Welt, dem Anstieg der Meeresspiegel zielen, sind oft schwerer verständlich als solche, die nur einen Teil davon betreffen. Und durch Unterhaltung vermittelt, wirken sie zudem nachhaltiger als solche in den Nachrichten. Schöne Geschichten helfen unserem Verständnis auf die Sprünge. Deswegen vermitteln wir ja Kindern unsere Moralvorstellungen auch über Märchen, nicht mit Zeitungsartikeln.
Kann Unterhaltung Haltungen verändern?LAMBERT: Vielleicht, vor allem aber kann er das Denken in andere Richtungen lenken. Was es dort daraus macht, ist individuell verschieden. Wir wollen das mit so einem Film nicht steuern, aber anregen.
1986 haben Sie sich auf „Highlander“ mit viermonatigem Schwertkampftraining vorbereitet. Was tut man im Vorweg für eine abstraktere Rolle wie den Umweltschützer Chris Cassell?LAMBERT: Indem ich versucht habe, mir die Schönheit der Natur bewusst zu machen, ihren Reichtum, vor allem aber ihren Frieden, den wir permanent herausfordern. Wenn man die Natur reizt, schlägt sie unerbittlich zurück, härter, als es jede menschliche Waffe könnte. Dieses Bewusstsein war meine Vorbereitung. Ich musste mir darüber bewusst werden, wie klein wir im Vergleich zur Natur sind. Das war fast ein meditativer Vorgang.
Versuchen Sie das auch sonst?LAMBERT: Ich bin da nicht sonderlich fanatisch, ich beachte, was ich verbrauche und was davon wirklich nötig ist. Weil so vieles von dem, was wir als Spezies tun, falsch ist, müssen wir es nicht gleich radikal umdrehen, sondern ausbalancieren. Dazu versuche ich beizutragen und das soll auch meine Rolle charakterisieren, in der ich mich zwar für die Umwelt engagiere, aber trotzdem Fehler mache und ein dickes Auto fahre.
>Arbeiten Deutsche am Set anders als Amerikaner und Franzosen?LAMBERT: Nein, aber es ist etwas Besonderes, mit Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenzuarbeiten. Wenn die einen beim Drehen deutsch sprechen und die anderen englisch, sieht man ganz andere Dinge in den Dialogpartnern. Man muss sich auf die Augen konzentrieren und beginnt in Gesichtern zu lesen. Ich wundere mich manchmal, wie viel von dem, was man sprachlich nicht versteht, über die Ausstrahlung zu spüren ist. Man spürt hinter jedem Wort, das Veronica Ferres spricht, einen ungeheueren Mut. Sie ist eine sehr starke, sehr empfindsame Schauspielerin, aber nichts hat mich mehr beeindruckt als ihr Mut.
Sie sind mit einer starken Frau zusammen, dem Traum aller Männer, die Anfang der Achtziger Teenager waren...LAMBERT: Sophie Marceau, das stimmt. Sie ist bildschön, keine Frage, aber vor allem ist sie eines: ein wunderbarer Mensch, das ist das wichtigste.
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