Von Peter Limbach, 29.12.09, 21:33h
Die 46 Jahre alte Kanders, ein „echt kölsches Mädchen“, wie sie betont, hat sich 18 Jahre lang in der anspruchsvollen New Yorker Musikszene als Drummerin und Perkussionistin hervorragend geschlagen. Und so bunt gemischt wie die Szene dort ist auch ihre Musik: Jazz, Pop, Elektronik, House, Drum 'n' Bass und Ambient lassen Kristina Kanders und ihre Begleiter verschmelzen.
Natürlich dreht sich alles um den Rhythmus, den die Chefin vorgibt. Perkussiv, reichhaltig ist ihr Spiel. Nach traditionellem Jazz aber ist der studierten Jazz-Drummerin derzeit nicht so sehr zumute. Für Ausbrüche, Improvisationen bleibt im aktuellen Konzept nur wenig Platz. Eine ausgetüftelte Musik, die nicht nur die Beine, sondern auch den Geist bewegt, hat Kristina Kanders geschaffen - ein Sound-Puzzle. Umso ärgerlicher, wenn kurz vor dem Konzert ein Begleitmusiker erkrankt. Tom Lorenz, Vibraphon, Drums und Percussion musste absagen. Kristina Kanders und ihre zwei verbleibenden Mitstreiter hatten also ein Loch zu füllen.
Ein Fall vor allem für Bernd Gast, dessen Beiträge ohnehin höchst wichtig für die Klang-Collage sind. Am Keyboard und am Laptop gibt er - wie ein Maler - viele jeweils, kleine, aber überaus wirksame und vielfarbige Sound- und Rhythmus-Tupfer hinzu.
Ein frickeliger Groove ist das. Aber Konkurrenz belebt auch in der Musik. Die eigentliche Spannung beim Kulturbunker-Konzert entsteht durch das Wechselspiel mit Sopran-Saxophon und Querflöte von Wolfgang Klüfer. Seine bitter-süßen Beiträge reiben sich an den ausgelassenen Rhythmen von Kanders und Gast. Dann wird es zuweilen doch jazzig. Ebenso wenn Kristina Kanders singt.
Dann lässt sie ab vom Rhythmus - im Kulturbunker sitzt dann der eilends herbeigebetene Ersatz Martell Beigang vom Jazz-Projekt Swinger Club am Schlagzeug - und verwandelt sich in eine Songwriterin mit Botschaft. In „Plucking Daisies“ (Gänseblümchen pflücken, die Er-liebt-mich-Er-liebt-mich-nicht-Methode) zum Beispiel macht sie Mut, sich selbst zu lieben (just love yourself) statt immer nur bange zu rätseln, ob man denn von den Anderen auch geliebt wird.
Dazu braucht es Courage, und die beweist Kristina Kanders auch im Kulturbunker. Erstmals versucht sie sich vor Publikum an dem Pandeiro, einer kleinen Trommel (Schellenkranz mit Fell), die es in sich hat. Mit Fingern, Handrücken und Ballen bearbeitet die Künstlerin das wundersame Teil und lässt es klingen wie einen Haufen Trommler, der sich in Trance spielt.
Ein leibhaftiges Percussion-Orchester hatte den Kulturbunker für Kristina Kanders gut angeheizt. Die Queerelas, ein rein weibliches Ensemble, jagen durch die afrobrasilianischen Dschungel, im schnellen Wechsel reißen Rhythmen wie der elegante Mais Um und der erdige, schwere Baiao mit. Auch kölsche Mädchen haben den Beat im Blut.
Das neue Album von Kristina Kanders heißt „Say Something“ und ist ab 22. Januar erhältlich. Weitere Informationen finden sich auf der homepage.
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