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Philharmonie

Energiegeladenes Gotteslob

Von Matthias Pesch, 29.12.09, 21:54h, aktualisiert 30.12.09, 16:40h

Die Harlem Gospel Singers sind drei Tage lang zu Gast in der Kölner Philharmonie. Erstmals ist auch ein weißer Sänger mit von der Partie: Marty Thomas gab schon mit elf Jahren sein Debüt auf dem Broadway.

Marty Thomas
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Der erste Weiße bei den Harlem Gospel Singers: Marty Thomas (r.) im Duell mit Rebecca Scales. (Bild: Ohlenbostel)
Marty Thomas
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Der erste Weiße bei den Harlem Gospel Singers: Marty Thomas (r.) im Duell mit Rebecca Scales. (Bild: Ohlenbostel)
Köln - Die letzten, bewegenden Takte von „Oh, happy day“ sind verklungen, die Sänger von der Bühne getanzt. Queen Esther Marrow, zum Finale im rosa Kleid erschienen, hat sich winkend verabschiedet. Nur die Band spielt noch, und man wünscht sich, dass die fünf exzellenten Musiker noch ein paar Minuten dranhängen, um den Abend ein wenig zu verlängern. Die Zuschauer im vollbesetzten Pariser „Olympia“ sind längst aufgestanden, klatschen und jubeln einem Ensemble zu, das sie für mehr als zwei Stunden aus dem Alltag entführt hat: mit einer temporeichen Show, mit perfekter Choreografie, mit in Gospel, Soul und R´n´B verpacktem Gotteslob. Mal enthusiastisch, mal inbrünstig, stets mit einer Leidenschaft vorgetragen, die reichlich Zuversicht, Hoffnung und Lebensfreude in dem legendären Theatersaal verbreitete.

„Move on up“ heißt die neueste Produktion der Harlem Gospel Singers, mit der die erfolgreichste Formation ihres Genres Anfang Januar wieder an drei Tagen in Köln zu Gast sein wird. Wie die Besucher im traditionsreichen „Olympia“, wo Stars wie Edith Piaf, Frank Sinatra, Ray Charles oder Bob Dylan Musikgeschichte geschrieben haben, werden auch die Gospel-Fans in der Philharmonie eine Premiere erleben: Mit Raphael Smith (26) führt nicht nur ein neuer Chordirektor mit unbändigem Bewegungsdrang seine Sänger - erstmals verstärkt ein weißer Sänger das Ensemble. Marty Thomas (30), der schon mit elf Jahren sein Debüt am Broadway gab, wurde aus mehr als 700 Bewerbern ausgewählt. „Er ist in der Lage, Gospel-Musik so zu singen wie wir es tun“, lobt Roseanne Kirk, Produzentin und Entwicklerin der Show.

Dass er sich hinter seinen schwarzen Mitstreitern nicht verstecken muss, beweist der blonde Tenor („Das ist eine Chance, die nicht viele Sänger bekommen“) unter anderem mit der Ballade „One Song“ - einem der Höhepunkte der zweiten Abteilung, in der das Ensemble mit „Man in the mirror“ auch dem verstorbenen Michael Jackson seine Reverenz erweist. Es erübrigt sich eigentlich zu erwähnen, dass die Queen, die nach überstandener schwerer Krankheit in Paris zeitweise bis an die Grenzen ihrer Kraft zu gehen schien, mit ihrer umwerfenden Stimme und ihrem Charisma dem Abend den Stempel aufdrückte. Aber sie ließ auch ihrer „Familie“ reichlich Raum, ihre vielfältigen stimmlichen Qualitäten zu demonstrieren: Neben Thomas brillierte da vor allem die Opern-erfahrene Rebecca Scales mit „How great thou are“ in der ersten Hälfte. „Wir lernen so viel von Queen Esther“, sagt Sopranistin Rebecca nach der Show.

Das zahlt sich ganz offensichtlich aus.



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